Abt Werlen gesteht Sex-Übergriffe auch am Kloster Einsiedeln

EINSIEDELN – In der Stiftsschule Einsiedeln ist es seit den 70er-Jahren immer wieder zu sexuellen Übergriffen an Schülern gekommen. Insgesamt haben sich fünf Mitglieder der Gemeinschaft Verfehlungen zuschulden kommen lassen.

  • Aktualisiert am 13.01.2012
Die bedrohliche Kulisse am Einsiedler Welttheater wurde für einige Klosterschüler zur schlimmen Realität.

Jetzt kommen auch am Kloster Einsiedeln Missbrauchsfälle ans Licht: In der Stiftsschule Einsiedeln ist es seit den 70er-Jahren immer wieder zu sexuellen Übergriffen an Schülern gekommen.

In den letzten neun Jahren haben sich fünf Mitglieder der Gemeinschaft in fünf Fällen Verfehlungen zukommen lassen.

Gemäss dem Abt des Klosters Einsiedeln, Martin Werlen, sind drei Brüder, welche sexuelle Übergriffe verübt haben, weiterhin beschäftigt.

Man wolle ihnen eine zweite Chance geben. Auf eine Anzeige habe man aus Gründen des Opferschutzes verzichtet. Details wollte Werlen keine bekannt geben, die Fälle haben sich innerhalb der letzten neun Jahre ereignet. «Sie bekamen fachliche Hilfe», sagt Pater Werlen. «Jeder Mensch lebt davon, dass man ihm vertrauen soll», wehrt sich Pater Werlen auf Kritik am Verhalten der Stiftsschule.

In einem Fall wurde damals ein Pater versetzt, nachdem er einem Klosterschüler während einer Busfahrt zwischen die Beine gegriffen haben soll.

«Schweiz aktuell» konfrontiert den Pater mit konkreten Fällen. So habe sich ein Mitbruder einem Schüler unsittlich genähert, weiss der Abt. Der Mitbruder sei vom Rektor zu einem Jurist geschickt worden. «Der Jurist meinte jedoch, dass es zu wenig war für eine Anzeige», so Werlen.

Ebenfalls in 70er-Jahren soll ein Pater Zöglinge zu sich aufs Zimmer bestellt haben. Sie sollten ihm noch mit 14 Jahren auf den Schoss sitzen.

Werlen: «Ich redete mit dem Mitbruder. Er kann sich nicht erinnern, dass so etwas passiert ist.» (spj)

Muss auch Missbräuche hinter seinen Mauern eingestehen: Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln.- Foto: Goran Basic

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