«Sie gefährden unsere Familien»

  • Publiziert: 07.03.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

BELLINZONA – Beim Kahlschlag bei SBB Cargo geht es um Hunderte von Arbeitsplätzen. Und um Hunderte von Einzelschicksalen. Giovanni Salvagnin (58) erzählt Blick.ch, was das Drama für ihn ganz persönlich bedeutet.

Erst jahrelanges Missmanagement. Dann die Horror-Nachrichten. Werksschliessungen, Stellenabbau. Da verstecken sich die Manager gern hinter Floskeln, werfen mit Zahlen um sich, die doch nichts sagen. Vernebeln.Doch hinter all dem stehen Menschen. Die der Firma jahrelang alles gegeben haben. Und die von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts stehen. So auch Giovanni Salvagnin (58), SBB-Cargo-Mitarbeiter in Bellinzona. Exklusiv für Blick.ch erzählt er, was dieser böse Tag für ihn bedeutet. In ihm kochen die Emotionen hoch: «Ich bin wütend und enttäuscht über die Direktion von SBB Cargo.» Denn er hat praktisch seit ganzes Arbeitsleben der Firma gewidmet: «Ich arbeite seit 34 Jahren hier – und könnte viel erzählen.»Es geht ja nicht um ihn allein, sagt Giovanni deprimiert: «Mit dieser üblen Überraschung gefährden sie unsere Familien und die ganze Region.»Aber dann bricht doch sein Stolz durch: «Wir kämpfen gemeinsam gegen diesen Abbau bis zum bitteren Ende!» Abbau von 400 Stellen Heute morgen hatten die SBB-Cargo-Bosse in nüchternen Zahlen informiert: SBB Cargo baut in Bellinzona, Basel, Freiburg und Biel 401 Stellen ab. 200 weitere Stellen werden verschoben, vor allem nach Yverdon VD. Barbara Spalinger von der Eisenbahnergewerkschaft SEV erklärte gegenüber Blick.ch: «Unsere Mitarbeiter hier sind empört, sie sind ausser sich.» Denn: Die SBB-Cargo-Bosse haben den brutalen Stellenabbau bekanntgegeben, ohne der Gewerkschaft eine betriebswirtschaftliche Analyse zu präsentieren. Kein Wort zur Frage: Wer ist verantwortlich?! Die Geschäftsleitung lässt keinerlei Strategie erkennen. Niemand weiss, wie es weitergehen soll! Alles, was das Management interessiert, ist der Stellenabbau.Spalinger hält klipp und klar fest, jetzt gehe es erst einmal um Kampf und Widerstand. Chancen für Verhandlungen sieht sie derzeit nicht. Giovanni Salvagnin auch nicht. (snx)

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