Der neue Armeechef André Blattmann: Seine Rolle im Fall Nef vergessen

  • Publiziert: 07.03.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Beat Kraushaar und Marcel Odermatt

Stolperte Ex-Bundesrat Samuel Schmid auch über den neuen Armeechef André Blattmann? Dieser spielte in der Affäre Nef eine undurchsichtige Rolle.

Der neue Armeechef will das Image der Armee aufpolieren. Unter anderem mit Militärpolizisten, die in den SBB-Zügen für «Ordnung» bei den Rekruten sorgen. Dies kündigte André Blattmann (52) stolz Anfang Woche in der Zeitung «Schweizer Soldat» an. Doch wie steht es um sein eigenes Image? In der Affäre Nef spielte Blattmann eine undurchsichtige Rolle. Damals gehörte es zu seiner Aufgabe, alle Informationen an Korpskommandant Christophe Keckeis (63) und Bundesrat Samuel Schmid (62) weiterzuleiten. Dies hat er nachweislich nicht oder nur mangelhaft getan, wie aus dem Untersuchungsbericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) ersichtlich ist. Gegenüber SonntagsBlick spielt er heute den Vergesslichen. «Das ist nun gut ein Jahr her. Wie das damals im Detail ablief, weiss ich nicht mehr», sagt Blattmann.Dabei steht alles über seine zentrale Rolle in der Nef-Affäre im GPK-Bericht. Blattmann erscheint dort allerdings immer nur «anonymisiert» – als «zugeteilter höherer Stabsoffizier des Chefs der Armee». Das hinter diesem Dienstgrad der heutige Armeechef steht, taucht in dem dicken Bericht nur ein einziges Mal auf – in einer Liste von befragten Personen. Und das steht im Bericht über den heutigen Armeechef:Nachdem Blattmann im März 2007 von Bundesrat Schmid auf eine Kandidatur als Vize-Armeechef angesprochen wurde, hat er sich nicht mehr mit dem Dossier Nef befasst. Und ab Herbst 07 auch nicht mehr mit Ex-Armeechef Keckeis darüber gesprochen. Der Chef der Informations- und Objektsicherheit (IOS) Urs Freiburghaus sagt aus, dass er Blattmann mehrmals über den Stand des Nef-Verfahrens informierte. Blattmann habe ihm bestätigt, diese Informationen weitergeleitet zu haben. Sowohl Keckeis wie auch Schmid sagen im GPK-Bericht, nie etwas von diesen Zwischeninformationen gehört oder erhalten zu haben.Blattmann behauptet, dass er im Juli 07 mit dem IOS-Chef vereinbarte, dass dieser direkt den Armeechef und Bundesrat Schmid über die Affäre Nef informiere. Laut Freiburghaus gab es nie eine solche Absprache.Aus dem GPK-Umfeld heisst es zu den Erinnerungslücken und Widersprüchen des heutigen Armeechefs: Bundesrat Schmid hätte sich anders verhalten können, wenn ihm Blattmann alle Informationen über die Zeitbombe Nef weitergeleitet hätte. Der zuständige GPK-Kommissionspräsident und CVP-Nationalrat Ernst Lustenberger (58) meint dazu lakonisch: «Zur Wahl Blattmanns sage ich nichts. Seine Rolle in der Nef-Affäre steht im Bericht.» Und was meint der Armeechef zum Vorwurf Schmid geschadet zu haben, weil er nicht alle Informationen weiterleitete? Blattmann: «So stimmt das nicht. Als ich von dieser Geschichte hörte, habe ich am gleichen Tag meinen Chef, Korpskommandant Keckeis, orientiert.»

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