Trotz Prämienschock bei Krankenkassen So wehrt sich die Pharma-Lobby gegen die Sparpläne

  • Publiziert: 23.11.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Matthias Pfander

BERN – Nach dem Prämienschock in diesem Herbst sollen jetzt am Mittwoch Sparmassnahmen beschlossen werden. Dass passt nicht allen in den Kram.

Der Ständerat knöpft sich am Mittwoch die Krankenkassenprämien vor. Das Ziel: Mit verschiedenen Sparmassnahmen soll die Prämienexplosion gedämpft werden. Damit den Versicherten 2011 nicht erneut der totale Prämienschock droht.Aber noch bevor der Sparkurs beschlossen ist, sorgt eine breite Front von Vertretern aus der Gesundheitsbranche für Aufruhr. Eine Allianz aus Pharmafirmen, Ärzten und Spitälern torpediert die Sparpläne.Angst vor GenerikazwangSie fordern in einem Brief an den neuen Gesundheitsminister Didier Burkhalter einen Neuanfang statt einen Flickenteppich aus verschiedenen Massnahmen. Mit anderen Worten: Die kurzfristigen Sparmassnahmen sollen gar nicht erst beschlossen werden.Die Erklärung für die ungewöhnliche Allianz und ihr Vorgehen liegt auf der Hand: Ärzte, Pharmamultis und Spitäler würden alle die Sparübung zu spüren kommen. Besonders einschneidend für die Pharma-Lobby wäre der Generikazwang: Bei gleicher Eignung müsste dem Patienten das günstigste Medikament verschrieben werden.«Nicht auf die lange Bank schieben»Es ist nicht der erste Versuch, mit dem die Pharma-Lobby versucht die Sparpläne in diesem Jahr zu durchkreuzen. Erst vor einer Woche rechnete der Branchenverband Interpharma zusammen mit dem Krankenkassenverband Santésuisse vor, wie viel man bei den Medikamenten preislich entgegenkommen könnte: Von über 400 Millionen Franken war die Rede. Mit diesem vorauseilenden Gehorsam will man den Generikazwang abwenden.Je näher der Mittwoch rückt, desto mehr steigt die Spannung in Bern. «Wichtig ist jetzt, dass die Sparmassnahmen nicht auf die lange Bank geschoben werden», sagt Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP). Dabei nimmt die Konsumentenschützerin und Gesundheitspolitikerin in Kauf, dass auch die Versicherten an die Kandare genommen werden.Den Versicherten drohen Knebelverträge. Wer eine hohe Franchise wählt soll laut Bundesrat nur noch alle zwei Jahre die Versicherung wechseln können. Laut Nationalrat sogar nur noch alle drei Jahre.«Ich bin bereit, diese Kröte zu schlucken, wenn die Versicherten mit den übrigen Massnahmen auch tatsächlich entlastet werden», sagt Sommaruga.

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