
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Ich dachte, ich hätte es hinter mir. Brüeder, Schwöster, Ggusängs und Änkel. Vorletzte Woche musste ich sie alle in einen Stammbaum eintragen. In den unserer Lehrbuch-Familie Muggensturm.
Es war der erste Stammbaum meines Lebens. Lehrerin Ann Beilstein diktierte: «De Peter und dMaria Elisabeth händ ussert de Klara no zwäi Töchtere ghaa.»
Mein Leidensgenosse Thomas und ich konnten den Stammbaum nur mit vereinten Kräften ausfüllen. Und schworen uns: Nie wieder Stammbaum auf Schwiizertüütsch.
Aber Lehrerin Ann Beilstein kennt kein Erbarmen. Sie lässt uns in der nächsten Stunde schon wieder zeichnen. Thomas diktiert mir seine Familienverhältnisse. Und ich ihm meine.
Idealerweise sollen wir nicht nur Sprechen üben. Sondern auch den Einsatz von Possessivpronomen und die Anpassung der Artikel an den Namen. «Miini Mueter isch d Annemarie. Iri Schwöschter isch d Ursula», soll ich sagen. Aber Sie wissen ja: Ich habe es weder mit Artikeln noch mit Possessivpronomen.
Als Erste muss ich vor allen anderen im Kurs den Stammbaum von Thomas vortragen. Auf Schwiizertüütsch.
«D Thomas hät zwei Gschwüsterti», beginne ich. «D Matthias und d Felicitas. Felicitas isch mit Michael ghüüratet. Sie händ drüü Chind, Tilmann, Felix und Benedict.»
Ich rattere die Namen so schnell wie möglich herunter – ohne Rücksicht darauf, ob es Schwiizertüütsch ist oder nicht. «Du musst Artikel vor die Namen setzen», mahnt Lehrerin Ann Beistein. Ich seufze – und gehorche.
«D» schnalze ich jetzt vor jedem Namen. Es klingt, als würde ich laut spucken. Neben mir höre ich ein Glucksen. Thomas versucht, nicht laut zu lachen. Die anderen im Kurs kichern. Selbst Lehrerin Ann Beilstein grinst.
Wenig später stellt Schwedin Helen auf Schwiizertüütsch die Familie von Fancy aus Hongkong vor. Da sind Thomas und ich wieder glücklich. Stammbäume können amüsant sein.