Schweizer Tiefsee-Legende tot

  • Publiziert: 01.11.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

LAUSANNE – Er tauchte so tief wie niemand zuvor: Jacques Piccard. Jetzt ist der Wissenschaftler aus der Abenteurer-Familie im Alter 86 Jahren verstorben.

Jacques Piccard kam am 28. Juli 1922 in Brüssel zur Welt. In Genf studierte er Wirtschaftswissenschaften und internationale Beziehungen. Von 1950 an widmete er sich der Erforschung der Meerestiefen.

Während sein Vater Auguste Piccard 1931 mit seinem Ballonflug in die Stratosphäre bis in eine Höhe von 16000 Metern für Aufsehen gesorgt hatte, brach Jacques Piccard jegliche Tiefenrekorde.

Mit dem U-Boot «Trieste», das er mit seinem Vater Auguste konstruiert hatte, tauchte er am 23. Januar 1960 zusammen mit dem US-Marineleutnant Don Walsh bis auf den Grund des Marianen-Grabens im Pazifischen Ozean vor Japan auf 10916 Meter Tiefe. Dies ist der tiefste Punkt der Weltmeere.

Etwa drei Stunden brauchten die beiden bis zum Grund. Als sie aufsetzten, lasteten über 40 Millionen Tonnen Gewicht auf dem Tauchboot – ein unfassbarer Druck, der auch eines der 19 Zentimeter starken Fenster zerbarst, jedoch nicht zerstörte. Damit wurde Jacques Piccard weltbekannt. Der tiefste Punkt unter Wasser wurde seither nie wieder erreicht.

1969 leitete er eine Expedition von sechs Wissenschaftern, die in 30 Tagen den Golfstrom von Florida bis nach Neu-Schottland erforschte: eine 3000 Kilometer lange Unterwasserreise.

Vater des Expo-U-Boots

Er war auch der Erbauer des U-Boots «Mesoskaph» der Expo64. Mit dem 166 Tonnen schweren U-Boot waren an der Landesausstellung 1964 rund 33000 Besucherinnen und Besucher 60 Meter tief in den Genfersee eingetaucht.

Aus nächster Nähe hat Jacques Piccard immer auch die Abenteuer seines Sohns Bertrand mitverfolgt. Dieser hat 1999 zusammen mit dem Briten Brian Jones erstmals per Heissluftballon die Erde in einem Non-Stop-Flug umrundet. 2011 will der Abenteurer und Arzt wieder um den Erdball, dieses Mal im Solarflugzeug «Solar Impulse».

Jacques Piccard hat bis ins hohe Alter sein Herzblut in die Erforschung der Meerestiefen und in seine von ihm gegründete Stiftung zum Studium und Schutz der Meere und Seen mit Sitz in Cully VD am Genfersee gesteckt. «Es bleibt noch so viel zu tun, bevor ich sterbe», hatte er an seinem 80. Geburtstag erklärt. (SDA)

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