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Reise in die Heimat: Alizée Gaillard 2006 mit Cousins und Cousinen. (ZVG)
Es ist Samstag, 20 Uhr, in der Schweiz. Seit Tagen geht Alizée Gaillard vom Schlimmsten aus. Ihr Vater und die Halbgeschwister leben in Pétionville, einem edlen Vorort von Port-au-Prince. Seit hier am Dienstag, um 17.52 Uhr Ortszeit, die Erde bebte, hat das Schweizer Topmodel nichts mehr von seiner Familie gehört. «Wir haben keine Informationen und kein Lebenszeichen. Ich weiss nicht, ob mein Vater noch lebt», erzählte die junge Frau am Samstagnachmittag am Telefon. Mit stockender Stimme fügt sie an: «Vielleicht wird er nicht einmal gefunden.»
Alizée arbeitet zurzeit als Model in New York (USA). Jetzt sitzt sie wie auf Nadeln. «Mein Bruder, der in Genf lebt, ist unserer Familie in Haiti sofort zu Hilfe geeilt. Zuerst wollte ich mit.» Doch die beiden entscheiden: Alizée soll von New York aus die Suche koordinieren. «Wir stehen in ständigem SMS-Kontakt.»
Nur wenige Minuten nach diesem Gespräch kommt für Alizée per SMS die erlösende Nachricht. Endlich! Nach schrecklich langen 93 Stunden. «Vater lebt, es geht ihm gut», schreibt der Bruder. Er hat ihn vor den Trümmern seines Hauses in Pétionville angetroffen.
«Ich bin überglücklich. Ich kann meine Freude kaum in Worte fassen», beschreibt Alizée Gaillard SonntagsBlick ihre Gefühle in einem weiteren Telefongespräch.
Alizée kennt Haiti sehr gut. Die ersten acht Jahre lebte das Model, das schon für Prada, Louis Vuitton und Cartier arbeitete, auf der Karibikinsel. Dann kehrte die Mutter mit ihr und ihrem Bruder in die Schweiz zurück. Der Vater, ein Haitianer, blieb auf der Insel. «Im Moment wissen wir, eine Halbschwester und ein Halbbruder haben überlebt. Wir trauern aber um einen Onkel. Und die meisten Familienmitglieder werden noch vermisst.»
Die Situation vor Ort sei dramatisch: «Meine Schwester schläft auf der Strasse.» Das Erdbeben hat enormen Schaden angerichtet. Alizée Gaillard weiss, wovon sie spricht. Seit Jahren ist sie neben dem Modeljob karitativ tätig. Als Botschafterin für Caritas. «Meine zweite Heimat braucht jetzt nachhaltige Hilfe.»
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Alizée Gaillard: «Mein Vater lebt, ich bin überglücklich» (ZVG)