Sollen die Politiker uns glücklich machen?

  • Publiziert: 01.06.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Michael Scharenberg
play Ist das wirklich Glück? Die Schottin Angela Kelly gewinnt 80 Mio. Franken bei EuroMillions 2007. (Reuters)

ZÜRICH – Wirtschaftskrise – Gesundheitsdebakel – Arbeitslosigkeit – Gewalt: Schlechte News gibts mehr als genug. Und wer redet von unserem Glück? Wäre das sogar eine neue Aufgabe für unsere Politiker?

Sollen die Politiker uns glücklich machen? Immerhin spricht schon die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 ausdrücklich vom Glück der Menschen. Es gehöre zu den unveräusserlichen Menschenrechten, dass sich jeder Bürger um sein eigenes Glück kümmern darf. Von einer Aufgabe für die Politiker ist das allerdings meilenweit entfernt. Unsere Schweizer Verfassung erwähnt «Glück» gar nicht.

Heute pumpen Regierungen zwar Milliarden in die Wirtschaft, damit der Rubel wieder rollt. «Glück» taucht in ihren Programmen aber nicht auf.

Ausführlich beschäftigen sich natürlich die Psychologen mit unserem (Un)Glück. George Vaillant, US-Professor und Langzeit-Glücksforscher, kommt gemäss «NZZ am Sonntag» zum Schluss, jeder Mensch sollte sich am besten selbst um sein Glück kümmern: in einer stabilen Beziehung leben, Sport treiben, mässig essen, trinken, rauchen. Reichtum gehört NICHT dazu. Ok. Aber das wussten wir irgendwie.

Die Glücks-Revolution in Bhutan

Ganz neue Wege geht jetzt aber das buddhistische Königreich Bhutan hoch oben im Himalaya. Die neue Verfassung schreibt vor, dass alle Massnahmen der Regierung danach beurteilt werden müssen, wie sie dem «öffentliches Glück» dienen! Wirtschaftlicher Nutzen ist unwichtig. Gemäss Informationssekretär Kinley Dorji wird «öffentliches Glück» in Bhutan konkret so definiert: Es geht um psychologisches Wohlbefinden, Ökologie, Bildung, Lebensstandard, Gesundheit, Kultur, Gebrauch der Zeit, effiziente Verwaltung. Für jedes dieser Felder gibts noch eine ganze Reihe Kriterien. Beim psychologischen Wohlbefinden zum Beispiel wird gemessen, wie oft es zu Verhaltensweisen kommt wie Egoismus und Eifersucht, Leidenschaft und Grosszügigkeit. Und wie oft jemand Selbstmord-Gedanken hat.

Für die Bhutanesen ist klar: Eine Gesellschaft, die vor allem ans Geld denkt, führt in den Abgrund. Durch die Finanzkrise sehen sie sich voll bestätigt. «Wie geht ein kleines Land wie Bhutan mit der Globalisierung um», fragt Informationssekretär Kinley Dorji. Seine Antwort: mit einer Politik des «öffentlichen Glücks».

play Sind die Bhutanesen glücklicher als wir? Hier lacht eine Gruppe mit ihrem jungen König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck (mit gelbem Umhang). (Reuters)

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