Seit Jahren verschanzen sich die Politprofis in den Berner Parteizentralen hinter einer Mauer des Schweigens, wenn es um Spenden aus der Wirtschaft geht. Jetzt enthüllen Recherchen von SonntagsBlick erstmals die Grössenordnung der Spendengelder, die
SVP,
FDP und
CVP allein von
UBS und CS kassieren: gegen zwei Millionen Franken jährlich.Und SonntagsBlick weiss auch von geheimen Parteikonten, auf welche Spenden fliessen, von denen niemand erfahren soll.Der Ärger über das staatliche Milliardenpaket für die UBS und die Arroganz der Boni-Banker lässt die Mauer des Schweigens bei SVP, FDP und CVP bröckeln.Es geht um Geld und Einfluss – und die Frage: Kaufen sich UBS und CS die Unterstützung der bürgerlichen Parteien?«Wir wurden von den Grossbanken jahrelang geschmiert», sagte vergangene Woche ein SVP-Nationalrat, der anonym bleiben will, zu SonntagsBlick – und wirbelte damit in der Politszene gehörig Staub auf.Plötzlich reden Politiker über die Gelder, die ihnen von UBS und CS zufliessen: anonym zwar, dafür umso offener. Darunter sind auch ehemalige Parteifunktionäre, die bis vor kurzem Einblick in die geheim gehaltenen Finanzströme hatten.Die brisanten Ergebnisse der Recherchen im Detail:«Zwischen 100000 und 500000 Franken erhält die CVP jährlich von UBS und CS», sagt ein CVP-Insider. Und weiter: «Wir bewegen uns damit in einem ähnlichen Rahmen wie SVP und FDP.» Eine halbe Million von den Grossbanken für die CVP? «Ich kann mir vorstellen, dass diese Grössenordnung etwa stimmen könnte», sagt dazu alt CVP-Ständerat Markus Kündig (77, ZG) im SonntagsBlick-Interview (siehe unten). Kündig sass zwischen 1974 und 1994 für die CVP im
Ständerat und bis 2002 im UBS-Verwaltungsrat, davon jahrelang als Vizepräsident. Er hat das geheime CVP-Konto in
Zug eingerichtet, das zu seiner Zeit als aktiver Parlamentarier CVP-intern «Kündig-Konto» genannt wurde und heute schlicht «Zuger Konto» heisst. «Darauf fliessen Spendengelder, deren Herkunft verwedelt werden soll», sagt ein CVP-Parlamentarier.Kündig selbst dementiert die Existenz des Kontos nicht: «Dazu kann ich nichts sagen.»CVP-Präsident Christophe Darbellay (37) sagt: «Ich gebe dazu keine Auskunft.»Zur Grössenordnung der Spendengelder von UBS und CS für die CVP sagt Darbellay: «Die Zahlen sind übertrieben.» Die FDP erhält von UBS und CS jährlich «zwischen 300000 und 700000 Franken», wie ein Partei-Insider sagt. In einer ähnlichen Dimension bewegen sich die Zuwendungen des Vereins «Freunde der FDP», der vom früheren UBS-CEO Peter Wuffli (51) präsidiert wird. Ein FDP-Parlamentarier ärgert sich: «Unser Präsident fordert die Rückzahlung der Boni und lässt gleichzeitig zu, dass die
Partei vom grössten Abzocker überhaupt unterstützt wird.»SonntagsBlick weiss: Auch die FDP unterhält ein geheimes Konto, um die Herkunft von Spenden zu vertuschen. Die Gelder liegen auf einem Bankkonto in
Genf. Ein ehemaliger Parteifunktionär verschweigt auch nicht, dass die Grossbanken die Zuwendungen an Bedingungen knüpfen: «Als es um die Wahl von
Bundesrat Hans-Rudolf Merz ging, war der Druck von UBS und CS gewaltig.» Aber auch FDP-Chef Fulvio Pelli (57) schweigt zu den Bankengeldern: «Wir haben unseren Spendern Diskretion versprochen.» «Deutlich über eine halbe Million» erhält die SVP von UBS und CS, so ein Partei-Insider. «Als Marcel Ospel CEO der UBS wurde, schnellten die Zuwendungen der Bank innerhalb eines Jahres von null auf über 300000 Franken.» Und auch die SVP ist dem Druck der Grossbanken ausgesetzt. Als ihr Zürcher
Nationalrat Christoph Mörgeli (48) im März 2005 in seiner «Weltwoche»-Kolumne über die «Credit Suisse Boygroup» herzog, intervenierte CS-Präsident Walter Kielholz (57) persönlich. Mörgeli sagt gegenüber SonntagsBlick: «Der SVP wurde daraufhin für ein Jahr jede finanzielle Unterstützung seitens der CS gestrichen.» SVP-Präsident Toni Brunner (34) will zu den Grossbanken-Spenden keine Stellung nehmen: «Ich kommentiere das nicht.»