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(Illustration: Igor Kravarik)
Morgen Montag öffnet die erste SBB-Lounge im Hauptbahnhof Zürich: Reisende im Besitz eines Generalabonnements der ersten Klasse dürfen in edlen Lederfauteuils Platz nehmen und kostenlos Getränke schlürfen. Ab Anfang August werden die SBB ihren Erstklass-Passagieren auf der Gotthardlinie sogar Speisen und Getränke am Sitzplatz servieren.
Die SBB-Offensive für Gutbetuchte ist damit aber noch längst nicht erschöpft. Recherchen von SonntagsBlick zeigen: Die Staatsbahnen planen insgeheim eine Luxusklasse.
Das Projekt ist bereits aufgegleist. «Ausrüstung mit Premiumabteil im Oberdeck», steht in der aktuellen Ausschreibung für 59 neue Doppelstockzüge, die im Fernverkehr eingesetzt werden sollen. Alle Anbieter müssen Vorschläge für die neue Klasse einreichen. Sonst fallen sie aus dem Rennen.
SBB-Sprecher Daniele Pallecchi bestätigt: «Wir wollen in unserer Ausschreibung einfach mal Ideen sammeln, wie eine solche neue Klasse aussehen könnte.»
Das Projekt einer Luxusklasse ist etwas völlig Neues für die Schweiz. SBB-Chef Andreas Meyer (48) will sich nicht dazu äussern. SonntagsBlick erfuhr aber: Im neunköpfigen SBB-Verwaltungsrat plädieren gewichtige Stimmen für das neue Angebot. Geschäftsleute seien bereit, für Topplätze bis zu drei Mal mehr zu zahlen als für ein gewöhnliches Erstklass-Billett.
Auch in der Politik gibt es Befürworter: «Eine Premium-Klasse auf längeren Strecken wie Zürich–Genf und St. Gallen–Genf halte ich für sehr sinnvoll», so FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger (56).
Doch Widerstand ist vorprogrammiert. «Der Vorschlag geht in die falsche Richtung», sagt Giorgio Tuti (45), Präsident der Eisenbahner-Gewerkschaft SEV. Die SBB-Züge seien schon heute übervoll, die Kapazitäten mehr als ausgelastet. Durch die neue Klasse blieben fürs normale Volk noch weniger Plätze. Tuti: «Der Service public darf nicht eingeschränkt werden, damit ein paar Superreiche ungestört Zug fahren können.»
Andere Länder haben sich schon an die Luxusklasse gewöhnt. Die Eurostar-Hochgeschwindigkeitszüge zwischen London, Paris und Brüssel bieten eine spezielle Comfort-Klasse. Die französische SNCF überlegt sich denselben Schritt.
In Österreich sind viele Bahnkunden begeistert von einer «Premium Class», die im Dezember für den Railjet von Wien nach München und Budapest lanciert wurde. «Die Einführung der neuen Klasse hat sich als goldrichtig erwiesen», sagt ÖBB-Vorstandssprecherin Gabriele Lutter (47). Für einen Aufpreis von 25 Euro dürfen sich Premium-Fahrgäste in Waggons an der Spitze des Zuges in grosszügig bemessene Ledersessel fallen lassen. Snacks, Getränke und Zeitungen sind gratis. Die Buchungen liegen weit über dem Durchschnitt.
Ab Mitte Dezember soll der Railjet bis nach Zürich verkehren. «Dann werde ich eine Probefahrt in der Premium Class machen», freut sich Edwin Dutler (62), Präsident der Schweizer Kundenvereinigung Pro Bahn. Er hofft, dass die SBB bald nachziehen. «Für Leute, die beim Zugfahren ungestört arbeiten wollen, wäre dies ein grosser Fortschritt.»
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Begeistert: Filippo Leutenegger würde Premium fahren. (Christian Lanz)