Sozial-Irrsinn Hilfe, die Helfer sind überall

Millionenumsätze, neue Ausbildungsgänge, Jobs ohne Ende. BLICK zeigt, wie stark die Branche in den letzten Jahren gewachsen ist.

Eine ganze Branche kümmert sich heute um Sozialfälle. play

Eine ganze Branche kümmert sich heute um Sozialfälle.

Illustration: Igor Kravarik

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Die Präsidenten kleiner Gemeinden protestieren. Die Sozialkosten rauben ihnen den Schlaf. Die Chefs der Sozialfirmen aber reiben sich die Hände. Denn ihre Branche boomt!

Die krassen Beispiele in Feuerthalen ZH und Hagenbuch ZH zeigen wieso (BLICK berichtete). In Hagenbuch kümmern sich Sozialarbeiter um eine Flüchtlingsfamilie. Für 60 000 Franken pro Monat. Die Kosten bringen die Gemeinde an deren Grenzen. Wehren kann sie sich nicht.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) bestimmt das Setting. Auch den Sozialbegleiter, der mit Kindern den Zoo besucht. Für 135 Franken pro Stunde. Bräuchte die Gemeinde einen Hochbau-Polier, kostete sie dies 136 Franken pro Stunde. Ein Malermeister stünde mit 119 Franken zu Buche.

Die boomende Sozial­branche ist nur schwer fassbar. Die Bandbreite reicht von der Hausfrau, welche Flüchtlingskinder betreut, bis zur ORS Service AG, die landesweit Asylunterkünfte führt. Und mit 450 Sozialprofis satte 65 Millionen umsetzt.

Wer ins Sozialbusiness einsteigen will, braucht eine Ausbildung. Der Verband Solidar Social empfiehlt 29 Ausbildungsstätten: Höhere Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Dazu kommen Dutzende kleinere Institute. Sie alle bilden Sozialnachwuchs aus. Im Akkord.

An der Berner Fachhochschule etwa nahmen seit 2006 exakt 669 Sozialarbeiter ihr Diplom entgegen. Im Oktober werden an der ZHAW Winterthur, der Fachhochschule Nordwestschweiz und in Bern erneut 480 Sozialarbeiter ihr Studium abschliessen. Die Schule für Sozialbegleitung Zürich hat schon über 800 Sozialbegleiter ausgebildet.

Angst vor dem Fall in die Arbeitslosigkeit brauchen die neuen Sozialarbeiter keine zu haben. Ihr Know-how ist begehrt. Die Stellenportale sind voll mit Jobangeboten. Auf dem Portal Sozialinfo.ch waren gestern 400 Stellen ausgeschrieben.

Bei der Vergabe der lukrativsten Aufträge gehen die Firmen aber alles andere als sozial miteinander um. Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Einen der grössten Aufträge im Sozial- und Asylwesen konnte das Bundesamt für Migration erst nach einem über ein Jahr langen Hin und Her vergeben.

Es ging um die Sicherheitsdienstleistungen und die Betreuung in und um die Bundeszentren für Asylsuchende. Und um ein Volumen von 30 Millionen Franken pro Jahr! Im Oktober 2013 ging der Auftrag an sechs Firmen, darunter ORS Service, AOZ und Securitas.

Ein guter Draht zur Politik ist bei solchen Deals entscheidend. BLICK hat 70 Sozialfirmen durchleuchtet. Und den politischen Hintergrund abgeklärt. 20 Firmen lassen sich klar einer Partei zuordnen.

Kaum verwunderlich. Bei Firmen im Bereich der sozialpädagogischen Familienbegleitung sind vor allem SP und Grüne in Kaderpositionen vertreten. Prominentestes Beispiel: Die Zürcher SP-Kantonsrätin Susanna Rusca Speck sitzt bei Solidhelp im Verwaltungsrat.

Bei Arbeitsintegrations-Firmen sind Vertreter fast aller Parteien aktiv. Neben Linken auch FDPler, CVPler und Politiker aus der EVP.

Publiziert am 19.09.2014 | Aktualisiert am 18.09.2014
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90 Kommentare
  • Melissa  Baumann 19.09.2014
    Das sind so die Dinge, welche Ausländer nicht sehen. Die sehen nur was wir haben, aber nicht wie wir dafür kämpfen müssen. Die sehen nicht, wie schlecht es einer Frau Isabelle Bucher aus Locarno, die hier ihr Kommentar gegeben hat und X anderen die es auch so geht. Die sehen nicht, dass sie ihren Elektrorollstuhl selber bezahlen musste, kein Geld hat um ihre Miete zu bezahlen. Und genau das zeigt ein falsches Bild, worauf die Schweiz wirklich nicht stolz sein kann!
  • Andreas  Kunz aus Berg TG
    19.09.2014
    Ich arbeite im Gesundheit- und Sozialbereich, in leitender Funktion. Dieses Desaster, dass zurzeit herrscht, war und ist vorausgesagt worden. Schon vor zwei Jahren, waren mahnende Worte aus dem Gesundheitsbereich zu hören. Doch diejenigen Menschen wurden als nicht mehr zeitgerecht und altmodisch betrachtet und auch so behandelt. Sobald ein weltfremd gewordenerer Sozialpädagoge eine noch weltfremdere Ansicht bekundete, wurde dies vor Ehrfurcht beklatscht. Und jetzt, wer muss dafür aufkommen?
  • Bernhard  Zueger aus Altendorf
    19.09.2014
    Die Karikatur trifft ins Schwarze und ersetzt 1000 Worte.
    Sie zeigt die Gratisbeherbergung, Absicherung der Gesundheits- und Lebenskosten, Verwöhnung usw. auf Kosten der arbeitenden einheimischen Bevölkerung. Alles steuerfrei, ohne Krankenkassenprämien u. Zahnarztkosten...
    100 und mehr Sozialfirmen und Tausende von z.T. an der Uni ausgebildete extrem gut bezahlte Sozialarbeiter der linken Sozialindustrie leben davon. Sie brauchen die Asyl- und Wohlstandsflüchtlinge zum eigenen Vorteil.
  • Thomas  Minder 19.09.2014
    Und genau diese Linken wollen die Einheitskasse? Könnt ihr Euch vorstellen wie diese danach aus dem Ruder läuft? Nein Danke.
  • Paul  Buergin 19.09.2014
    Da kann ich die Abzocker-Parolen von links wirklich nicht mehr ernst nehmen. Was da im Sozialwesen en masse praktiziert wird, übertrifft die Kosten von Managern bei weitem.