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Er führt noch immer die Hitliste der Traumberufe für Buben an: der Lokomotivführer. Doch die Realität ist alles andere als traumhaft: Die einst so stolzen Eisenbähnler sind frustriert. Auf vielen Streckenabschnitten fehlt es an Personal, Berge von Überstunden häufen sich. Zu allem Unmut kursieren jetzt auch noch Gerüchte, dass die wichtigste Arbeitgeberin SBB die Löhne für ihre Lokführer drücken will.
Lenken die Lokomotivführer heute noch sämtliche Züge der SBB, sollen sie künftig nur noch für eine Strecke eingesetzt werden. Die Lokführer-light-Version stösst den Gewerkschaften sauer auf. Laut Hubert Giger (39), Präsident Verband Schweizer Lokomotivführer (VSLF), zielt die Zweiklassenstrategie der SBB darauf, den Lokführern auf den Regionalzügen weniger Lohn zu zahlen. «Eine plumpe Taktik. Mit dieser Kategorisierung verliert unser Beruf nicht nur an Attraktivität, viel schlimmer: Es kommt zu Unfällen und Pannen», so Giger, der 1400 Lokführer vertritt.
Wer morgens bis abends, Woche für Woche die gleiche Strecke fahre, sei automatisch weniger achtsam und nehme sogar die Signale irgendwann kaum noch wahr.
Ebenso beunruhigt ist Peter Merz (46), Präsident des Lokomotivpersonalverbands mit 2500 Mitgliedern: «Monotonie steigert die Gefahrenquellen massiv, und die Passagiere haben eine Recht auf Sicherheit.» Er könne nicht verstehen, weshalb die SBB ein altes Personalmodell, das vor Jahren exakt an diesem Punkt gescheitert sei, wieder aus der Mottenkiste hole.
Jetzt ziehen die Gewerkschaften die Notbremse: Mitte Dezember sitzen sie mit den SBB zusammen. Ziel ist, dem Unternehmen die Pläne auszureden. Die SBB wollen von allem nichts wissen. «Solche Absichten machen für uns aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn», sagt SBB-Mediensprecher Roland Binz.
Zankapfel sind aber auch der Personalmangel und die daraus resultierende hohe Arbeitsbelastung der Lokführer. Während Merz den Fehlbestand bei aktuell 2200 Lokführern auf 70 Stellen schätzt, sieht Giger die Lage noch dramatischer: «Es fehlen mindestens 200 Leute», sagt er. Und mit den erwarteten Pensionierungen in den nächsten Monaten werde die Lücke noch grösser.
Auch in diesem Punkt sind die SBB anderer Meinung. Laut Binz führe der auf 2009 geplante Ausbau der Personenzüge zwar tatsächlich zu einem leichten «Unterbestand», die Zahlen der Gewerkschaftsbünde könne er so jedoch nicht bestätigen. Auch die hohe Arbeitsbelastung bekäme man in den Griff: «Es ist unser Ziel, dass unsere Lokführer nicht übermässig Überstunden anhäufen», sagt der SBB-Mann.
Während es an der Basis brodelt, versucht die SBB-Führung zu beschwichtigen. Eine Tatsache lässt sich aber von niemandem wegdiskutieren: Mag der Berufswunsch Lokomotivführer bei den Buben noch die Hitliste anführen, verliert er bei den Erwachsenen zunehmend an Ausstrahlung. «In den vergangenen Jahren waren die Bewerbungen rückläufig», sagt Stephanie Kriesel (32), Sprecherin der Lokführerschule Login.
Die Gewerkschaften machen auch hier die SBB verantwortlich. Merz: «Mit einem Jahressalär von 42000 Franken während der einjährigen Ausbildung überlegt ein Familienvater zweimal, ob er sich eine Umschulung zum Lokomotivführer finanziell leisten kann.»
Skeptisch Jetzt sitzt Lok-Führer Verbandspräsident Hubert Giger noch im TGV. Fährt er bald nur noch S-Bahn?- ZVG