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Aus Pascal Couchepins Denkstube drang gestern eine neue Idee nach aussen, um die explodierenden Gesundheitskosten einzudämmen: Vor einem Arztbesuch sollen sich die Patienten zuerst beim so genannten Telefondoktor melden. Die Überlegung dahinter: Viele unnötige Arztbesuche könnten auf diese Weise verhindert und Kosten gespart werden.
Der Gesundheitsminister hält auch ein Zückerli parat: Wer sich telefonisch vom Fachpersonal beraten lässt und danach trotzdem zum Arzttermin muss, kriegt die geplante Konsultationsgebühr von 30 Franken geschenkt (heute im BLICK).
Telefondoktoren gibt es bereits jetzt – und zahlreiche Versicherungen bieten reduzierte Prämien an, wenn die Versicherten zuerst zum Hörer greifen, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Eines der führenden Unternehmen in dem Bereich ist Medgate. Versicherungen wie die CSS, die Sanitas oder die KPT lassen ihre Kunden von der Basler Firma beraten, die derzeit auch die Schweinegrippe-Hotline des Bundes betreibt.
Doch wie funktioniert die Ferndiagnose genau? Cédric Berset, Marketingleiter von Medgate, erklärt: «Wir sind 24 Stunden am Tag erreichbar. Wer anruft, schildert sein Problem zuerst einer telemedizinischen Assistentin. Diese entscheidet dann, welcher Arzt sich um den Fall kümmern soll – und wie dringend es ist».
Wenn es nicht ganz so pressiert, schaut sich ein Arzt das Dossier an und ruft einige Minuten später zurück – so müssen die Anrufer keine Zeit in einer Warteschlaufe vertrödeln. Medgate beschäftigt 45 Ärzte, darunter Spezialisten für innere Medizin oder Kinderärzte. Alle weisen mindestens eineinhalb Jahre klinische Erfahrung auf, wie Berset betont.
Der Telefondoktor versucht, sich im Gespräch mit dem Patienten ein klares Bild von dessen Leiden zu verschaffen. Die Konsultation dauert im Schnitt etwa zehn Minuten. «In 60 Prozent der Fälle können unsere Ärzte so eine abschliessende Behandlung anbieten», erklärt Berset.
Wenn die Symptome klar sind, können die Telefon-Doktoren Medikamente verschreiben und die Rezepte in eine Apotheke faxen, die für den Patienten nahe liegt. Oder der Kunde kriegt die Pillen direkt nach Hause geschickt. Eine Diagnosemöglichkeit sind eingeschickte Fotos. Etwa bei Ausschlägen: Externe Hautspezialisten schauen sich die Bilder an und teilen dem Patienten den Befund innerhalb von 24 Stunden mit.
In 40 Prozent der Fälle reicht die Ferndiagnose nicht aus. «Unsere Ärzte sind so geschult, dass sie sich nicht überschätzen. Wenn sie sich beim Befund nicht ganz sicher sind oder klar wird, dass eine medizinische Behandlung nötig ist, überweisen sie den Patienten», sagt Berset. Dann kommen der Hausarzt, ein Spezialist oder das Spital zum Zug. Bei einem Notfall kann Medgate auch gleich den Krankenwagen losschicken.
2,8 Millionen Schweizerinnen und Schweizer könnten den Dienst von Medgate aufgrund ihres Versicherungsmodells derzeit schon nutzen. In den Grippemonaten Januar und Februar bekämen sie täglich bis zu 2200 Anrufe, berichtet Berset. An einem normalen Tag seien es zwischen 1000 und 2000 Anfragen.
Sollte sich Couchepin im Sommer mit seinen Ideen im Parlament durchsetzen, stünden die Telefondoktoren vor einer goldenen Zukunft. Härtere Zeiten kämen jedoch auf die Hausärzte zu: Sie müssten mit weniger Patienten rechnen.
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Pascal Couchepins will den Telefon-Doktor pushen. (Keystone)