Schweizer Philosoph Alain de Botton kritisiert Dating-Apps «Tinder ist ein Feind der Liebe»

LONDON (GB)/ZÜRICH - Alain de Botton ist kein Fan von Dating-Apps. Die Technologie sei nur daran interessiert, Menschen zusammenzubringen, kritisiert er – und nicht Probleme in der Partnerschaft auszuräumen.

Schweizer Philosoph über Dating-Apps wie Tinder: Feind der Liebe play
Tinder-Nutzer: «Technologie ist nur am Zusammenbringen interessiert.» AP

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Gerade bei jungen Menschen stehen Dating-Apps wie Tinder, Lovoo oder Badoo hoch im Kurs. Tausende knüpfen mit den Handy-Programmen Kontakte, Flirten und Chatten.

Einer der mit dem Trend indes nur wenig anfangen kann, ist Alain de Botton (46). Der Schweizer Philosoph bezeichnet in einem Interview mit dem «Tages–Anzeiger» Tinder sogar als «Feind der Liebe».

Schweizer Philosoph über Dating-Apps wie Tinder: Feind der Liebe play
Philosoph de Botton: «Romeo und Julia haben eine massive neurotische Störung.» MARK CHILVERS

«Die Liebes-Apps aus dem Silicon Valley gehen alle von einer romantischen Idee des perfekten Zusammenpassens aus», sagt de Botton. Das Problem dabei sei, dass es keine perfekten Paare geben, weil niemand perfekt sei und alle Probleme in die Partnerschaften einfliessen. 

Das führe zu grossem Unglück, so de Botton, «da wir trotz des vermeintlichen Matchs hinter dem schönen Ideal zurückbleiben». Es sei bezeichnend, das es keine Apps gebe, die einem Helfen, seinen Partner besser zu verstehen. De Botton kritisiert: «Die Technologie ist nur am Zusammenbringen interessiert.»

«Romane ruinieren Liebesverständnis»

Mit «Der Lauf der Liebe» (Fischer-Verlag) hat de Botton, der heute in London lebt und auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt, eben einen neuen Liebes-Roman vorgelegt – dabei hält er von diesem Literatur-Genre nur wenig. 

«Romane haben das Liebesverständnis so vieler Menschen ruiniert», sagt er im «Tagi»-Interview. «Wenn man zu viele Liebesromane gelesen hat, kann man sich leicht in der Situation wiederfinden, dass man nachts neben seinem Partner liegt und denkt: ‹Das ist nicht das, was ich erwartet habe. Ich muss mich wohl scheiden lassen›.»

Zu Shakespeares «Romeo und Julia», das die europäische Kultur als «schönste Liebesgeschichte verehrt», sagt de Botton wenig romantisch: «Das sind zwei durchgeknallte Teenager, die sich selbst umbringen. Die zwei haben eine massive neurotische Störung und wären heute einen Fall für den Psychiater.» (bau)

Publiziert am 10.10.2016 | Aktualisiert am 17.10.2016
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4 Kommentare
  • Roger  Hofstetter 11.10.2016
    Jetzt mal ernsthaft, immer ist irgendwas anderes schuld, wenn es in der Beziehung nicht klappt. Dating-Apps haben schon den richtigen Namen, es sind "Dating-Apps", in unterschiedlichen Qualitäten. Dass aus Dates auch Beziehungen entstehen können, ist naheliegend. Die Apps ermöglichen das einfachere und raschere Dating, mehr nicht.
    Davon auszugehen, dass gleich das erste Date die grosse Liebe wird ist unrealistisch, auch bei parship und Co.
    War auch früher in der Disco nicht anders.
  • Hanspeter  Niederer 11.10.2016
    Erfrischende Gegenposition zu dem Social Media-Hype. Eine Partnerschaft wird eigentlich erst richtig interessant, wenn es Probleme gibt - die mit der "Technik" des Gegenseitig-Aufeinander-Eingehens und des sich Gegenseitig-Ernstnehmens am besten zu lösen sind. Der Lohn des Bemühens heisst Vertrauen und Vertrautheit.
  • Peter  Balu J , via Facebook 10.10.2016
    Stimmt nicht wirklich: Dating Apps sind daran interessiert, Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Lovoo zum Beispiel, setzt Robot-Profile ein, um Interessierte zu "erleichtern". Da sind andere wohl nicht besser, nur wurden sie noch nie erwischt. Da lohnt es sich mehr, in einer Bar was trinken zu gehen.
    • Silvio  Mayer , via Facebook 11.10.2016
      Bei vielen Dating Apps steht es sogar in den Geschäftsbedingungen drin, dass auch Robot-Profile zum Einsatz kommen. Und die Seite alleine der Simulation eines Online Datings und der Unterhaltung dienen.