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Ich allei säge, wo s dure gaht. Immer», sagt Walter Andreas Müller (65) in einem 45-Sekunden-Clip für die Sterbehilfeorganisation Exit. Deren Slogan «Selbstbestimmung im Leben und im Sterben» kann der Volksschauspieler («Adam und Eva Chifler») voll unterschreiben.
Die Spots, in denen auch der vor wenigen Tagen verstorbene Radiomoderator Ueli Beck (†79) und Ex-Fussballer Timo Konietzka (72) auftreten, laufen seit dieser Woche im Werbeprogramm von SF.
Zwar geniesst die Freitodbegleitung schwer kranker Menschen in der Bevölkerung grosse Akzeptanz – doch darf dafür geworben werden wie für Autos oder Limonade? Darf die Suizidhilfe zu einem Konsumgut werden, dürfen Sterbehilfeorganisationen sich wie profitorientierte Unternehmen verhalten?
«Ich halte das für äusserst fragwürdig», gibt der Zürcher SVP-Nationalrat Max Binder (62) zu bedenken. Binder ist Präsident der Kommission für Fernmeldewesen und somit höchster Medienpolitiker des Schweizer Parlaments. FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger (57/ZH) teilt die Skepsis: «Ich finde solche Spots im Umfeld von Zahnpasta und Fertigpizza problematisch. Schliesslich geht es um eine ernste Sache.»
Werbung auf SF regelt das Radio- und Fernsehgesetz. Es verbietet Reklame für Heilmittel oder «medizinische Behandlungen» und solche, die «zu einem Verhalten anregt, welches die Gesundheit (...) oder die persönliche Sicherheit gefährdet». Ein Passus über Suizidhilfe fehlt; daher spricht Binder vom «gesetzlichen Graubereich», der zu prüfen sei.
Die zuständige Werbevermarkterin Publisuisse: «Wir sind zum Schluss gekommen, dass die Exit-Spots weder gegen das Radio- und Fernsehgesetz noch gegen die Geschäftsbedingungen der Publisuisse noch gegen die redaktionellen Grundsätze der SRG verstossen», sagt Sprecher Othmar Stadelmann. Auch das Bundesamt für Kommunikation vermag keinen Widerspruch zum Gesetz zu erkennen.
Petra Zürcher verlor vor fünf Jahren ihre 19-jährige Tochter, die sich vor den Zug geworfen hatte. Was sagt sie zu den Spots? Sie sei nicht gegen Exit, «aber es irritiert mich, wenn so eine Botschaft in einem Werbeblock ausgestrahlt wird und der Freitod zu einem beliebigem Konsumgut wie ein Haarspray oder Kaffeekapseln wird».
Der Parodist Walter Andreas Müller verteidigt die Spots: «Ich habe erlebt, wie mein Vater qualvoll an Alzheimer starb. Er hat wirklich sehr gelitten. Seither bin ich Mitglied von Exit. Ich will nie, dass mir so was passiert, darum machte ich mit. Ich bekomme dafür kein Geld.»