Sie wollte den Akten-Schredder stoppen

  • Aktualisiert am 03.01.2012
Eveline Widmer-Schlumpf war nicht geheuer, vor vollendete Vernichtung-Tatsachen gestellt zu werden.- Reuters

BERN – Im Atomschmuggel-Fall verschwanden viel mehr Akten, als Justizministerin Widmer-Schlumpf lieb war. Anders als ihre Bundesrats-Kollegen wollte sie die Dokumente retten.

Mit den Bruchstücken, die von den Akten heute noch übrig sind, wird eine saubere Beweisführung unmöglich. Die Ingenieursfamilie Tinner hortete unter anderem Baupläne für Waffensysteme im Rheintal.

Diese heissen Aktenordner und Festplatten wurden auf Befehl des Bundesrats vernichtet. Laut Pascal Couchepin stellten sie ein «Sicherheitsrisiko» dar.

Doch vermutlich hatte der US-Geheimdienst CIA – für den der Urs Tinner (Bild rechts) jahrelang gearbeitet haben soll – ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Setzte er den Bundesrat sogar unter Druck? Fest steht: Am 14. November 2007 fiel in Bern der Beschluss, die Atom-Akten zu vernichten.

Das geschah dann auch – allerdings erst im Februar. Damals hatte Eveline Widmer-Schlumpf ihr Amt von Vorgänger Christoph Blocher bereits angetreten. Und die Aktenvernichtung im Bundesrat kritisiert.

Wie Radio «DRS» heute Mittag berichtete, wollte die Justizministerin den Schredder noch stoppen. Statt einer umfassenden Vernichtung versuchte sie, ihren Regierungs-Kollegen eine «differenziertere Lösung» schmackhaft zu machen. Damit das Ermittlungsverfahren gegen die Tinners weitergeführt werden könne.

Vergebens: Der im November gefasste Beschluss wurde Mitte Februar umgesetzt, die Mehrheit der Atom-Akten in diesem Monat vernichtet. Das hatte BLICK in diesen Tagen vermutet (siehe Artikel unten).

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf sagte gegenüber «DRS» heute, sie wolle sich bei Gelegenheit zum brisanten Fall und ihrer Rolle äussern. (dip)

Urs Tinner.- AP

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