Stahel fordert Totalverbot

  • Publiziert: 03.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Beat Kraushaar und Marcel Odermatt

Der Sicherheitsexperte Albert A. Stahel kritisiert den Facebook-Umgang der Bundesangestellten. Die Internet-Plattform berge grosse Risiken.

Der Drang der Bundesmitarbeitenden nach Selbstdarstellung auf Facebook sei «nicht nur peinlich, sondern wegen der Spionagemöglichkeit auch gefährlich», sagt Professor Albert A. Stahel (66) zu SonntagsBlick.

Als einer der bekanntesten Sicherheitsexperten der Schweiz hat er sich jahrelang mit Gefahrenlagen beschäftigt. Nach seiner Meinung ist der Facebook-Boom in der Staatsverwaltung eine «Verluderung» der Sitten, die mit der Abschaffung des Beamtenstatus ihren Anfang genommen habe. Stahel: «Dieser müsste wieder eingeführt werden, dann würden solche unverantwortlichen Clownereien im Internet nicht mehr vorkommen.»

Nach Stahels Überzeugung unterminieren die fragwürdigen Auftritte auf Facebook die Glaubwürdigkeit des Staates. «Auf diesen sozialen Netzwerken geht es vor allem darum zu wetteifern, wer mehr Freunde präsentieren kann. Ganz zu schweigen von peinlichen Fotos und Videos, die dort anzutreffen sind.»

Der Sicherheitsexperte fordert ein totales Facebook-Verbot für Staatsangestellte: «Zuerst muss man Geheimnisträgern den Zugang zu diesen Netzwerken verbieten. Danach muss dieses Verbot auf die gesamte Bundesverwaltung ausgedehnt werden.»

Facebook

Plattform für Freunde
«Facebook» heisst das Internetangebot zur Organisation von Freundeskreisen. Auf der Plattform erstellt man sein Profil, lädt Bilder und Videos hoch, um seinen Freundeskreis darüber auf dem Laufenden zu halten, was man so tut. Freunde sind bei Facebook das Wichtigste. Jeder kann Personen seiner Wahl hinzufügen. Diese können untereinander chatten, Nachrichten hinterlassen und dürfen
Bilder und Videos ansehen.

Verbote der Arbeitgeber
Zunehmend sperren Firmen ihren Angestellten den Zugang zu Facebook. Dazu gehören unter anderen: UBS, CS, SBB, Post und Coop. Auch Verwaltungen sprechen Verbote aus, so unter anderen Bern, Brugg AG, der Kanton Thurgau und viele weitere Gemeinden. Die Gründe des Verbots: Angst vor Spionage, Auskundschaften von Mitarbeitenden und übermässiges Surfen auf Facebook während der Arbeitszeit.

SVP-Chef Toni Brunner (34)

«Facebook ist zu einem Zeitvertreib geworden. Ich verstehe, wenn ein Arbeitgeber Restriktionen erlässt».

CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann-Hunkeler (50)

«Facebook ist offen und ungeschützt. Das ist gefährlich. Ich verwende es zurückhaltend».

Bastien Girod (28), Nationalrat Grüne

«Facebook ist Freizeitvergnügen und Ablenkung. Während der Arbeit sollte man arbeiten».

Philipp Müller (56), FDP-Nationalrat

«Wir zahlen die Löhne der Staatsangestellten. Der Bund kann ihnen Facebook sperren».

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