Sollen Ärzte depressive Piloten wie Lubitz melden? «In der Schweiz haben wir schon eine Lösung»

Ein Arzt wollte Todespilot Lubitz in die Psychiatrie einliefern lassen. Doch niemand wusste davon. In der Schweiz wäre dies wohl nicht passiert, sagt ein Sprecher des Pilotenverbandes.

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Zwei Wochen bevor Co-Pilot Andreas Lubitz am 24. März 2015 die A320 von Germanwings in den französischen Alpen zum Absturz brachte und Menschenleben auslöschte, wollte ihn ein Arzt in eine Klinik einliefern lassen. Er hatte eine mögliche Psychose diagnostiziert und eine Einweisung empfohlen.

Doch ausser dem Arzt und Lubitz selber wusste niemand davon. «Weder die Behörden noch der Arbeitgeber waren informiert worden», heisst es im Schlussbericht der französischen Untersuchungsbehörde BEA. Es müssten deshalb «klarere Regeln» eingeführt werden, «um zu wissen, wann es notwendig ist, die ärztliche Schweigepflicht zu brechen».

Tausende Fälle in der Schweiz – aber kein Pilot

In der Schweiz gibt es diese klaren Regeln bereits. Hier können Ärzte, die befürchten, dass ihr Patient jemanden gefährden könnte, bei den Behörden ein Gesuch um Entbindung von der Schweigepflicht stellen. Diese entscheidet dann, ob der Arzt die Informationen weitergeben darf und soll. Dies ist in der Schweiz jährlich mehrere tausend Mal der Fall. «Wir haben in der Schweiz schon eine Lösung», sagt deshalb Henning Hoffmann, Geschäftsführer des Pilotenverbands Aeropers.

Doch war unter den Fällen auch ein Schweizer Pilot? «Mir ist kein einziger Fall bekannt», sagt Hoffmann. «Wir würden so etwas merken. Entweder, weil jemand freigestellt wurde oder sich jemand bei uns meldet.»

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Henning Hoffmann, Geschäftführer von Aeropers. Aeropers

Trotzdem sieht er Handlungsbedarf. So arbeitet Aeropers daran, eine unabhängige Anlaufstelle einzurichten, wo sich Piloten aussprechen können. «Ein Ort, wo der Pilot weiss: ‹Hier kann ich hingehen, hier wird mir geholfen›», sagt Hoffmann. Dies bringe einen hohen Mehrwert und werde auch im Bericht der BEA empfohlen.

Weniger sinnvoll hält Hoffmann hingegen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit, die nach dem Germanwings-Absturz eingeführt wurde. Geht ein Pilot zum Beispiel aufs WC, muss ein anderes Crew-Mitglied seinen Platz im Cockpit einnehmen.

Ganze Berufsgruppe und Generalverdacht

«Grundsätzlich sind wir offen für Änderungen, aber der Sinn dieser Idee ist fraglich. Denn sie birgt auch neue Risiken», sagt der Aeropers-Mann. So sei die Tür zum Cockpit nun viel öfters und länger offen. Zudem stelle sich die Frage, was die Person im Cockpit überhaupt verhindern kann.

Hoffmann geht es um Verhältnismässigkeit: «Wir dürfen nicht vergessen, dass das in Europa ein tragischer Einzelfall war. Ich finde es deshalb bedenklich, dass eine ganze Berufsgruppe unter Generalverdacht gestellt wird.» (sas)

Publiziert am 14.03.2016 | Aktualisiert am 28.06.2016
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Zwei Wochen vor Germanwings-Absturz Arzt wollte Todes-Pilot Lubitz in Klinik einweisen

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4 Kommentare
  • Werner  Brickenbach 15.03.2016
    Es tut mir zwar leid aber ich bin überzeugt dass man einen sorgfälltig geplanten Selbstmord einfach nicht vollständig verhindern kann.
    Es gibt immer Situationen auf einem Flug die ein Pilot bzw. so ein Profi der jede Phase eines Fluges bestens kennt ausnutzen könnte. Man kann einfach nicht immer alles verhindern. Aber klar man kann es sehr viel schwieriger machen mit bestimmten Massnahmen. Dazu denke ich ist die die Anlaufstelle zur Vorbeugung solcher Fälle eine gute Option die menschlich bleibt
  • Beat  Haueter 15.03.2016
    Wer diese Geschichte immer noch glaubt ist wirklich NAIV.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    14.03.2016
    Dank unserer überorganisierten Gesellschaft mit dem bekannten "Gärtlidenken" mussten so viele uneschuldige Menschen sterben - und jetzt schreibt sicher noch einer eine Dissertation darüber. Die Verantwortlichen sind total unflexibel und unsicher in ihrer Entscheidungsfindung - jeder schützt sich zuerst selber vor eventuellen unangenehmen Folgen seines Tuns - anstatt solche Taten zu verhindern !
  • Hans  Scheidegger 14.03.2016
    Es ist grundsätzlich gut, dass sich Ärzte von der Schweigepflicht entbinden können, wenn sie befürchten, dass ihr Patient Drittpersonen gefährden würden. So sie das dann auch wirklich tun. Letztendlich gibt es aber keine absolute Sicherheit, denn einerseits gibt es psychisch Kranke, welche ihren Zustand geschickt verharmlosen bzw. vertuschen können, und andererseits gibt es auch bei scheinbar gesunden Menschen kritische Situationen, wo sie unvermittelt leider Schreckliches anrichten können.