Sie dürfen nicht im Tessin bleiben!

  • Publiziert: 27.03.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

CHIASSO – Die ukrainische Mutter und ihre fünf Kinder, die Anfang Jahr am Monte Lema TI vor dem Erfrieren gerettet wurden, müssen sich heute in Sitten melden. Darüber ist die Familie sehr unglücklich.

Die Familie war im Aufnahmezentrum von Chiasso untergebracht gewesen. Dann erhielt sie Zugbillette und eine Verfügung, wonach sich alle die ukrainische Mutter (47) und ihre fünf Kinder sich heute bis spätestens 18 Uhr in Sitten zu melden hatten.

Die Familie lebt seit zwei Monaten und seit der dramatischen Rettung vom Monte Lema im Tessin. Den BFM-Entscheid, nach Sitten umziehen zu müssen, nahm sie mit mit Bestürzung auf. Denn die Mutter und die Kinder hätten sich in Chiasso gut eingelebt, Kontakte geknüpft und angefangen, Italienisch zu lernen, erklärt Martino Dotta, Direktor der Tessiner Sektion des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks.

«Wenig menschlich»

Die Umplatzierung von Asylbewerbern in andere Kantone sei zwar üblich, räumte Dotta ein. In diesem speziellen Fall sei sie aber «wenig menschlich». Dotta ist ausserdem «etwas überrascht», dass das BFM die von 735 Tessinern unterzeichnete Petition zugunsten eines Verbleibs der Ukrainer im Tessin nicht berücksichtigt hat.

Der BFM-Entscheid erstaunt Dotta umso mehr, als sich sogar die Tessiner Regierung bei Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf für den Verbleib der Familie im Tessin stark gemacht hatte. Die Regierung hatte Widmer-Schlumpf gebeten, «in Anbetracht der Besonderheit des Falles» in das Asylprozedere miteinbezogen zu werden, um die «Erwartungen der Tessiner Bevölkerung» darlegen zu können.

Die 47-jährige Ukrainerin und ihre fünf Kinder hatten sich zweimal vergeblich um Asyl in der Schweiz bemüht, ehe sie den Weg über die Berge wählten. Am 20. Januar wurden sie halb erfroren und am Ende ihrer Kräfte auf dem verschneiten Monte Lema im Malcantone von der Rega geborgen (Blick.ch berichtete).

Am kritischsten war der Gesundheitszustand des jüngsten Sohnes (9), der mit Erfrierungen an beiden Füssen ins Kinderspital Zürich eingeliefert wurde. Inzwischen sind aber alle wieder wohlauf. (SDA/gux)

play Die Familie kurz vor dem Drama am Monte Lema. (ZVG)

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