Erstmals äussert sich Thomas Zeltner (60), Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), über das Phänomen «Botellón», den neuen Trend zum Massenbesäufnis.
Herr Zeltner, Tausende Jugendliche treffen sich in einem Park, um sich kollektiv zu besaufen. Ein Albtraum für die Alkoholprävention?
Thomas Zeltner: Dieser Trend ist eine höchst problematische Erscheinung und macht uns Sorgen.
Das löst das Problem aber nicht.
Im Moment ist es noch eine Trendwelle, die so rasch verschwinden kann, wie sie gekommen ist.
Und wenn nicht?
Ein Verbot von Massenbesäufnissen ist rechtlich nicht möglich. Das würde auch nichts bringen. Aber das Phänomen darf nicht verharmlost werden. Vergiftungen durch Alkohol können lebensbedrohend sein.
Was raten Sie den Jugendlichen?
Am besten wäre es, nicht an einem solchen Anlass teilzunehmen. Und wenn, dann rufe ich zur Vorsicht auf. Die Jugendlichen müssen sich bewusst sein, dass übermässiger Alkoholgenuss auch das Unfallrisiko und die Gewaltbereitschaft erhöht.
Müssen wir uns darauf einstellen, dass jetzt wöchentlich in den Städten kollektive Grossbesäufnisse stattfinden?
Ich hoffe auf einen kalten Herbst und baldigen Winter. Dann erledigt sich das Problem von alleine.
BEAT KRAUSHAAR
Davide (26) liebt Massenbesäufnisse: «So stürze ich billig ab»
Tausende saufen bis zum Umfallen: Der spanische Trend «Botellón» breitet sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Schweiz aus.
Von Hansjakob Frey und Beat Kraushaar | Aktualisiert um 14:18 | 21.08.2008
Am 29. August wollen sich Tausende Jugendliche auf der China-Wiese in Zürich zum Massenbesäufnis treffen. Botellón (spanisch für «grosse Flasche») heisst der Partytrend, der nun aus Spanien kommend die Schweiz erreicht hat. Die Organisatoren laden im Internet zur Teilnahme an den feuchtfröhlichen Partys. Die hochprozentigen Getränke bringt jeder selber mit.
Der erste Schweizer Botellón fand vor einem Monat in Genf statt. Über tausend Trinkfreudige hinterliessen einen riesigen Abfallberg. Obwohl die Genfer Polizei letztes Wochenende eine Party verhindern konnte, soll am nächsten Freitag dort wieder zu den Flaschen gegriffen werden.
Am Samstag folgt Lausanne, dann Zürich. Bereits gibt es Ideen für ein öffentliches Massenbesäufnis auf dem Bundesplatz. Es herrscht ein regelrechter Wettbewerb, wer das grösste Trinkgelage organisieren kann. Für Zürich haben sich auf der Internetplattform Facebook bereits über 3000 Personen angemeldet.
Davide* (26) ist einer von ihnen: «Ich will sehen, ob die Schweizer uns Spaniern die Stange halten können.» Davide nahm in seiner Heimat bereits an mehreren Botellónes teil. «Zu Hunderten treffen wir uns jeweils vor dem Discobesuch im Park. So stürze ich billig ab.» Die Besäufnisse haben solche Ausmasse angenommen, dass die Polizei rigoros durchgreift. Davide: «Sie vertreiben uns mit Wasserwerfern.»
So weit sind wir in der Schweiz noch nicht. Hier können die Organisatoren noch um den grössten Botellón wetteifern – und damit auch um den höchsten Abfallberg. Auf Facebook fordern die Organisatoren die Teilnehmer zwar auf, einen Abfallsack mitzunehmen. Aber alkoholbenebelte Jugendliche kümmern sich nicht um leere Bierflaschen, sondern eher um ihre im Koma liegenden Freunde.
Thomas Zeltner (60), Direktor des Bundesamts für Gesundheit, warnt: «Das Phänomen darf nicht verharmlost werden. Vergiftungen durch Alkohol können lebensbedrohend sein» (siehe Interview unten).
Gefahr droht auch den Organisatoren. Sie könnten für Schäden, Müllberge und Alkoholleichen zur Verantwortung gezogen werden.
* Name von der Redaktion geändert
Der erste Schweizer Botellón fand vor einem Monat in Genf statt. Über tausend Trinkfreudige hinterliessen einen riesigen Abfallberg. Obwohl die Genfer Polizei letztes Wochenende eine Party verhindern konnte, soll am nächsten Freitag dort wieder zu den Flaschen gegriffen werden.
Am Samstag folgt Lausanne, dann Zürich. Bereits gibt es Ideen für ein öffentliches Massenbesäufnis auf dem Bundesplatz. Es herrscht ein regelrechter Wettbewerb, wer das grösste Trinkgelage organisieren kann. Für Zürich haben sich auf der Internetplattform Facebook bereits über 3000 Personen angemeldet.
Davide* (26) ist einer von ihnen: «Ich will sehen, ob die Schweizer uns Spaniern die Stange halten können.» Davide nahm in seiner Heimat bereits an mehreren Botellónes teil. «Zu Hunderten treffen wir uns jeweils vor dem Discobesuch im Park. So stürze ich billig ab.» Die Besäufnisse haben solche Ausmasse angenommen, dass die Polizei rigoros durchgreift. Davide: «Sie vertreiben uns mit Wasserwerfern.»
So weit sind wir in der Schweiz noch nicht. Hier können die Organisatoren noch um den grössten Botellón wetteifern – und damit auch um den höchsten Abfallberg. Auf Facebook fordern die Organisatoren die Teilnehmer zwar auf, einen Abfallsack mitzunehmen. Aber alkoholbenebelte Jugendliche kümmern sich nicht um leere Bierflaschen, sondern eher um ihre im Koma liegenden Freunde.
Thomas Zeltner (60), Direktor des Bundesamts für Gesundheit, warnt: «Das Phänomen darf nicht verharmlost werden. Vergiftungen durch Alkohol können lebensbedrohend sein» (siehe Interview unten).
Gefahr droht auch den Organisatoren. Sie könnten für Schäden, Müllberge und Alkoholleichen zur Verantwortung gezogen werden.
* Name von der Redaktion geändert
«Verbot nicht möglich»
Besäufnisse auf spanische Art
Massenbesäufnisse haben ihren Ursprung in Spanien. Von dort kommt der Begriff «Botellón» (grosse Flasche). Damit wird der Brauch von Jugendlichen bezeichnet, sich an Wochenenden zu Alkoholkonsum und Feiern an öffentlichen Plätzen zu versammeln.
Dabei wird aus Ein- oder 1,5-Liter-Flaschen Selbstgemixtes getrunken. Von Spanien breitet sich der Trend über ganz Europa aus.
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