Sie sind schuld am Bahn-Debakel

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Matthias Pfander
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Die Verantwortlichen für das Debakel bei SBB Cargo sitzen in der Chefetage. Ausbaden müssen es jetzt die Mitarbeiter.

Selbst SBB-Konzernchef Andreas Meyer weiss: «Schuld an dieser Misere sind nicht die Mitarbeiter.» Trotzdem müssen sie jetzt den Kopf für das Debakel bei SBB Cargo hinhalten.

Insgesamt werden 401 von 4435 Stellen beim Gütertransporteur SBB Cargo gestrichen. Neben Bellinzona (siehe Seite 2) trifft es auch Freiburg hart. Von dort werden 114 Stellen nach Basel verschoben. Die schnellste Zugsverbindung von Freiburg nach Basel: 1 Stunde und 20 Minuten. Ein langer Arbeitsweg.

Verluste schreibt SBB Cargo seit das Unternehmen in dieser Form besteht. Aber erst im letzten Herbst trat Daniel Nordmann zurück, der während sieben Jahren für den Güterverkehr verantwortlich war.

Den Überblick hatte Nordmann offenbar nicht. Denn SBB-Chef Meyer sagt: «Seit Oktober 2007 haben wir die genauen Zahlen und wissen, welcher Bereich der Cargo wie wirtschaftet.»

Das Problem bei der Güterbahn: Der Bund kürzte ab 2004 seine Beiträge. Und SBB Cargo begann die Preise für ihre Transportangebote zu drücken, um Kunden zu gewinnen. Gleichzeitig verlor die Firma Volumen im Inland an neue Konkurrenten.

Deshalb versuchte SBB Cargo ins Ausland zu expandieren. Nach Deutschland und Italien. Das kostete noch mehr.

Mit dem Kahlschlag sollen nun pro Jahr mindestens 70 Millionen Franken eingespart werden. Doch der Verlust im letzten Jahr lag bei 88 Millionen Franken, plus 103 Millionen für die Sanierung. Und in nächster Zeit wird SBB Cargo nochmals viel Geld ausgeben: «Bei den Rangierloks und den Wagen stehen Investitionen von rund 400 Millionen Franken an», sagt Meyer.

Wie nur will SBB Cargo auf Touren kommen?

Die Pläne: Bessere Auslastung, höhere Preise für die Kunden und Zusammenarbeit mit Partnern oder sogar Teilprivatisierung. Nicolas Perrin, der neue Cargo-Chef und ehemalige Stellvertreter von Nordmann, sagt: «Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben.» Dieses Ziel wollte Nordmann schon 2007 erreichen.

Mitarbeit: Lukas Füglister

Fast 600 Millionen Franken Verlust:

Das ist der Saldo der Ära von Daniel Nordmann als Chef von SBB Cargo. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2001 verdiente der Güterverkehr unter dem Strich nie einen Franken. Das beste Resultat war ein Verlust von 3 Millionen Franken im Jahr 2004.Negativ ist die Bilanz auch bei den Jobs. Fast 1000 Stellen hat die Cargo-Misswirtschaft gekostet. Zugeschaut haben alle: Bundesrat Moritz Leuenberger, SBB-Präsident Thierry Lalive d’Epinay, Nordmanns Stellvertreter und Nachfolger Nicolas Perrin.

Marcel Speiser

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