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Am 16. Juni 1986 wurde Luis W. in Chile geboren. Wer seine Eltern sind, hat er nie erfahren. Nun bringen Recherchen von SonntagsBlick an den Tag: Luis W. wurde im Jahre 1989 ausgesetzt, vor seiner Adoption in der Schweiz – eines Tages bringt ihn seine leibliche Mutter in ein Kinderheim und holt ihn einfach nicht mehr ab. «Das ist für das Kind in jedem Fall eine dramatische Situation. Das kann seine Persönlichkeit nachhaltig geschädigt haben», sagt Wilhelm Felder, Professor vom Universitären Psychiatrischen Dienst (UPD) in Bern. «Wenn sein Verhältnis zur Mutter gut war, war der Schock noch grösser.» Unbekannt ist, ob Luis W. in der Zeit zuvor misshandelt, vernachlässigt oder nicht richtig ernährt wurde. «Wenn dies der Fall war, wurde seine Entwicklung noch zusätzlich belastet», sagt der Professor.
Luis W. hat den Mord an Francesca kurz nach der Tat gestanden. Aber nie ein Motiv genannt. «Wir sind noch nicht weiter», sagt Staatsanwältin Catherine Nägeli. Kann das traumatische Kindheitserlebnis den irrationalen Gewaltausbruch erklären? Felder: «Es ist möglich, dass die Erfahrungen in den ersten drei Lebensjahren ein wichtiger Mitfaktor sind.»
Nach dem tödlichen Schuss aus dem Sturmgewehr legte Luis W. ein eigenartiges Verhalten an den Tag. Er ging zurück an den Tatort und rief seine Adoptivmutter in Islisberg AG an. In totaler Verwirrung meldete er am Handy: «Es ist etwas Schreckliches passiert. Ich komme nicht mehr draus.» Von einem Mord sagte «Luccho», wie ihn seine Freunde nennen, aber nichts. Da im Hintergrund das Sirenengeheul von Polizei und Ambulanz zu hören war, ist klar, dass der Anruf direkt vom Tatort kam.
Wo man hinhört, wird Luis W. als «ganz normaler» Junge, «hilfsbereiter» und «liebenswürdiger» Kerl beschrieben. Staatsanwältin Nägeli hat jetzt ein pyschiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. So hofft sie, Licht in «Lucchos» undurchsichtigen Charakter zu bringen.