Anti-Minarett-Kampagne Starwerber: «Die Kampagne ist gefährlich»

  • Publiziert: 08.10.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Roman Neumann

ZÜRICH – Frank Bodin ist Werber des Jahres 2009 und ein entschiedener Gegner der Anti-Minarett-Kampagne. Der Starwerber über billige Werbetricks, die Polemik der SVP und sein Gegenplakat.

Blick.ch: Herr Bodin, warum haben die Kampagnen der SVP immer Erfolg?
Frank Bodin: Von Erfolg würde ich nicht sprechen. Die Abstimmung wird nicht zu ihren Gunsten ausfallen.

Aber überall wird über das Anti-Minarett-Plakat gesprochen, das schafft sonst keine andere Partei.
Sehen Sie, das ist ein billiger Werbetrick. Schockiere und du erhältst Aufmerksamkeit. Es gibt immer irgendjemanden, der sich empört. Das wird zum Beispiel auch bei Organisationen gemacht, die wenig Mittel für eine breite Kampagne haben.

Wenn der Trick so einfach ist, warum springt niemand auf den Zug auf?
Das ist eine Frage des politischen Stils. Und des Geschmacks. Die SVP betreibt Polemik und verzerrt dabei alles. Auf dem Plakat sehen wir eine zugepflasterte Schweiz und eine Frau, die ziemlich bedrohlich wirkt. Ich bin für Werbefreiheit, aber das ist Angstmacherei.

Das hätten Sie bei ihrem Gegenentwurf auch machen können. Die Resonanz wäre Ihnen sicher gewesen.
Genau das wollten wir nicht. Natürlich, auch wir hätten schocken können. Wir haben uns dann aber bewusst dagegen entschieden.

Wie hätten Sie schockiert?
Das Plakat wäre eine Ansammlung von Flaggen gewesen. Flaggen von sogenannten Schurkenstaaten wie Libyen. Und mittendrin die Schweiz und dazu der Claim: «Staaten, die eine eingeschränkte Religionsfreiheit haben».

Nicht schlecht.
Natürlich. Aber das wäre nicht demokratisch korrekt gewesen. Und ich erachte das als gefährlich. Wir haben in der Schweiz eine besonders hohe politische Kultur. Und die Parteien sollten nicht mit Angstmacherei die Meinungen der Bevölkerung beeinflussen.

Als Werber müssen sie aber sagen: Die SVP ist mit ihren Kampagnen immer in aller Munde.
Die SVP-Formel ist effizient, ja. Es ist halt ein medialer Trick, den sie da machen.

Nutzt sich denn die Schock-Wirkung nicht irgendwann mal ab?
Nein, aber ich bezweifle, dass sie damit die Unentschlossenen auf ihre Seite ziehen. Ich glaube an den gesunden Menschenverstand in der Schweiz.

Ihre Partnerin, die Sängerin Emel, stammt aus dem muslimischen Kulturkreis. Wie reagiert sie eigentlich auf die Kampagne?
Sie ist türkischer Abstammung, aber macht den perfekten Brückenschlag zwischen den Kulturen. Sie hat den Koran gelesen, wie auch die Bibel. Sogar getauft wurde sie einmal. Sie ist sozusagen multireligiös. Und wir sind, was die negative Wirkung der Plakate betrifft, einer Meinung. Sie findet sie auch daneben.

Trotzdem glauben sie nicht an den Erfolg der Kampagne.
Nein, ich glaube an das Gute im Menschen. Durch diese Kampagne lassen sich nur die konservativen SVP-Wähler mobilisieren. Die Initiative wird nicht angenommen werden, davon bin ich fest überzeugt.

Das Ausland interessierts wenig

Während die Plakate zur Anti-Minarett-Initiative in den Schweizer Medien heiss diskutiert werden, wirft das Thema im Ausland bisher keine hohen Wellen. Laut dem Eidg. Aussendepartement (EDA) wird in ausländischen Medien über das Thema «kurz und sachlich» berichtet, wie EDA-Sprecher Adrian Sollberger heute sagte. Seit Juli 2009 koordiniere eine Arbeitsgruppe die Kommunikation zur Minarett-Initiative gegenüber dem Ausland, insbesondere in den Ländern der muslimischen Welt sowie in Ländern mit grossen muslimischen Gemeinschaften. Teil dieser Arbeit sei auch ein Medien-Monitoring. Dies gehöre zum gewohnten Aufgabenbereich der Schweizer Botschaften, fügte er an. «Unsere Vertretungen müssen in der Lage sein, rasch und kompetent zu informieren, falls beim ausländischen Publikum Informationsbedarfs besteht oder es Missverständnisse gibt.»
play Starwerber Frank Bodin sagt: «Die Initiative bedroht die Ruhe und den Frieden in der Schweiz. (Keystone)

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