So feiern Neonazis das Konzert im Toggenburg Endlich «legal abhitlern»

Am Samstag versammelte sich die europäische Neonazi-Szene zu einem Konzert in der Schweiz. Zwar gab es keine Randalen – das heisst jedoch nicht, dass wir es mit einem harmlosen Anlass zu tun hatten.

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Zwischen 5000 und 6000 Rechtsextreme feiern im beschaulichen Unterwasser ein Riesenfest – um an eine Bewilligung zu kommen, haben sie die Gemeinde getäuscht. Die Kantonspolizei St. Gallen ist vor Ort, stellt aber «keine Probleme» fest. Der Veranstalter spricht von einem «friedlichen Anlass». War das ganze also ein harmloser Nachmittag unter Musikfans?

Die euphorischen Beiträge, die die Neonazis nach dem Konzert im Internet verfasst haben, zeichnen ein anderes Bild. Es geht um mehr als Musik. Der Schweizer Rechtsextremismus-Experte Fabian Eberhard erläutert: «Solche Anlässe fördern das Gemeinschaftsgefühl und stärken die Szene», sagt er zu BLICK. «Die Konzerte dienen der Szene zur internationalen Vernetzung, zudem werden neue Anhänger rekrutiert.» Dass ein solch riesiges Konzert von den Behörden geduldet wird, gebe den Extremisten zudem das Gefühl, dass ihre Ansichten legitim sind.

Endlich «legal abhitlern»: Neonazis feierten euphorisch im Toggenburg play
Dieser Konzertbesucher freute sich vor dem Anlass aufs «legale abhitlern». Facebook
«Der Kampfgeist ist wieder angestachelt»

So schreibt ein Kommentator zu einem Konzertbericht auf einer einschlägigen Szene-Seite: «Was muss es für ein erhabenes Gefühl gewesen sein, zu sehen, wenn 5000 Kameraden den Liedtext von ‹Sieg› mit dem strammen recken des Armes zu Ende führen.» Und weiter: «Ich bin stolz und ergriffen, dass diese Veranstaltung bei uns in der Schweiz stattgefunden hat.» Die Zeiten hätten sich geändert, er spüre «den jugendlichen Kampfgeist von ehemals wieder angestachelt». Ein User auf Facebook freute sich im Vorfeld des Konzerts aufs «legale abhitlern».

Nicht alle waren zu 100 Prozent Glücklich. Ein Besucher jammerte auf Facebook: «Die Anlage war unterirdisch». Ein weiterer schrieb: «Das Bier war schlecht.»

Im besagten Konzertbericht mit dem Titel «Gewitter über den Alpen» schwärmt der Autor in höchsten Tönen vom Anlass und den Bands. «Mir gehen für das Konzert allmählich die Superlative aus und so kann man das bereits Mitte Oktober als das Konzert des Jahres bezeichnen.» Und auch hier zeigt sich, dass es nicht nur um Musik geht: Der Autor schreibt, wie er sich Stunden vor dem ersten Auftritt unters Volk gemischt habe, «um mit Skins und Kunz diverse persönliche Sachen als auch diverses Organisatorisches abzuhandeln».

Endlich «legal abhitlern»: Neonazis feierten euphorisch im Toggenburg play
 

Aus der Rezension geht auch hervor, dass der Anlass seit Monaten geplant war – ebenfalls, dass es eine grosse Nummer würde, inklusive Headliner «Stahlgewitter». Wie Bilder zeigen, wurde dafür eigens Merchandise-Produkte hergestellt: «Rocktoberfest»-T-Shirts, bedruckt mit den Bandnamen und dem Datum.

Gemäss Informationen des Blogs «Thüringen Rechtsaussen» soll das Konzert bereits fünf Wochen zuvor ausverkauft gewesen sein. Das Bier soll 3,50 Euro, eine Wurst 5 Euro gekostet haben. Der Eintritt kostete 30 Euro pro Person – bei 5000 Gästen dürfte also der Umsatz 150'000 Euro betragen haben.

Wegen Organisations-Panne in Ulm gestrandet

Nicht ganz alle Ticket-Käufer hatten eine tolle Erfahrung. Die Geheimniskrämerei wurde einigen Neonazis zum Verhängnis. Der Veranstaltungsort wurde erst relativ kurz vor Beginn bekanntgegeben – über eine Info-Telefonnummer. Konzertgänger sollen sich in Ulm treffen und auf Bescheid warten.

Endlich «legal abhitlern»: Neonazis feierten euphorisch im Toggenburg play
Kurzfristig wurde die Info-Nummer geändert – das bekamen nicht alle mit. Facebook

Durch eine technische Panne musste jedoch die Info-Nummer gewechselt werden. Da dies offenbar nur auf Facebook kommuniziert wurde, bekamen das einige nicht mit. Gemäss «Thüringen Rechtsaussen» schrieb einer: «Warten in Ulm, voll die Scheisse. Ich schaue nicht unentwegt ins FB. Ein Auto voller Gäste, die Karten, zehn Stunden Fahrt. Alles umsonst? Nicht fair!!!»

Ein weiterer Gast schrieb den Veranstaltern per E-Mail: «Wieso habt ihr die Leute, die eine Karte gekauft haben, nicht per E-Mail informiert? Wir sassen in Ulm fest, und konnten wieder zurückfahren… Ich könnte kotzen.»

Publiziert am 18.10.2016 | Aktualisiert am 14.11.2016
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  • Hans  Müller 18.10.2016
    Naja, andere protofaschistische Organisationen dürfen sich auch überall treffen und ihre krude imperialistische Ideologie verbreiten, völlig akzeptiert sogar unter dem Schutz der Religionsfreiheit. Das sollte mindestens ebenso zu denken geben und ist momentan eine ebenso grosse Bedrohung für die Freiheit.
  • Rolf  Gurtner aus Münsingen
    18.10.2016
    Am selben Wochenende wurde zum gefühlten tausendsten Mal vor der Berner Reitschule eine Person schwer verletzt. Kurze Randnotiz am Sonntag und weg aus der Presse. Über die Rechtsextremen, da wird tagelang gewettert und befürchtet. Wenn man endlich für BEIDE Dumpfbackenvereine gleich berichten würde, wäre schon viel erreicht. Und evtl. könnte man sich dann noch fragen, WARUM rechts nun so einen Zulauf hat...
  • Ruedi  Müller 18.10.2016
    Herr Steinegger aus Zürich und wieviel Leute tötet der Komunismus noch heute ohne das es den Medien nicht mal die Hälfte dieses Berichtes wert ist zu kommentieren. Und da reden wir mittlerweile von weit mehr als 6 Millionen Menschen. Wie ja sicher alle wissen ist auch der Sozialismus die Vorstufe zum Komunismus. Und da sind wir in der Schweiz ohne das es so ein Geschrei gibt schon sehr nahe dran.
    • Bert  Steinegger aus Zürich
      19.10.2016
      Was Sie genau mit ihrer im Dunkeln bleibenden Aussage ausdrücken wollen, erschliesst sich mir nicht ganz. Wollen sie die Taten eines Hitlers kleinreden oder mir weismachen, die Schweiz stünde an der Schwelle zum Kommunismus?

      Auf jeden Fall kann ich Ihnen sagen, dass ich jegliche Verehrung von Gewalt und Gewalttätern missbillige. Würden sich 5000 Leute im Toggenburg treffen und Stalin feiern, fände ich das genauso schlimm und ich hätte keine Mühe, dies auch auszudrücken.
  • Pascal  Berger 18.10.2016
    Jetzt ist es dann langsam gut mit der Berichterstattung. Soooo schlimm war jetzt das ganze nun auch wieder nicht. Da find ich die Lies! Aktion um einiges heikler.
    • Peter  Meier 19.10.2016
      Die feiern einen, der Millionen Menschen umgebracht hat und Sie finden das nicht so schlimm? Ohne Worte.
  • Lukas  Casutt aus CH
    18.10.2016
    @halter. Aber bezüglich Reitschule, Koch-Areal etc. haben Sie natürlich Recht. Dass da nicht durchgegriffen wird, ist ein Skandal.