Erstmals überhaupt war Deutschland letztes Jahr die grösste Zuwanderer-Nation.
29309 Deutsche fanden 2007 den Weg in die Schweiz. Vor allem gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Dienstleistungssektor werden bei uns mit Handkuss eingestellt.
Und sie sind auch gern gesehene Mieter. «Wir freuen uns über die hohe Nachfrage der deutschen Einwanderer», sagt Ursula Rufener, Leiterin der Zürcher Geschäftsstelle von EPM Swiss Property Management AG.
Kein Wunder: Die deutschen sind zahlungskräftige Mieter. «In Zürich vermieten wir im oberen Preissegment im Moment bis zu 80 Prozent der Wohnungen an Deutsche.»
Die EPM verwalten Wohnungen von Grosskunden wie der UBS oder der Zürich Versicherungen.
Besonders gesucht bei den Deutschen sind frisch sanierte Liegenschaften. Hier können die Vermieter die Mieten sogar tüchtig erhöhen. Es beisst bestimmt trotzdem einer an.
«Die deutschen Zuzüger kennen die Marktverhältnisse nicht und zahlen fast jeden Preis», sagt ein Insider, der anonym bleiben will. «Der deutsche Mieter ist unser Traummieter», sagt er.
Ursula Rufener sagt unumwunden, dass sich EPM für diese frisch sanierten Liegenschaften ganz bewusst auf die Suche nach deutschen Kunden macht: «Bei der Erstvermietung dieser Wohnungen fokussieren wir speziell auf Klienten aus Deutschland.»
Die EPM schätzt nicht nur die Finanzkraft der deutschen Mieter: «Wir machen insgesamt gute Erfahrungen. Sie zahlen pünktlich, gehen mit den Liegenschaften sorgfältig um und sind gute Nachbarn. Alles tipptopp», so Ursula Rufener.
Einziger Wermutstropfen: Die kürzere durchschnittliche Mietdauer von nur zwei bis drei Jahren bringt auch einen höheren Verwaltungsaufwand. Es müssen mehr Wohnungsabnahmen abgewickelt werden.
Auch bei Wincasa liegt dank den Deutschen die Leerstandsquote extrem tief. «Für eine gute Wohnung bewerben sich über 100 Mieter», sagt Marketing-Leiterin Flavia Morelli und bestätigt: «Darunter viele Deutsche.»
Am meisten von der deutschen Welle profitieren aber die Vermieter von Top-Objekten am See oder mitten in der Stadt. «Nachdem sich der Baulandwert in den letzten sieben bis zehn Jahren verdoppelt hat, passen sich jetzt auch die Mieten der Verteuerung der Grundstücke an», so Immobilienmakler Claude Ginesta von Ginesta Immobilien.
Die Firma hat sich auf exklusive Wohnobjekte im Kanton Zürich spezialisiert. Auch bei Ginesta ist der Anteil der deutschen Kunden sehr hoch. 70 Prozent der Mieter sind Ausländer. Die Hälfte davon sind Deutsche, die anderen kommen vorwiegend aus englischsprachigen Ländern.
«Die grosse Mehrheit der Deutschen wollen auch dort wohnen, wo sie arbeiten», erklärt Dieter Marmet, Immobilienspezialist bei der Beratungsfirma Wüest & Partner. «Auch wenn das etwas mehr kostet», sagt Dieter Marmet. «Die Hauptzuwanderer aus dem Land sind schliesslich auch Banker, Versicherer und Professoren.»
Die Deutschen können im Moment bei uns gar nichts anderes als Mieter werden – auch wenn sie die nötigen Millionen hätten. «Der Markt ist leergekauft. Für Luxus-Objekte werden völlig irrationale Preise bezahlt», sagt Claude Ginesta. So mancher reiche Deutsche mietet erst eine teure Wohnung und kauft dann ein bis zwei Jahre später ein schönes Haus.
