Wegen Angst vor GAU Schweizer hamstern Jod-Tabletten

  • Publiziert: 14.03.2011, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Andrea Schmits

ZÜRICH - Das Atom-Chaos in Japan schürt Ängste vor einer Kernschmelze in der Schweiz. Die Apotheken werden mit Anfragen nach Kaliumjodid-Tabletten überhäuft.

Die möglichen Kernschmelzen in Japan haben die Schweizer Bevölkerung aufgeschreckt und die Angst vor einem Unfall in einem hiesigen Atomkraftwerk bestärkt. Viele Menschen sind verunsichert und fragen in der Apotheke nach Kaliumjodid-Tabletten.

Diese sollen verhindern, dass sich im Fall eines GAUs radioaktives Jod, das über die Atemwege aufgenommen wird, in der Schilddrüse anreichert. Die Einnahme der Tabletten wird im Falle eines Störfalls in der Schweiz von den Behörden angeordnet.

«Viele Kunden fragen uns, ob sie Kaliumjodid-Tabletten kaufen sollen», sagt Maria Neuhäusler, Apothekerin in der Bahnhofs-Apotheke in Zürich zu Blick.ch. «Wir hatten auch Anfragen von Personen, die geschäftlich nach Japan müssen.»

Neuhäusler rät den Kunden, die in der Schweiz bleiben, vom Kauf der Tabletten ab. «Das ist nicht nötig», so Neuhäusler. Geschäftsreisenden gibt sie die Tabletten aber ab. «Schliesslich verstehen die meisten die japanische Sprache nicht und kennen sich nicht gut aus. Dann ist es besser, wenn sie bereits bei der Abreise versorgt sind.»

«Die Tabletten kann man nicht missbrauchen»

Auch Kunden, welche die Tabletten japanischen Verwandten oder Bekannten schicken wollen, würde Neuhäusler die Tabletten abgeben, «wenn die Begründung plausibel tönt». Denn: «Kaliumjodid-Tabletten sind kein Medikament, dass man missbrauchen könnte.»

Der Präsident des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) hat heute allerdings davor gewarnt, die Tabletten vorsorglich einzunehmen. Das sei gesundheitsschädlich.

Die Bahnhofs-Apotheke in Basel will keine Kaliumjodid-Tabletten für die Schweizer Bevölkerung abgeben. «Wir versuchen, die Kunden zu beruhigen. Wir wollen nicht, dass es zu Hamsterkäufen kommt», sagt Apotheker Andreas Schürmann. «Wir überlassen die Verteilung den Gemeinden, abhängig von den jeweiligen Gefahrenzonen.»

Tabletten ohne Rezept erhältlich

Laut der Geschäftsstelle für Kaliumjodid-Versorgung (Atag) ist es erlaubt, in der Schweiz Kaliumjodid-Tabletten zu kaufen und nach Japan zu schicken oder die Tabletten für den Notfall zu Hause zu horten. «Den Menschen in den bei einem GAU in der Schweiz gefährdeten Zonen 1 und 2 werden die Tabletten aber sowieso in die Haushalte abgegeben. Die Menschen in der Zone 3 erhalten die Medikamente auf Anordnung der Behörden von den Kantonen», erklärt Tony Henzen von der Atag. Sie seien aber auch frei in der Apotheke erhältlich.

«Man darf die Tabletten auch nach Japan schicken», so Henzen. Der Vorrat sei aber eigentlich für die Schweizer Bevölkerung gedacht.

play Hamsterkäufe von Kaliumjodidtabletten in der Schweiz sind unnötig. (ZVG)

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