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Champagner, Liegesitze, Hostessen: Schweizerische Bonzen Bahnen

Die zweite Klasse platzt aus allen Nähten. Doch die SBB tun etwas für die Reichen: mit einem Luxusabteil wie in der Business Class der Airlines.

Von Iso Ambühl und Guido Schätti | Aktualisiert um 20:28 | 07.06.2009
(Illustration: Igor Kravarik)
(Illustration: Igor Kravarik)
Morgen Montag öffnet die erste SBB-Lounge im Hauptbahnhof Zürich: Reisende im Besitz eines Generalabonnements der ersten Klasse dürfen in edlen Lederfauteuils Platz nehmen und kostenlos Getränke schlürfen. Ab Anfang August werden die SBB ihren Erstklass-Passagieren auf der Gotthardlinie sogar Speisen und Getränke am Sitzplatz servieren.

Die SBB-Offensive für Gutbetuchte ist damit aber noch längst nicht erschöpft. Recherchen von SonntagsBlick zeigen: Die Staatsbahnen planen insgeheim eine Luxusklasse.

Das Projekt ist bereits aufgegleist. «Ausrüstung mit Premiumabteil im Oberdeck», steht in der aktuellen Ausschreibung für 59 neue Doppelstockzüge, die im Fernverkehr eingesetzt werden sollen. Alle Anbieter müssen Vorschläge für die neue Klasse einreichen. Sonst fallen sie aus dem Rennen.

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi bestätigt: «Wir wollen in unserer Ausschreibung einfach mal Ideen sammeln, wie eine solche neue Klasse aussehen könnte.»

Das Projekt einer Luxusklasse ist etwas völlig Neues für die Schweiz. SBB-Chef Andreas Meyer (48) will sich nicht dazu äussern. SonntagsBlick erfuhr aber: Im neunköpfigen SBB-Verwaltungsrat plädieren gewichtige Stimmen für das neue Angebot. Geschäftsleute seien bereit, für Topplätze bis zu drei Mal mehr zu zahlen als für ein gewöhnliches Erstklass-Billett.

Auch in der Politik gibt es Befürworter: «Eine Premium-Klasse auf längeren Strecken wie Zürich–Genf und St. Gallen–Genf halte ich für sehr sinnvoll», so FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger (56).

Doch Widerstand ist vorprogrammiert. «Der Vorschlag geht in die falsche Richtung», sagt Giorgio Tuti (45), Präsident der Eisenbahner-Gewerkschaft SEV. Die SBB-Züge seien schon heute übervoll, die Kapazitäten mehr als ausgelastet. Durch die neue Klasse blieben fürs normale Volk noch weniger Plätze. Tuti: «Der Service public darf nicht eingeschränkt werden, damit ein paar Superreiche ungestört Zug fahren können.»

Andere Länder haben sich schon an die Luxusklasse gewöhnt. Die Eurostar-Hochgeschwindigkeitszüge zwischen London, Paris und Brüssel bieten eine spezielle Comfort-Klasse. Die französische SNCF überlegt sich denselben Schritt.

In Österreich sind viele Bahnkunden begeistert von einer «Premium Class», die im Dezember für den Railjet von Wien nach München und Budapest lanciert wurde. «Die Einführung der neuen Klasse hat sich als goldrichtig erwiesen», sagt ÖBB-Vorstandssprecherin Gabriele Lutter (47). Für einen Aufpreis von 25 Euro dürfen sich Premium-Fahrgäste in Waggons an der Spitze des Zuges in grosszügig bemessene Ledersessel fallen lassen. Snacks, Getränke und Zeitungen sind gratis. Die Buchungen liegen weit über dem Durchschnitt.

Ab Mitte Dezember soll der Railjet bis nach Zürich verkehren. «Dann werde ich eine Probefahrt in der Premium Class machen», freut sich Edwin Dutler (62), Präsident der Schweizer Kundenvereinigung Pro Bahn. Er hofft, dass die SBB bald nachziehen. «Für Leute, die beim Zugfahren ungestört arbeiten wollen, wäre dies ein grosser Fort­schritt.»

Sprinter macht schlapp

Sorgenzug: Der Typ Domino wird als Glarner Sprinter eingesetzt (SBB)
Sorgenzug: Der Typ Domino wird als Glarner Sprinter eingesetzt (SBB)

Die SBB wollen den neuen «Glarner Sprinter» trotz Mängel in Betrieb nehmen. ­Lokführer üben Kritik.

Am nächsten Samstag soll in ­Glarus ein grosses Fest steigen: Die SBB weihen den neuen Glarner Sprinter ein, den beliebten Schnellzug zwischen Glarus und Zürich. Doch es gibt Zweifel, ob das neue Produkt der Regionalzugskomposition Domino reif ist für die Schienen. «Der Zug konnte gar nie richtig getestet werden», sagen Lokomotivführer. Wegen Mängel gab es immer wieder Reparaturen an den Testzügen. Im Mai fiel etwa ein Drittel aller Testfahrten aus.

Der Glarner Sprinter hätte schon im Dezember 2008 seinen Betrieb aufnehmen müssen. Doch die Firma Bombardier hatte die Zwischen­wagen zu spät geliefert. Jetzt ­drohen erneut Verzögerungen. Vor wenigen Tagen mussten Drehgestelle ausgewechselt werden. Die SBB sind immer noch zuversichtlich: «Die Sicherheit ist ­gewährleistet. Das Fest findet statt.»  

WALTER HAUSER

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Mehr Luxus: Railjet-Sitze in Österreich... (ZVG)
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...Hostessen in der SBB-Lounge in Zürich. (Keystone)
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Frage der Woche
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Begeistert: Filippo Leutenegger würde Premium fahren. (Christian Lanz)
Begeistert: Filippo Leutenegger würde Premium fahren. (Christian Lanz)
Das sagen Blick.ch-Leser
Doris König-Stock, Zürich - 11:13 | 08.06.2009
» Richtigstellung: Das Lounge-Team besteht aus 16 ausgebildeten Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen aus allen Bereichen des Bahnreisezentrums Zürich HB. In der Lounge gibt es keine Cüpli sondern nur alkoholfreie Getränke, welche sich der Gast selber holt. Ich kann mich nicht erinnern eine ähnliche Hetzkampagne bei der Eröffnung der Lounges in den Flughäfen Basel und Zürich erlebt zu haben.... Zu guter Letzt noch eine letzte Entwarnung an andere Stänkerer: "Bähnler"GAs sind in der Lounge nicht zugelassen
lilly rosner, kloten - 10:40 | 08.06.2009
» Meiner Meinung nach wäre es viel intelligenter, zusätzliche Wagen 2er-Klasse zu kaufen. Die erste Klasse ist sehr komfortabel und eine "Luxusklasse" erachte ich als unnötig, eine "Furzidee", einfach einmal "just for fun" eine Ausschreibung zu starten! Service public, tu te caches où?
Peter Klohn, Lauerz - 10:38 | 08.06.2009
» Sicher braucht es eine Luxusklasse,für was auch immer,sicher ist jedoch das es dadurch mehr 2.Klasse Sitzplätze gibt,werden doch alle die jeweils am Feierabend stehen,in die Luxusklasse wechseln.Das erklärt auch das am Samstag Schnellzüge vom Tessin mit viel Militär,mit 4 geschlossenen 2 Klasse - wagen herumfahren.Gut gibt es das doofe Volk
h.l lanz, basel - 01:40 | 08.06.2009
» bravo schon wider etwas für die reichen.bundesräte und palementarier die sowiso ein gratis generalabo haben(steuerzahler) begrüssen das natülich.warum nicht auf dem nachhauseweg in einem!: KLASS sessel weiterschlafen.nach ein paar cüpli versteht sich
Freddy Luger, Bern - 23:38 | 07.06.2009
» Wieso nicht find ich eine gute idee den in der Schweiz herrscht eh viel zu viel enge und wenn man gegen aufpreis in die Premium-klasse gehen kann, und man ein wenig mehr abstand haben könnte würde ich sofort buchen. Einer kabinen wären sehr schön, klimaanlage selber regeln, laptop anschluss, gutes licht zum lesen, ev sogar eine raucherkabine wie früher wo der Kunde noch König war,
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