Sie fordert 86'000 Fr zurück - weil Jürgen K. wieder arbeitet Spinnt die IV?

Jürgen K. könnte auf der faulen Haut liegen – aber er arbeitet. Jetzt wollen die Sozialversicherungen 86'000 Fr zurück.

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«Ich werde von der IV schikaniert»: Jürgen K.

Stefan Bohrer

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Jürgen K.* (47) aus Ulmiz FR ist eine Kämpfernatur. Seit 2002 leidet er an unheilbarem Krebs. Die Stelle als Angestellter beim Bund im technischen Dienst musste K. nach der Krebsdiagnose aufgeben. Jahrelang war er deshalb auf eine Invalidenrente angewiesen. 2004 erlitt er mit seiner Familie zudem einen schweren Autounfall. Seine Frau musste zweimal wiederbelebt werden.

Trotz des schweren Schicksals entscheidet K. vor fünf Jahren, dass er wieder arbeiten will. Der nachvollziehbare Grund: Er will nicht zum IV-Dauerbezüger werden. «Ich will etwas erreichen im Leben», sagt K. mit Nachdruck.

Die Widerstände gegen seine Entscheidung sind gross: «Die Invalidenversicherung und die Ärzte rieten mir von ­einem beruflichen Wiedereinstieg ab.» K. ignoriert die Ratschläge, wagt den Schritt.

Er startet 2010 auf eigene Kosten eine Ausbildung als Kursleiter, findet heraus, wie viel sein Körper leisten kann – trotz Krebs. 2014 der Durchbruch: Allen Widrigkeiten zum Trotz findet er einen Job als Projektleiter, den er ungeachtet seiner gesundheitlichen Einschränkungen ausführen kann. Jürgen K. ist stolz auf das Erreichte: «Ich betreue mittlerweile viele grosse Projekte in der ganzen Schweiz, zweisprachig.» Er ist zufrieden – obwohl er mit der IV-Rente mehr Geld zur Ver­fügung hätte als mit seinem ­neuen Job.

Es folgt die Ernüchterung: Die Pensionskasse, die einen Teil der IV ausgezahlt hat, fordert rund 150'000 Franken ­zurück. Wegen angeblicher Überentschädigung während der Wiedereingliederung. Zahlbar innert 30 Tagen. K. fällt aus allen Wolken: «Durch meine freiwillige Wiedereingliederung spart die Kasse doch einen Millionenbetrag!»

K. fragt sich: «Was ist das für ein Anreiz, und wer hat da noch ein Interesse, wieder zurück in den Arbeitsmarkt zu ­gelangen, wenn es einem als IV-Rentner besser geht?»

Nach seinem Einspruch bleiben heute noch 86'000 Franken, welche die Pensionskasse zurück will (siehe Box). Sie hat sogar eine Betreibung eingeleitet.

Für den Krebskranken ist das «reine Schikane». Die finanzielle Unsicherheit und die hohen Rechnungen belasten ihn: «Ich breche bei jedem neuen Brief zusammen.»

Die Pensionskasse kann auf BLICK-Anfrage «aus Datenschutzgründen keine Auskünfte» zum konkreten IV-Fall machen.

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 20.10.2015 | Aktualisiert am 20.10.2015
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Das gilt bei der IV

Bern – Grundsätzlich muss Geld aus Invalidenrenten nicht ­zurückgezahlt werden. Bei Jürgen K. ist der Fall aber nicht so einfach. Denn: Der Krebskranke integrierte sich ­zurück in den Arbeitsmarkt, stockte seine Stellenprozente nach und nach auf. In dieser Übergangszeit habe er zu hohe Leistungen bezogen, argumentieren Pensionskasse und IV. Doch was heisst zu viel? Im Normalfall erhalten Versicherte 90 Prozent ihres früheren Einkommens. K. macht aber geltend: In seinem alten Job als Mitarbeiter des technischen Dienstes beim Bund würde er heute  einiges mehr verdienen als zum Zeitpunkt seiner Erkrankung 2002. Die Kassen berücksichtigen die Lohnentwicklung zwar, ­setzen sie aber viel tiefer an.

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76 Kommentare
  • Steffi  Hueber aus Bern
    21.10.2015
    Blick sollte mal besser recherchieren über diese Familie....ständig nicht grade billige Autos kaufen Volvo, sie haben ein Haus, hatten Bengalkatzen die nun auch nicht billig sind! Speziallackierungen an Autos und sonst jeden Chichi usw.....da muss ich als normal arbeitende Person mir ja auch Fragen stellen....
  • Constantin  Sarner aus Allschwil
    21.10.2015
    Wäre er ein Asylant aus Eritrea, würde die IV brav weiterzahlen, geschweige eines Tages Geld zurückfordern.Aber mit den Schweizern kann man es ja machen.
  • Silvio  Kyburger 20.10.2015
    Himmelherrgottnochmal, es geht hier nicht um die staatliche Invalidenversicherung sondern um die ausgezahlte Pensionskassenrente!!!
  • Marco  Mendicino aus Hilterfingen
    20.10.2015
    Zur Information an die die denken die IV würde super Renten zahlen. Die höchste IV Renten bei 100 Prozent Invalidität beträgt chf 2350. Was nicht logisch ist: In der Schweiz gibt es mehr als 100 Ausgleichskassen AHV/IV und somit herrscht keine Kostentransparenz, was wahrscheinlich sehr viel kostet.
  • Francois  Wiget aus Uerikon
    20.10.2015
    Wegen solcher bürgerfeindlichen Handlungen muss die Bürokratie,die ein grosses Interesse daran hat Staatsleistungsbezüger zu verwalten,zurückgestutzt werden. Beamte beschäftigen Bürger und Bürger müssen sich mit Beamten und Verfügungen beschäftigen! Weil Amtsmissbrauch immer häufiger vorkommt,sollte via Internet eine Bewertung abgegeben werden. Beamte mit einer ungenügenden Bewertung sind zu entlassen. Der Bürger finanziert schliesslich den Beamten und möchte anständig und fair behandelt werden.