Spesen gestrichen: nur noch Bratwurst für Toni Brunner

  • Publiziert: 08.06.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Simon Hehli

ZÜRICH – Die SVP hat finanzielle Sorgen – und der Parteipräsident verzichtet auf 50'000 Franken pro Jahr. Wie er den Gürtel enger schnallt, erzählt Brunner im Blick.ch-Interview.

Die Wirtschaftskrise verschont auch die finanziell potenteste Partei der Schweiz nicht: Am Wochenende wurde bekannt, dass in der SVP-Kasse mehrere 100000 Franken fehlen. Das grösste Opfer muss Parteipräsident Toni Brunner bringen: Seine 50000 Spesenentschädigung pro Jahr werden gestrichen.

Blick.ch: Haben Sie bisher wirklich 50000 Franken pro Jahr für Spesen verbraten?
Toni Brunner: Diese Pauschale wurde noch unter der Ägide meines Vorgängers Ueli Maurer eingeführt. Ich bin fast jeden Abend irgendwo in der Schweiz unterwegs und bekomme keinerlei Gage für meine Auftritte. Deshalb bekam ich die Entschädigung für Verpflegung, Übernachtungen, Telefon und vor allem für das Auto.

Und das wollen Sie künftig alles aus dem eigenen Sack berappen?
Ja.

Verdienen Sie denn so viel Geld, dass sie sich das einfach so leisten können?
Mein Parlamentsmandat bringt mir jährlich rund 90000 Franken ein, dazu kommen die Einnahmen des Bauernhofes in Ebnat-Kappel SG, den ich vor zweieinhalb Jahren von meinem Vater übernommen habe.

Viel bleibt da nicht übrig.
Ach, ich bin genügsam und brauche selber nicht viel Geld. Ich werde halt weniger auf die Seite legen und mich bei den Ferien einschränken. Am Hungertuch werde ich bestimmt nicht nagen. In meinem Landgasthof Sonne «Haus der Freiheit» im Toggenburg kann ich ja immer noch günstig OLMA-Bratwust und Rösti essen (lacht).

Wer hat Ihnen überhaupt die Kürzung eingebrockt?
Es war meine eigene Idee. Die SVP nimmt aktuell wegen der Wirtschaftskrise pro Jahr mehrere 100000 Franken weniger an Spenden ein. Und da wir im Gegensatz zu anderen Parteien nicht mehr Geld vom Staat wollen, müssen wir uns halt einschränken. So fahre ich zum Beispiel mehr Zug. Als Parlamentarier haben wir ohnehin das GA geschenkt bekommen.

Mit den 50000 Franken allein bringen Sie die SVP-Finanzen wohl nicht auf Vordermann?
Nein, wir müssen noch andere Wege finden, die Kosten zu senken oder Mehreinnahmen zu generieren. Vielleicht werden höhere Parlamentarier-Entschädigungen an die Partei ein Thema. Und bei den Unterschriftssammlungen für Initiativen oder Referenden müssen wir sparen. Teure Versandaktionen wie beispielsweise bei der Ausschaffungsinitiative liegen heute nicht mehr drin. Unsere Leute müssen mehr Knochenarbeit in Ständen auf der Strasse leisten.

Wieso kann nicht einfach der steinreiche SVP-Übervater Christoph Blocher die finanziellen Löcher stopfen?
Das ordentliche Budget muss ohne Christoph Blocher auskommen. Natürlich bin ich aber froh, wenn er auch künftig bei einer wichtigen Abstimmung den Kampf unterstützt. Das hat er schon öfters gemacht.

Kriegen die Verfechter der Minarett-Initiative um SVP-Mann Ueli Schlüer Mittel aus der Parteischatulle?
Nein, wir können ihnen kein Geld geben. Aber Vertreter meiner Partei werden bestimmt privat was spenden.

Den Wahlsieg 2007 verdankten Sie auch dem Werbebudget, das viel höher lag als bei der Konkurrenz. Befürchten Sie in zwei Jahren eine Schlappe, wenn Sie das Land nicht mehr mit Plakaten zukleistern können?
Geld ist in der Politik nicht alles, man muss vorab eine glaubwürdige Politik betreiben. Wir heben uns mit unserem bedingungslosen Einstehen für die Schweiz klar von den anderen Parteien ab und verzeichnen auch steigende Mitgliederzahlen. Deshalb bin ich optimistisch.

play Toni Brunner und seine SVP müssen sparen. (Reuters)

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