Sozial-Irrsinn: «Wir Eritreer sind nicht faul!»

Rund um die Diskussion über steigende Sozialkosten sind Eritreer in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten: Neun von zehn beziehen Sozialhilfe.

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Die mit Abstand grösste Gruppe von Asylbewerbern in der Schweiz stammt nicht aus den Kriegsgebieten Syrien, Irak oder Kongo. Sondern aus Eritrea – einer der weltweit repressivsten Staaten. Männer und Frauen müssen auf unbestimmte Zeit Militärdienst leisten oder in einem Staatsbetrieb Zwangsarbeit verrichten. Viele sehen nur einen Ausweg, dem Terrorregime zu entkommen: Flucht. Wer erwischt wird, bezahlt mit Gefängnis. Oder mit dem Leben.

2014 überquerten bislang gegen 20 000 Personen aus dem ostafrikanischen Staat das Mittelmeer. Viele landen in der Schweiz. Allein im Juli waren es 1480 – mehr als die Hälfte aller hierzulande registrierten Asylgesuche.

Laut neusten Zahlen des Bundesamts für Migration (BFM) leben mittlerweile 22 576 Eritreer hier – hauptsächlich in den Städten Zürich, Bern und Lausanne. Die ersten kamen in den 1980er-Jahren; seit 2006 nahm der Zustrom massiv zu.

Die allermeisten dürfen bleiben. Letztes Jahr erhielten 68 Prozent der eritreischen Flüchtlinge Asyl. Weitere 20 Prozent wurden vorläufig aufgenommen. Damit hat Eritrea die mit Abstand höchste Anerkennungsquote. Zum Vergleich: Über alle Nationen hinweg werden nur 15 Prozent der Asylgesuche bewilligt.

Alle Versuche, die Zahl der eritreischen Gesuche zu senken, sind gescheitert. 2013 beschloss das Stimmvolk, Wehrdienstverweigerern den Flüchtlingsstatus abzusprechen – ohne erkennbare Folgen. Auch weil das Bundesgericht diesen Frühling laut «Basler Zeitung» entschied, alle Eritreer, die ihr Land illegal verlassen würden, müssten als Flüchtlinge anerkannt werden. Das sind so gut wie alle

Die allermeisten Eritreer leben von Sozialhilfe.

87 Prozent der erwerbsfähigen anerkannten Flüchtlinge mit Aufenthaltsbewilligung arbeiten nicht. Nur jeder Neunte verdient eigenes Geld.

Von den vorläufig aufgenommenen Eritreern arbeiten 31 Prozent. Auch bei den anderen Nationen ist die Erwerbsquote ähnlich tief – im Schnitt 39 Prozent.

Für Personen, die auf ihren Asylentscheid warten, gilt ein mindestens dreimonatiges Arbeitsverbot. Entsprechend tief ist die Erwerbsquote auch bei den Eritreern: 1,3 Prozent.

Jene Eritreer, die arbeiten, jobben grossmehrheitlich als ungelernte Arbeiter im Niedriglohnbereich – im Gastgewerbe und in der Reinigungsbranche. Zu diesem Schluss kam eine BFM-Studie.

Doch warum sind so viele Eritreer ohne Job? Wieso leben neun von zehn von der Sozialhilfe?

Meron Hagos (31) wohnt seit zwei Jahren in der Schweiz. Als Mitarbeiterin der Eritreisch-Orthodoxen Tewahdo-Kirche St. Rafael steht die in Deutschland aufgewachsene Eritreerin Landsleuten mit Rat und Tat zur Seite. SonntagsBlick hat sie vor einer Woche an einer Messe in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel getroffen. Sie sagt: «Eritreer sind nicht faul! Sie wollen arbeiten. Viele suchen jeden Tag nach Arbeit. Fragen überall rum. Aber niemand stellt sie an.» Viele würden trotz guter Ausbildung und ein wenig Deutschkenntnissen keine Arbeit finden.

Die meisten Flüchtlinge – Eritreer und andere Nationalitäten – hätten einen anderen sprachlichen und sozialen Hintergrund, erklärt das BFM. Sie müssten in der Regel eine Landessprache von Grund auf erlernen und häufig eine Ausbildung nachholen, bevor sie eine Stelle finden. Die Erwerbsquote nähme mit zunehmender Aufenthaltsdauer zu. Hagos: «Ich weiss von einem studierten Ingenieur und einer Biologin. Sie finden einfach keinen Job. Und müssen den ganzen Tag rumsitzen.»

In der Öffentlichkeit fallen die Eritreer kaum auf. «Sie sind zurückhaltend», sagt Hagos. Und sie bleiben meist unter sich. Laut der BFM-Studie heiraten die Eritreer vorwiegend Partner aus der alten Heimat.

Unter sich blieben die Eritreer auch vorletzten Samstag. Rund 500 orthodoxe Christen pilgerten an die Messe nach Basel. Um zu beten. Für Frieden und Freiheit in ihrem Heimatland.

Publiziert am 21.09.2014 | Aktualisiert am 21.09.2014
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117 Kommentare
  • Hans  Kulio 22.09.2014
    Also an meinem Wohnort sehe ich diese Gruppen oft auf dem Bänkli sitzen, trinkend und rauchend. Sieht nicht gerade nach "Jobsuche" aus. Ein Smartphone und die neusten Nikes haben die meisten auch. Unser Sozialwesen stinkt langsam zum Himmel.
  • Paul  Meier aus Bergdietikon
    22.09.2014
    Die, die arbeiten wollen, passen sich unserer westlichen Kultur an und lernen unsere Sprache.... Aber das ist den meisten offensichtlich zu viel - die sind sich gewohnt zurückzulehnen und zu geniessen....
  • Alexandra  Weber aus Rickenbach
    22.09.2014
    ... vielleicht nicht FAUL doch die Kultur dieses Landes passt absolut nicht mit der unsrigen zusammen. Zurück und im eigenen Land den Einsatz bringen.
    Alexandra weber
  • Monte  Reto 22.09.2014
    Wenn früher bei Militärdienstpflicht ein Schweizer nicht ins Militär einrückte wurde er auch bestraft. Andere Länder haben sich auch nicht in unser Rechtssystem eingemischt. Warum mischt sich die Schweiz in ausländische Rechtssysteme ein und fördert die Militärdienstverweigerung indem man diesen Menschen Asyl gibt? Für mich unverständlich.
  • Klara  Baumberger aus Nebikon
    22.09.2014
    Warum arbeiten, das Leben in der Schweiz kann so schön sein....man bekommt genug essen, eine tolle Wohnung, Sackgeld, darf zum Arzt und wenn man noch "beratungsresistent" ist, kostet man pro Familie Fr. 60000.- im Monat. Ich könnte nur noch k.....!