Sozial-Irrsinn: Aufstand in den Gemeinden

Die Kindes- und Erwachsenen-Schutzbehörde KESB bestimmt. Zahlen müssen die Gemeinden.

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Schweiz

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Hagenbuch ZH ist nicht die einzige Gemeinde, die Probleme mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hat. Mehrere Gemeindepräsidenten regen sich über die horrenden Kosten auf und proben den Aufstand.

«Die Tarife der KESB sind völlig überrissen», sagt Kurt Bär (61), Gemeindepräsident von Kappel am Albis ZH. Auch seine Gemeinde habe immense Sozialleistungen zu bezahlen. «Wir können nicht länger tolerieren, dass die KESB über uns verfügt, wir aber den Mund halten müssen und nur bezahlen dürfen.»

Die Diskussion ausgelöst hat eine Flüchtlingsfamilie in Hagenbuch. Weil die Integration scheiterte, platzierte die KESB drei der sieben Kinder in einem Heim. Um den Rest der Familie kümmert sich ein Heer von Sozialarbeitern, beauftragt von der KESB. Die Betreuer sind rund um die Uhr im Einsatz – mit finanziellen Folgen: Die Familie kostet die Gemeinde jeden Monat 60 000 Franken. Deshalb müssen nun die Steuern erhöht werden (BLICK berichtete).

Seit Januar 2013 ist die KESB für die Familienbetreuung in den Gemeinden zuständig. Und seither kämpft auch Glattfelden ZH mit den steigenden Kosten. «Die horrenden Beträge der KESB sind eine bodenlose Frechheit», sagt Ernst Gassmann, Gemeindepräsident (FDP). Seit die Familienbetreuung nicht mehr Sache der Gemeinde ist, zahlen die Glattfelder jährlich knapp 200 000 Franken zusätzlich. Geld, das an anderen Orten fehlt.

«Die Entwicklung ist problematisch», findet auch der Gemeindeschreiber aus Turbenthal ZH, Jürg Schenkel (50). «Die Sache nimmt eine Dimension an, die uns alle überrascht hat.»

Nach Tagen des Schweigens nimmt auch die KESB nun endlich Stellung. Präsident Ruedi Winet lässt die Vorwürfe nicht auf sich sitzen: «Das Volk wollte, dass wir die Familienbetreuung professionalisieren. Sonst hätten wir Zustände wie früher, als die Kirchen für die Vormundschaften verantwortlich waren», sagt Winet. «Und die Betreuung durch Fachleute hat eben seinen Preis.»

Weniger die Kosten, vielmehr die Zusammenarbeit mit der KESB kritisiert Kantonsrat Markus Späth (SP) aus Feuer­thalen ZH. Auch in seiner Gemeinde habe es eine Familie, deren Betreuung Kosten in gleicher Höhe wie in Hagenbuch verursache. «Die Preise stören mich nicht mal. Vielmehr finde ich die Teamarbeit mit der KESB miserabel», sagt Späth. Die Abläufe müssten seiner Meinung nach dringend verbessert werden. «Kaum haben wir den Fall abgegeben, zählt unsere Meinung nicht mehr. Dabei würden unsere bisherigen Erfahrungen mit den Betroffenen sicher auch der KESB nutzen.»

Nationalrat Alfred Heer (SVP) will nicht länger zusehen. Der Zürcher Hardliner möchte ein Bundeszentrum für «renitente und unkooperative Asylsuchende» schaffen und hat einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Heer: «Es kann nicht sein, dass die Gemeinden die Malaise in der Asylpolitik bezahlen müssen.»

Publiziert am 18.09.2014 | Aktualisiert am 18.09.2014
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51 Kommentare
  • Rolf  Hess aus Münchenbuchsee
    19.09.2014
    Der Grundbedarf ist keinesfalls überrissen. Überrissen sind die unnötigen zusätzlich aktivierten Zusatzleistungen durch Spezialfirmen, die die Gemeinden ungefragt zu erfüllen und zu bezahlen haben.
  • Martin  Buchhalter 19.09.2014
    KESB ist eine sauteure, arrogante Fehlkonstruktion.
    Bevogtung wie im Mittelalter.
    Weg damit!
  • André  Meier , via Facebook 18.09.2014
    Leider ist es war das das KESB immer wieder zu überteuerten Massnamen greifen. Diese oft überflüssigen Massnamen werden dann von Richtern 1 zu 1 übernommen und die Gemeinden dürfen zahlen. Wenn Sie sich dann versuchen zu wehren, nicht nur wegen dem Geld sondern weil Sie die betroffenen Personen kennen erhalten sie Verwaltungsklagen angedroht. Ich kenne einen Fall im AG da wurde ein Kind Superprofisorisch ins Kinderheim gesteckt und nach 1 Monat wieder entlassen. Massname überflüssig!!!
  • August  Sommerhalder aus Amriswil
    18.09.2014
    Wer hat denn diese KESB ins Leben gerufen? Es wäre sinnvoll, diese Urheberschaft beim Namen zu nennen, damit dort die unhaltbaren Zustände korrigiert werden:
  • Daniel  Keller aus Seebruck
    18.09.2014
    Bevor das neue Kinder- und Erwachsenenschutzrecht eingeführt wurde, ist sicher kräftig in Bern lobbiert worden von diesen Firmen die nun ihre " Professionalität " anbieten. Es erstaunt mich einfach wie schnell das ganze aus dem Boden gestampft wurde und nun alles " EXPERTEN " sind die zu 135 bis 150 Franken verrechnen um Beratung zu gewähren beim Einkauf von einem Brot usw.