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Elisabeth Augstburger (EVP) und Annina Ucatis (r.) diskutieren über Sexualität.- Siggi Bucher
Sie haben das Heu weiss Gott nicht auf der gleichen Bühne. Die eine dreht Filme mit Titeln wie «Das Promiluder» und ist ein Star der Sexmesse Extasia. Die andere engagiert sich in der Evangelischen Volkspartei und kämpft an vorderster Front gegen «wertverachtende» Veranstaltungen wie die Erotikmesse, welche nächste Woche in Basel beginnt. Auf Einladung von SonntagsBlick setzten sich die Berliner Porno-Queen Annina Ucatis (32) und die Basler EVP-Politikerin Elisabeth Augstburger (48) an einen Tisch. Die beiden Frauen merkten bald, dass ihre Ansichten über Sitte, Sex und Sinne überraschend nahe beieinanderliegen. Aber lesen Sie selbst.
Elisabeth Augstburger: Warum wird eine Frau wie Sie eigentlich Pornostar?
Annina Ucatis: Aus reiner sexueller Neugierde. Ich wollte unbedingt einmal Sex vor der Kamera haben. Und ich wollte, dass die Leute um mich herumstehen und mir zugucken.
Sind Sie, äh, sexsüchtig?
Ich bin sehr exhibitionistisch veranlagt und war schon früh sexuell aktiv. Auch hatte ich schon privat Sex, während Leute zugucken konnten. Nach dem ersten Film habe ich gemerkt, dass es mir Spass macht. Zuvor hatte ich mein Abitur gemacht und arbeitete als Immobilienkauffrau.
Das Messeplakat entsetzt mich! Es stellt die Frau als Objekt dar.
Sexmessen sind doch reines Entertainment! Und mittlerweile werden diese Shows von ebenso vielen Frauen wie Männern besucht. Eine Diskriminierung kann ich nicht feststellen.
Ich finde ein solches Plakat gefährlich, weil es die Männer aufreizt – das kann bis zu Vergewaltigungen führen.
So ein Bild kann den Mann sicher stimulieren. Doch heute gibt es für ihn andere Möglichkeiten, um seine Triebe auszuleben. Für Sex zahlt man nicht mehr viel. Und um jemanden zu vergewaltigen, muss man die Gewalttätigkeit schon in sich tragen. Ich glaube nicht, dass Nacktfotos, Plakate oder Pornos das Aggressionspotenzial eines Mannes wecken.
Aber solche Messen fördern das Sexgewerbe und damit auch den Menschenhandel.
Ich kenne Darstellerinnen, die mit ihrer Arbeit tatsächlich nicht glücklich sind. Aber das darf man nicht alles über einen Kamm scheren. Die Pornobranche ist bestimmt nicht für den Menschenhandel verantwortlich.
Und was ist mit Krankheiten wie etwa Aids?
Sorry, aber HIV kennt jeder – da muss jeder selbst den Kopf einschalten.
Und die, die es nicht können?
Die können es so oder so nicht. Zudem glaube ich, dass gerade Leute, die in unserer Branche arbeiten, besonders sensibilisiert sind.
Kann ein Erotikfilm das Bedürfnis nach Liebe im tieferen Sinn stillen?
Keiner guckt sich einen solchen Film an, um sich zu verlieben. In solchen Momenten geht es um den Trieb.
Was verstehen Sie unter Liebe?
Vertrauen, Zusammengehörigkeit, Nähe, Geborgenheit. Liebe ist eines der grössten Gefühle – es kann Berge versetzen. Unter Liebe verstehe ich aber auch sexuelle Treue. Darum steige ich auch aus der Branche aus.
Sie steigen aus?
Ich hab seit diesem Jahr einen festen Freund. Da ist es für mich ein Selbstläufer, dass ich keine Pornos mehr drehe – obwohl ich Sex und Liebe voneinander trennen kann. Aber in einer Beziehung möchte ich mich so verhalten, wie ich es von meinem Partner auch verlange. Auch ich könnte mir nicht vorstellen, dass mein Freund mit anderen Frauen schlafen würde. Und was ist Liebe für Sie?
Eine starke Zuneigung und eine tiefe Verbundenheit zu einer Person. Vertrauen und das Beste für den anderen zu wollen. Die Sexualität gehört für mich allerdings in einen geschützten Rahmen – eine Art Bilderrahmen, was die Ehe für mich ist.
Dieser Rahmen wirkt für mich wie ein Zwang, wo Sexualität unter der Decke stattfindet. Das finde ich gefährlich. Besonders in der heutigen Zeit, wo man bereits durchs Fernsehen und auch sonst überall mit Sex überflutet wird. Ich glaube, man muss heute etwas offener sein als vielleicht noch vor ein paar Jahren.
Ich empfinde das nicht als Zwang. Vielmehr ist es speziell, wenn man so etwas Schönes wie die Sexualität für die Ehe aufsparen kann. Was glauben Sie, wie Sie auf Männer wirken?
Durch meine üppige Oberweite, Körbchengrösse G, und meine blonden Haare ist es schon so, dass ich tagtäglich provoziere. Ich verkaufe da Illusionen. Nichtsdestotrotz bin ich auch ein Mensch. Hab Gefühle und Emotionen und bin nicht jeden Tag nur auf Sex eingestellt. Wie viel Geld müsste man Ihnen anbieten, damit Sie einen Tag lang mit Flyern für eine Erotikmesse werben?
(Lacht) Ich würde um kein Geld der Welt solche Flyer verteilen! Ich muss auch nicht durch einen Miststock laufen, um zu wissen, wie es riecht.