ZÜRICH – Daniel Streich ist Militärinstruktor. Und: Er ist Muslim. Das ist kein Einzelfall. Ein Problem für die Schweizer Armee?
Lange hat er sein Doppelleben geheimgehalten. Einerseits strammer SVP-Rechtsaussen und Militärinstruktor. Anderseits streng praktizierender Muslim. Er bete fünfmal jeden Tag und gehe in die Moschee. Jetzt habe Streich die Flucht an die Öffentlichkeit angetreten, berichtet «20 Minuten». Hat sich öffentlich zum Islam bekannt – und den Austritt aus der
SVP bekanntgegeben. Jetzt will Streich der
BDP von Bundesrätin
Eveline Widmer-Schlumpf beitreten.Wieviele Muslime in der Armee?Offiziell gibt es keine Infos zur Anzahl der Muslime in der Armee. «Die ist wahrscheinlich viel höher, als uns bewusst ist», sagt Strategieexperte Albert A. Stahel von der Uni
Zürich gegenüber Blick.ch. Es gebe zahlreiche eingewanderte Kosovaren, Bosnier, Türken, die heute als Eingebürgerte Militärdienst leisteten.Sind Muslime in der Armee ein Sicherheitsrisiko? Diese Frage wird in westlichen Demokratien zunehmend diskutiert, seit der muslimische Militärpsychiater im texanischen Fort Hood wegen seinem Hass auf die USA 13 Kameraden tötete.In der Schweiz gibt es einen Bericht über die politische Einstellung der Imame in der Schweiz, den das
VBS erstellt hat, aber nicht veröffentlichen will. Ob auch etwas über Muslime in der Armee und mögliche Auswirkungen steht, ist ebenfalls nicht bekannt.Islam und Armee: «Gleiche Macho-Kultur»Professor Stahel verwundert sich nicht, dass ein Militärinstruktor sich zum Islam bekennt: «Das ist halt die gleiche Macho-Kultur.» Ein Sicherheitsproblem für die Armee sieht der Strategieexperte aber nicht. «Solange sich der Mann nicht zu Osama Bin Laden bekennt.»Muslime sogar in SpezialeinheitDas sieht Dr. Yahya Hassan Bajwa auch so. Der heutige Badener Gemeindepolitiker und Experte für zwischenkulturelle Kommunikation ist schweizerisch-pakistanischer Doppelbürger. In der Armee hat er als Korporal gedient. Und dies sogar in einer Spezialeinheit, die direkt dem
Bundesrat unterstellt war.«Wir mussten fremde Radiosender abhören», erzählt Bajwa Blick.ch. «Mit meinen Sprachkenntnissen war ich für Pakistan zuständig. Unsere Vorgesetzten haben uns voll vertraut. Sie sahen uns zuerst als Schweizer. Dann als Muslime.»«Merkwürdige Wechsel hinter sich»SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, Minarett-Bekämpfer und Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission, hält fest: «Ich kenne den Militärinstruktor nicht persönlich. Als Freitagsprediger in der Moschee hat er sich immerhin nicht gemeldet.»Ex-SVP-Mann Streich habe aber bereits etliche «merkwürdige Wechsel» hinter sich. «Erst reformiert, dann katholisch, jetzt muslimisch. Dann von der SVP jetzt zur BDP. Erst heimlich, jetzt offen.» Da könne man sich schon fragen, ob die Sicherheitsüberprüfung von Wehrmännern verschärft werden müsse. Er wolle Muslime aber nicht unter Generalverdacht stellen.«Das hat nichts mit Konfession zu tun»Geri Müller, Grünen-Nationalrat und Schlüers Kollege in der Sicherheitspolitischen Kommission, findet: «Der Risikofaktor in der Armee ist immer der einzelne Mann.» Das hätten die jüngsten Militärunfälle deutlich gezeigt. «Aber mit der Konfession hat das nichts zu tun.».
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