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Die Frage, ob die Schweiz nicht verurteilte Guantánamo-Häftlinge aufnehmen soll, sorgte für viele rote Köpfe: Die Blick.ch-Redaktion wurde mit Zuschriften überhäuft. Doch einig sind sich die Leute ganz und gar nicht, Gegner und Befürworter halten sich fast die Waage.
Viele Gegner der Idee argumentieren, dass die USA das Problem mit dem völkerrechtlich illegalen Gefängnis selbst lösen sollen. «Goodwill hin oder her. Die Amerikaner sollen die Suppe selber auslöffeln!», schreibt etwa Alois aus Schwyz.
Adriano aus Chur findet: «Ich bin überhaupt nicht ausländerfeindlich und habe auch keine Angst, dass Terroristen darunter sein könnten. Dennoch finde ich, das soll Amerika selbst ausbaden. Sie sollen ihnen nicht nur ein neues Leben geben, sondern sich auch um diese kümmern. Denn wir verurteilten das schon immer, also geht es uns auch nicht an.»
Und Peter aus Bern schreibt uns: «Guantánamo schliessen finde ich absolut okay. Aber den Häftlingen in der Schweiz Asyl geben: sicher nicht! Die humanitäre Tradition der Schweiz in Ehren, aber das geht definitiv zu weit, entschieden zu weit!»
Andere finden, dass die Schweiz es nicht nötig hat «den Amis in den Hintern zu kriechen» (Rolf, Ostermundigen). Das sieht auch Sandra aus Luzern so: «Die Schweiz kommt mir aussenpolitisch vor wie ein barmherziger Samariter. Selber mehr als genug Probleme, aber es immer allen recht machen wollen, damit alle uns lieb haben.»
Es gab aber auch viele, die sich mit der Idee von Guantánamo -Häftlingen in der Schweiz anfreunden können: «Endlich, endlich erwachen unsere Landesführer aus ihrem politischen Tiefschlaf. Eine gute Idee, die, wenn sie in der Praxis verhält, unserem Lande international viel Goodwill schaffen wird. Der EU eine Nasenlänge voraus. Internationale Zusammenarbeit ist je länger je mehr gefragt», ist Andy aus Cham überzeugt.
Auch Toni aus Luzern findet: «Wieso eigentlich nicht! Dies hätte mehrere Vorteile: 1. Die Schweiz kommt nie günstiger zu Publicity, 2. Die Schweiz hat humanitäre Tradition und 3. könnten wir bei der EU einige Punkte gutschreiben lassen (mit gutem Beispiel vorangehen) welche wir für den Steuerstreit gut gebrauchen können.»
Andere Befürworter wie Furgler aus Bern. Er schreibt: «Aber sicher doch! Schliesslich geht es nirgends wo so gut wie in der Schweiz! Also hört auf mit dem Egoismus.»
Oder sind wir einfach nur Heuchler?
Nicht wenige sind wie André aus Lausanne der Ansicht, dass die Schweiz bei einer Nichtaufnhame unglaubwürdig werden würde. «Die Methoden der Bush-Regierung gegen den sogenannten ‹Krieg gegen den Terror› haben den Worten ‹Demokratie und Freiheit› einen ganz bitteren Beigeschmack gegeben (…). Es wird Generationen dauern, um diese Wunden bei den betroffenen Bevölkerungen zu heilen. Die Schliessung von Guantanamo ist ein erster Schritt in diese Richtung und die Schweiz wäre eine unglaubwürdige Demokratie, würde sie sich an der Tilgung dieses Schandflecks nicht beteiligen».
Daniel Leuenberger spitzt dies noch weiter zu:«Ich finde es unerhört: Da reissen die meisten Schweizer riesig das Maul auf über Guantánamo, verletzte Menschenrechte usw. Aber wenn es darum geht Häftlinge aufzunehmen, gegen die nichts vorliegt, dann wird protestiert. Wo ist eigentlich die Unschuldsvermutung verblieben? Wo sind die Taten nach den Predigten? Ich hoffe die Schweizer Regierung wird ein paar dieser Häftlinge in die Schweiz nehmen und ihnen eine neue Zukunftsperspektive geben.»
Das Problem ganz anders lösen will Roli aus Nyon: Er will «für jeden aufgenommenen Guantànamoer einen unserer Politiker hinschicken»! (gux)