Gratis Skischule und Bernhardiner Barry So wollen Schweizer Ferienorte Touristen anlocken

BRIG/AROSA - Für die einheimischen Touristiker beginnt bereits die Winterzeit: Das Wallis lockt mit TV-Spots und Bernhardiner. Arosa bietet Gratis-Skischule für Kinder und Jugendliche.

  • Publiziert: 11.08.2012
  • Von Karin Müller
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Unser Tourismusgeschäft leidet. Viele Gäste entscheiden sich aus Kostengründen für Ferien im Ausland. Darum muss die Wintersaison um jeden Preis erfolgreich sein.

Vor allem die Deutschen und Holländer blieben aus. Aber auch Schweizer weichen ins Ausland aus. Die sollen zurückgewonnen werden.

Der Tourismuschef von Arosa, Pascal Jenny, bläst zum Angriff und bietet Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren in der Wintersaison 2012/2013 gratis Skikurse an. «Grund ist, dass immer weniger Kinder heutzutage Ski fahren. Dem wollen wir als typische Winterdestination entgegenwirken», erklärt Yvonne Wüthrich von Arosa Tourismus.

Jenny: «Wir laden unsere Gäste ein.»

Dem Schweizer Nationalsport müsse dringend neues Leben eingehaucht werden, findet auch Tourismusdirektor Jenny. Die Heimat von Ines Torellis legendärem «Gigi von Arosa» möchte seine jungen Gäste wieder auf die Piste bringen und die Freude am Schneesport wecken.

Zwischen 60 und 70 Prozent der Gäste sind Familien. Darum das Angebot «Skischule inklusive». Für eine Woche Skiunterricht bezahlen Eltern im Schnitt 300 Franken. Durch die Gratisskischule hat man mehr Geld für andere Aktivitäten. 

Pascal Jenny: «Wir laden unsere Gäste ein und es ist uns das wert.» Die Kosten für den Skischulunterricht übernehmen Gemeinde, Tourismusbüro und die Bahnen.

Schweizer sollen wieder in der Schweiz Ferien machen

André Salamin, Direktor des 5-Sterne-Hotels «Arosa Kulm» ist begeistert:  «Wir sind froh, dass die Skischule mitmacht. Wir sind ein Generationenhotel, die Skischule liegt direkt vor der Tür.» Er hofft, dass dadurch vor allem auch die Schweizer in der Schweiz bleiben. «Österreich hatte letzten Winter einen Zuwachs an Schweizer Gästen von 43 Prozent.»

Dabei gehe es nicht um viel zitierte  Freundlichkeit der Österreicher, sondern nur um den Preis. Durch den schwächelnden Euro waren Ferien dort rund 25 Prozent günstiger.

Wallis lässt sich Geschäft sponsern

Wallis Tourismus startet am Montag eine Werbeoffensive mit über 780 TV-Spots auf Deutsch, Französisch und Italienisch. Hauptrolle spielt wiederum Maskottchen «Barry», der Bernhardiner. 

«Barry» ist eine klare Kampfansage an die Steinböcke des Bündnerlands. «Er repräsentiert unsere Region zusammen mit dem Matterhorn am meisten», sagt Wallis-Direktor Urs Zenhäusern.

Riesigen Support erhält das Wallis zudem von der Raiffeisenbank. Sie sponsert und produziert alle Werbespots in der Höhe von vier Millionen Franken.

Das hat sich bereits in der Sommersaison ausgewirkt. «Im Juli wurden 33'000 Logiernächte, 16'000 Bahn- und 31'000 Bergbahnbillette von Raiffeisen-Mitgliedern gebucht», sagt Urs Zenhäusern. Bankkunden erhielten Bons, mit denen sie in einigen Hotels und auf Bahnen den halben Preis bezahlten.

Die Partnerschaft läuft bis Oktober. Zenhäusern: «Auf diese Weise erreichten wir 1,6 Millionen Schweizer. Die Werbung für so viele Menschen hätten wir selbst nie bezahlen können.»

Für weitere Wallis-Gäste soll Berhardiner Barry sorgen. Der Hund lebt eigentlich in Schaffhausen und wurde für die Spots gebucht.

Prof. Christian Lässer, Touristikfachmann Universität St. Gallen, über die beiden Ideen

Herr Lässer, welche Tourismus-Strategie ist besser?

Die Schweiz wird in den nächsten Jahren sicher nie mehr über den Preis konkurrenzfähig bleiben. Deshalb muss man den Gästen einen Mehrwert bieten.
 

Das bedeutet, dass die Wallis-Idee mit Halbpreisen gefährlich ist?

Mit einem Preisnachlass von 50 Prozent sendet man ein falsches Signal in den Markt. Das heisst, dass die Gäste nicht wieder kommen, wenn sie voll bezahlen müssen.
 

Wie lautet Ihre Empfehlung an den Tourismus?

Man muss nachhaltigere Projekte entwickeln, die nicht über den Preis gehen. Wichtig ist es, den Gästen einen Mehrwert zu offerieren. Beispielsweise eine Spa-Behandlung.
 

Insofern machts Arosa besser als das Wallis?

Ja und nein. Denn auch diese Gratisleistung bezahlt ja jemand – sowohl im Wallis wie in Arosa. In Arosa bezahlen die Eltern der Skischüler in Hotels und Restaurants normale Preise. Insofern ist dies weniger ein Verlustgeschäft.

Beliebteste Kommentare

  • Werner  Leu
    Wie wärs, wenn der Schweizer sich als solcher wahrgenommen fühlt, Gastlichkeit, etwas Freundlichkeit, moderate Preise?
  • Constantin  Sarner , Allschwil
    Die Schweizer Tourismusbranche scheint es immer noch nicht begriffen zu haben, denken die ernsthaft, da kommen mehr Leute wegen Gratisskischule und diesem Hund? Das Problem ist doch, die Hotels sind im Vergleich zu Österreich, Italien überhaupt nicht familienfreundlich, viel zu teuer, Personal ist oft unfreundlich.
    • 11.08.2012
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Alle Kommentare (13)

  • Hans  Häberli , via Facebook
    Mit mehr Freundlichkeit liesse sich viel mehr erreichen.
    • 11.08.2012
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    • 3
  • Helmut  Kiesalter , Zürich
    Preis- Leistung sind nicht im richtigem Verhältnis, da bei den Hoteliers ein kurzfristiges Denken vorherrscht.
    • 11.08.2012
    • 6
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  • rolf  sulzer
    wieso krampfhaft nach "lockvögeln" suchen, wenn die lösung so einfach ist und auf dem tisch liegt - und die heisst: endlich runter mit den preisen und schon gibts wieder gäste zu hauf. aber ich denke es muss erst richtig schlimm werden bis die gastronomie sich in diese richtung bewegt, reps. bewegen muss.
    • 11.08.2012
    • 4
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  • Pascal  Biri , Rothrist , via Facebook
    Wieso soll man als Tourist in die Schweiz kommen wenn man es als Asylant besser hat?
    • 11.08.2012
    • 16
    • 5
  • marco  fiorina , 8280
    Preise der Ausstattung entsprechend und sehr viel mehr Herzlichkeit den Gästen gegenüber. Solange ich als Schweizer mir in einem Schweizer Hotel als bestenfalls geduldet vorkomme und mich mit zwei Scheiben Brot und Confi zum Frühstück zufrieden geben muss, gehe ich weiterhin ins Ausland. Nehmt Euch ein Bsp an Österreich.
    • 11.08.2012
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