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Originalaufnahmen vom 2.8.2012: Als Liebespaar getarnt auf Klau-Tour durch Bern
BERN - So schlimm war der Sommer schon lange nicht mehr: In Bern karrten Profibanden die Diebe gleich busweise an. Nur dank Organisation «City-Spione» ist das überhaupt aufgefallen.
Früher begann jeweils im September die neue Einklau-Saison. Doch in diesem Jahr ist alles anders. «Wir hatten das ganze Jahr Weihnachten», sagt Pavel Müller von der Detektei Müller. «Der ganze Sommer über wurde so viel gestohlen, wie sonst nur zur Weihnachtszeit». Der Privatdetektiv ist Chef der «City-Spione», die im Auftrag der Berner Läden auf Diebesjagd im Stadtzentrum gehen.
Und dort geben sich derzeit die Taschendiebe die Klinke in die Hand. Müllerubeobachtet ein «schockierend professionelles, effizientes Vorgehen.». In einer ersten Analyse hat er die typischen Täter eingekreist. «Es sind vor allem Banden, die quer durch Europa ziehen. Auffallend viele stammen aus Bulgarien und Rumänien.»
Man merke, dass die Diebe von Profis gschult wurden. «Die stehen fast wie in einem Angstelltenverhältnis. Am Morgen früh werden ganze Gruppen mit ins Stadtzentrum transportiert und dort sind sie dann den ganzen Tag auf Beutezug.» Ein Mitarbeiter von Pavel beobachte sogar, wie ein Gruppenführer die Diebe beschimpfte, weil sie nicht genügend Beute zurückbrachten.
Jung, sexy, verstohlen
In ihrem Auftreten nutzen die Diebe auch Klischees aus. Junge, auffällige Männer sind seltener auf Tour. «Sehr häufig sind es junge Frauen», sagt Pavel. «Oder auch auffallend gut gekleidete, eloquente Männer.» Ebenfalls angestiegen sind die Ladendiebstähle. Aber hier sind es laut Pavel nicht Profis die stehlen. «Wir stellen fest, dass es viele Asylbewerber sind, fast ausschliesslich aus Nordafrika und dem arabischen Raum.» Die klauten zum persönlichen Konsum.
«Da geht es um Kleider, um Zigaretten, einfach um in den Ausgang zu gehen.» In Gesprächen merke man dann, dass die Männer mit den Freiheiten in der Schweiz überfordert seien. «Die sind fasziniert von den Konsum- und Augehmöglichkeiten. Auch sexuelle Freiheiten spielen eine wichtige Rolle.» Also versuche man Geld und Ware zu beschaffen.
Michael Fichter von der Kantonspolizei bestätigt eine Zunahme, «aber im Rahmen der üblichen Wellenbewegungen». Sein Tipp: «Die Wertsachen im Auge behalten. Und aufmerksam bleiben.»
Andernorts noch schlimmer?
Das die Täter in Bern nicht unerkannt entkommen konnten, ist auch auf die Vereinigung der Ladendetektive zurückzuführen. Doch solche Organisationen gibt es sonst nur noch in Biel und Zürich. In den anderen Schweizer Städten sind Ladendetektive noch Einzelkämpfer: Ihr Einsatz endet am Haupteingang.
Das führt auch dazu, dass Profibanden oft gar nicht als solche enttarnt werden. Was übrig bleibt, ist nur das Opfer. Und das erstattet in vielen Fällen nicht einmal Anzeige.
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