Nach dem Dekret um Bischof Williamson So steht Bischof Koch zum Puff um den Papst

  • Publiziert: 27.01.2009, Aktualisiert: 13.01.2012

FREIBURG – Der Papst kommt einem judenfeindlichen Bischof entgegen – und löst damit eine Welle der Entrüstung aus. Jetzt schalten sich die Schweizer Bischöfe ein.

Die Schweizer Bischöfe sind sich einig: Ihre vier umstrittenen Kollegen von der Priesterbruderschaft St. Pius X. (siehe Kasten) müssen das Judentum glaubwürdig anerkennen. Andernfalls dürfe Papst Benedikt XVI. ihre Exkommunikation nicht gänzlich aufheben.

Der Papst sorgte mit einem entsprechenden Dekret für Wirbel: Denn gegen einen britischen Bischof wird wegen Leugnung des Holocaust ermittelt. Richard Williamson hatte im Fernsehen gesagt, die Nazis hätten «nur» 300000 Juden ermordet – und keinen in Gaskammern (Blick.ch berichtete).

Beziehungen zum Judentum anerkennen!

Jetzt nahm der Basler Bischof Kurt Koch, Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, schriftlich Stellung. Die vier Bischöfe hätten mehrfach deutlich gemacht, dass sie und ihre Bruderschaft die Ökumene und den Dialog mit anderen Religionen ablehnten, schrieb Koch.

Darum fordern die Schweizer Bischöfe: Williamson und seine drei Mitbrüder müssen versichern, dass sie die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils anerkennen. Dieses betrifft die Beziehungen der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, im Besonderen zum Judentum.

Koch entschuldigt sich bei Schweizer Juden

Gleichzeitig entschuldigte sich Koch bei der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz für Williamsons Äusserungen. Das Dekret von Benedikt XVI. sei Ausdruck des päpstlichen Willens, ein bestehendes Schisma mit einer Gemeinschaft aufzuheben, die weltweit mehrere hunderttausend Anhänger zähle, schrieb Koch.

Die vier Bischöfe dürfen ihr Amt weiterhin nicht ausüben. Zudem sei die Exkommunikation laut Koch noch keine Rehabilitierung – sondern erst der Beginn eines Weges der Versöhnung, so Koch.

Scharfe Kritik am päpstlichen Dekret

Das päpstliche Dekret hatte für harsche Kritik gesorgt, auch Blick.ch-Leser liefen Sturm: «Der Papst lebt in einer Sonderwelt? Nicht nur er: die ganze Kirche», schrieb Thomas. Urs glaubt an den einen Gott, «aber nicht ans Bodenpersonal». Perrine stösst sich am unsensiblen Verhalten des Papstes gegenüber den Juden: «Er diskriminiert eine ganze Völkergruppe.»

Mit «Die spinnen, die Römer» outet sich der bekennende Nicht-Katholik als Asterix-Leser. Und Roman sieht nur eine Möglichkeit: «Ich werde noch diese Woche aus der kath. Kirche austreten.» (SDA/dip)

Die Bruderschaft

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat ihre Zentrale seit 1971 in Ecône VS, der offizielle Sitz befindet sich in Menzingen ZG. Gegründet wurde die Bruderschaft Ende der 1960er-Jahre vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre. Weil Lefebvre und seine Anhänger die Kirchenreformen des Zweiten Vatikanischen Konzils der 1960er-Jahre ablehnten, spalteten sich die Geistlichen vom Vatikan ab und wurden 1988 exkommuniziert.
play Stellt sich hinter die Juden und vor den Papst: der oberste Bischof der Schweiz, Kurt Koch. (Patrick Lüthy)

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