Todesfallen auf Bike-Trails «Selbst mit Helm lebensgefährlich»

HILTERFINGEN - Nicht nur in Hilterfingen BE legen Unbekannte Todesfallen auf Bike-Trails. Man kann sich kaum davor schützen, sagt ein Experte.

  • Publiziert: 29.10.2012

Unbekannte legen Todesfallen auf Biketrails: Der Fall in Hilterfingen BE ist bei den Blick.ch-Lesern auf riesiges Interesse gestossen. In den Kommentaren berichten mehrere Biker von ähnlichen Fällen an anderen Orten in der Schweiz.

Drähte, Nagelbretter oder Scherben

«Auf einer Abfahrt in der Region Basel gibt es im untersten Drittel einen schönen Sprung, ca. zwei Meter runter. Vor zwei Jahren hatte irgend ein netter Zeitgenosse die tolle Idee, einen Baum in die Landung zu legen», schreibt etwa Johan Deuter. «In der Anfahrt siehst du genau nichts - das Resultat waren zwei gebrochene Rippen und eine Gehirnerschütterung.»

Ein anderer Biker berichtet von einem Trail in der Region Schöftland AG. Hier haben Unbekannte Schnüre auf Halshöhe über den Weg gespannt, auch Glasscherben und Nagelbretter würden ausgelegt. Via Twitter berichtet ein weiterer Leser von gespannten Drähten beim Gempen SO.

«Strecke ablaufen ist unrealistisch»

«Ja, von solchen Fallen habe ich auch schon mehrmals gehört», sagt Olivier Busato, Geschäftsinhaber von der City Cycles AG und Projektleiter beim Bikernetzwerk Trailnet, das sich unter anderem erfolgreich für einen bewilligten Bike-Trail am Gurten in Bern einsetzte.

«Am Gurten streute ein Unbekannter Nägel, seit wir uns mit dem Trail in der Legalisierungsphase befanden», sagt Busato. Der Mann machte auch nach der Bewilligung der Strecke weiter und konnte erst nach Jahren ermittelt werden. Busato erinnert sich auch an einen Fall im Wallis, als sich ein Biker bei einem gespannten Draht schwerste Verletzungen zu zog.

Die Fälle seien zwar selten, auch bestehe in der Biker-Szene keine explizite Angst vor Fallen, dennoch müsse man die Sache ernst nehmen. «Man kann sich kaum auf eine Falle vorbereiten. Bei einem Draht auf Halshöhe bieten selbst Protektoren, Brust-Panzer und Helm keinen ausreichenden Schutz vor lebensgefährlichen Verletzungen.»

Zudem sind die Strecken teilweise sehr lang. «Manche Trails sind mehrere Kilometer lang und überwinden dabei über 1500 Höhenmeter. Da ist es unrealistisch, die Strecke vorher abzulaufen und auf Hindernisse oder Fallen zu überprüfen.»

Problem: Illegale Trails verärgern Waldgänger

Woher kommt der Hass auf die Biker, der Menschen dazu bringt, lebensgefährliche Fallen zu legen? In Hilterfingen BE haben Biker unbewilligt Schneisen in den Wald geschlagen und damit Waldbesitzer und Waldgänger verärgert. Die Fallen wurden auf einem illegalen Trail gelegt.

«Mountainbiker gehören zur jüngsten Nutzergruppe im Wald, der Sport ist kaum 30 Jahre alt», sagt Busato. Konflikte mit andern Wald-Benutzern sind kaum zu vermeiden. Zudem vergifteten jene wenigen schwarzen Schafe das Image der Biker-Szene, die illegal durch die Wälder rasen.

Biker sollten den Dialog suchen und den offiziellen Weg gehen, Behörden kontaktieren und mit Waldbesitzern reden. «Am Gurten hatten wir es mit 17 verschiedenen Interessensgruppen zu tun. Doch am Schluss haben wir eine Lösung gefunden, mit der alle Leben konnten.» (rrt)

Beliebteste Kommentare

  • Fredi  Lang
    Ob einem die Downhill-Biker passen oder nicht. So etwas Gestörtes ist kaum zu glauben!
  • Monika  Lehner , Zürich
    Nein, das geht gar nicht! Auch wenn ich die Downhill-Biker auch nicht mag, denn sie versetzen im Wald Tiere in Angst und Schrecken.

Alle Kommentare (58)

  • Roger  Heiniger , Safenwil
    Ich bin auch dafür, dass man mit der Natur sorgsam umgeht... gleichzeitig bin ich aber begeisterter Biker - und tatsächlich, ab und zu verlasse ich auch die regulären Strassen.
    Habt Ihr schon mal verglichen, welchen Schaden ein Bike und welche Spuren z.B. ein Forstwart-Trakor hinterlässt??
    Vom Lärm ganz zu schweigen

    Zu den Tieren: Auch hier, ganz klar, dauernder Stress kann für diese vorallem im Winter tödlich sein. Nur, im Winter wird kaum trainiert. Und auch im Sommer kommen solche "Störungen" ja nicht im Minutentakt vor... ganz nebenbei, früher als diese noch "natürliche Feinde" in den Wältern hatten, gab es für diese den einen oder anderen Schreckensmoment!

    Und zu guter Letzt: Auch ich gehe regelmässig mit dem Hund in den Wald... ich glaube kaum, dass die Wildtiere dessen Anwesenheit gelassener hinnehmen.
  • Bianca  Christen
    Wie überall gibt es sicherlich auch bei den Bikern schwarze Schafe. Aber ich muss sagen, von den Bikern die ich beim Ausreiten jeweils antreffe, hat noch jeder seine Geschwindigkeit angepasst. Diejenigen die von hinten angefahren kommen, fragen meist sogar erst noch, ob sie neben einem durchfahren dürfen und grüssen. Einige haben mich auch schon gefragt, wie genau sie sich eigentlich bei einer Begegnung mit Pferden verhalten sollen. Dagegen wird man von vielen Fussgängern als Reiter nur böse angeschaut und gegrüsst wird man auch nicht.
    Irgendwie find ichs noch interessant, dass sich alle ab allen anderen aufregen, aber selbst zeigen diejenigen ebenfalls keinen Funken Respekt, Anstand oder was auch immer anderen Waldbenützern gegenüber. Das einzige was mich persönlich im Wald immer wieder stört, sind die Autos und freilaufenden Hunde, wo weit und breit kein dazugehöriger Besitzer in Sicht ist. Es würde der Menschheit effektiv gut tun ein wenig umzudenken und weniger egoistisch zu sein.
  • Hanspeter  Müller
    Das sind die gleichen A....cher wie diejenigen die Öl ausleeren damit die Motorradfahrer stürzen. Kriminielle sind das und die müssten, wenn sie denn erwischt werden, mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden. Müssten..., aber leider werden sie kaum erwischt oder aber sie dürfen mit der Schweizer Kuscheljustiz rechnen.
  • Lisa  Broder-Dätwiler , via Facebook
    Ach herjeh...
    Warum liebe Mit-Wald_Benutzer mutiert ihr immer wenn es um uns Biker geht zu den absoluten Tierfreunden?
    Ich behaupte aus Erfahrung heraus, dass die Tiere sich an unsere "Routen" gewöhnen und sich nicht mehr erschrecken wenn wir einen Trail befahren! Die Gemsen hier bei uns am Acherberg bleiben jedenfalls stehen und schauen mir nach wenn ich vorbei fahre!!
    Warum ist es Euch dann auch immer um jedes Ästchen schade, dass abgeknickt wird, aber daneben liegt Klafter weise geschlagenes Holz im Wald und wird nicht abtransportiert! Zudem wächst der Wald jedes Jahr um 5-10 Prozent in der Schweiz, das werden wir Biker nicht verhindern wenn wir den Wald in unserer Freizeit nutzen. Wisst ihr, dass die Kids die im Wald am biken sind nicht irgendwo abhängen und Drogen etc. nehmen. Ein Bäumchen wächst nach, ein Jugendlicher der sonst auf Abwegen kommt.... nicht.
    Überlegt Euch das doch mal und lasst uns unseren Platz auch! Zum Mörder werden weil es einem nicht passt, dass dort auf ein paar Trails gebikt wird, das ist starker Tobak!
  • Kay  Eisendraut
    Und was ist mit dem Wild ? die können sich mit Nägel, Scherben... auch verlezen. Das ist doch Krank. Bikder stören kaum aber Nörgeler.
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