Zehn Vorschläge vom Vater der Abzocker-Initiative Sein Plan für die UBS

  • Publiziert: 08.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Joël Widmer und Marcel Odermatt

Thomas Minder sorgt sich um die UBS. Die Boni-Diskussion sei Gift für das Vertrauen ihrer Kunden. Er empfiehlt harte Massnahmen.

Er warnte als einer der Ersten vor der Boni-Gier. Doch lange hörte niemand auf den Schaffhauser Unternehmer Thomas Minder (48). Die 100000 Unterschriften für seine Initiative «gegen Abzockerei» musste der Besitzer der Mundwasserfirma Trybol ohne Hilfe von Parteien sammeln. Auch wenn es um den riskanten Kurs der UBS ging, gehörte Aktionär Minder zu den frühen Kritikern. Doch seine warnenden Worte an Generalversammlungen verhallten wirkungslos.

Nach der letzten GV im November habe er schon geglaubt, die UBS-Führung habe den Ernst der Lage begriffen, berichtet Minder. Verwaltungsratspräsident Peter Kurer habe sogar das direkte Gespräch mit Kritikern gesucht. «Heute korrigiere ich meine Einschätzung: Der Zwanziger ist noch nicht gefallen.» In der akutellen Bonidiskussion habe die UBS wegen ihrer «desolaten Kommunikation» wieder Vertrauen verloren.

Am kommenden Dienstag präsentiert die UBS ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2008, das die Bank mit einem geschätzten Verlust von 20 Milliarden Franken abschliessen wird. Minder ist überzeugt, dass jetzt nur noch harte Massnahmen helfen. Im Gespräch mit SonntagsBlick nestelt er plötzlich in der Brusttasche seines Hemdes und kramt ein Papier hervor. «Ich habe einen 10-Punkte-Plan aufgeschrieben, sagt er, «alles unter dem Titel: Die UBS muss aktiv Vertrauen zurückgewinnen, damit nicht noch mehr Kunden abwandern» (siehe Box).

Herr Minder, wie schätzen Sie die Lage der UBS heute ein?
Thomas Minder: Nach wie vor schwierig. Ich wäre gar nicht überrascht, wenn sie nochmals Staatshilfe beanspruchen würde. Deshalb sollte sie jetzt selber versuchen, noch weiteres Eigenkapital aufzutreiben.

Finanzminister Hans-Rudolf Merz sagte doch, es gebe bei der UBS Anzeichen der Besserung.
Das glaubt niemand. Einem Politiker – auch einem Bundesrat – kann man in dieser Phase nicht trauen.

Hat der Bundesrat einen guten Rettungsplan verhandelt?
Einfach formuliert: Ein kapitalistisches System zu haben, bedeutet Geben und Nehmen. Und wenn der Bund etwas gibt, muss er auch etwas nehmen. Was hat der Bund bekommen?

Auf Ihre Initiative hat der Bundesrat aber reagiert und im Dezember einen Gegenvorschlag präsentiert.
Der Gegenvorschlag genügt nicht. Das neoliberale Gedankengut herrscht in Bern noch immer vor. Der Bundesrat hat von 24 Forderungen nur eine übernommen. Das ist eine Provokation.

Die Vorlage ist beim Parlament. Hoffen Sie auf Änderungen?
Ich war vor gut einer Woche in der Rechtskommission des Ständerats an einer Anhörung. Doch vorwärts ging es nicht. Die Kommission hat noch nicht mal über meine Initiative abgestimmt.

Die Rezepte von Thomas Minder

10-Punkte-Plan für die UBS, um das Vertrauen von Kunden und der Bevölkerung zurückzugewinnen.

1 Kein Lohn: Eine Lohn-Null-runde für den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung in den Jahren 2008 und 2009.

2 Kein Bonus: Sämtliche Mitarbeiter der UBS müssen in diesem Jahr auf Boni verzichten.

3 Bessere Information: CEO Marcel Rohner informiert laufend, offen, direkt und ehrlich über die Situation der Bank.

4 Rückforderung: Die alte Führungsgarde zahlt die Boni für 2005–2008 zurück (nur Ospel, Wuffli, Haeringer und Suter haben ihre Boni zurückerstattet).

5 Verwaltungsrat verbreitern: In den Verwaltungsrat müssen ein KMU- und ein Kunden-Vertreter gewählt werden.

6 Amerikanisierung stoppen: Manager aus den Vereinigten Staaten sollen die UBS verlassen. Dafür sollen Schweizer Topkader eingestellt werden.

7 Strategische Neuausrichtung: Die UBS soll komplett aus dem US-Geschäft aussteigen.

8 Keine externen Berater: Die UBS hat 80 000 eigene Mitarbeiter. Deshalb braucht sie keine fremden Berater.

9 Image-Werbekampagne stoppen: Wenn nur einer der präsentierten Vorzeigekunden sein Konto auflöst, wäre das ein gefundenes Fressen für die Medien.

10 Neues Kapital: Die UBS braucht Geld, um sich für schwierige Zeiten zu wappnen.

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