Söhne plünderten ihr Konto «Sie hofften, ich sterbe»

  • Publiziert: 25.06.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Karin Baltisberger
play Traurig und wütend auf die Söhne: Elisabeth Engeler im Altersheim in Adliswil. (Philippe Rossier)

ZÜRICH — Was es heisst, von den eigenen Söhnen hintergangen zu werden, musste Elisabeth Engeler bitter erfahren.

Die 70-jährige Rentnerin ist stocksauer. Auf ihre eigenen Söhne. Die haben sie schamlos hintergangen – und lassen sie jetzt im Altersheim sitzen.

Alles begann vor eineinhalb Jahren. Der Zürcherin Elisabeth Engeler wirds am Morgen plötzlich schwarz vor den Augen. Sie stürzt und erleidet dabei einen schlimmen Schädelbruch.

Für ihre beiden Söhne ist klar: Das überlebt sie nicht. «Sie hofften wohl, dass ich sterbe», sagt Elisabeth Engeler.

Während ihre Mutter im Spital liegt, lösen die Söhne ihre Wohnung auf, verkaufen Antiquitäten, Schmuck und Teppiche – und stecken alles in die eigene Tasche. Rund 80000 Franken.

Doch Elisabeth Engeler rappelt sich wieder auf. Sie erholt sich von ihrem Schädelbruch. Dann der Schock. «Als ich meinen Kontostand bei der Bank erfragte, waren noch 85 Rappen drauf», sagt die 70-Jährige.

Sie hat ihren Söhnen voll vertraut. Der ältere hatte eine Vollmacht für ihr Konto. Damit sollte er eigentlich ihre laufenden Rechnungen bezahlen. «Nicht einmal das machte er.» Stattdessen lebt er mit dem Geld seiner Mutter in Saus und Braus.

Nach ihrem Schädelbruch kann Elisabeth Engeler nicht mehr allein wohnen. Sie kommt in ein Pflegeheim. Doch dort gefällt es ihr gar nicht: «Pfleger weigerten sich, den Betagten Essen einzugeben. Viele wurden einfach mit Medikamenten ruhiggestellt.» Auch wird ihr dort ein Wecker und sogar ein Kleiderschrank gestohlen.

Sie will weg, doch ihre Familie hilft ihr nicht. Sie beschwert sich beim Heimleiter. Schliesslich wird sie aus dem Pflegeheim entlassen.

Nun sitzt sie in einem Altersheim in Adliswil ZH. Völlig mittellos. «Von meinen Söhnen bekomme ich nicht einmal ein Taschengeld – ich trinke die ganze Woche nur Wasser, weil ich mir nichts anderes leisten kann.»
Sie rief ihren Jüngsten an. «Ich dachte, wenigstens er wäre ehrlich.» Und er brachte ihr auch ein, zwei Cola-Dosen und Orangensaft vorbei. Doch Geld könne er ihr keines geben.

Elisabeth Engeler rief seinen Chef an. «Der fragte mich ganz erstaunt, ob ich die 200 Franken Vorschuss nicht bekommen habe. Mein Sohn hatte behauptet, er brauche Geld für mich, weil ich krank sei.»

Im Altersheim ist der 70-Jährigen langweilig: «Hier sind alle durchschnittlich 88 Jahre alt – mit niemandem kann ich richtig reden.» Ihre einzige Freude sei Lesen und Fernsehen.

Doch nicht einmal das kann sie – ihr grosser toller Fernseher steht in der Stube ihres älteren Sohns.

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