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Ulrich und Daniel könnten Symbolfiguren des deutsch-schweizerischen Verhältnisses in der Region Basel sein. Wenn sie aufeinandertreffen, kracht es oft. Doch meist herrscht Harmonie. Sie mögen sich – und geben sich trotzdem regelmässig auf die Kappe.
Der Hüne Ulrich lebt seit 17 Jahren in der Schweiz. Seine Kinder sprechen Schweizerdeutsch. «Mit kleinen Fehlern.» Daniel ist gebürtiger Basler. Beide betreiben Ving-Tsun – ein Kung-Fu-Stil. Ihr Training spiegelt das Dreiländereck wieder. Hier üben Schweizer mit Deutschen und Franzosen.
«In diesem Sport spielen Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht keine Rolle», sagt Ulrich. Er ist Chemie-Ingenieur. In seinem direkten beruflichen und privaten Umfeld spüre er keine antideutsche Stimmung. «Aber im Alltag merke ich schon, dass einige Schweizer uns nicht so mögen.»
Daniel hingegen sagt: «Die Präsenz der Deutschen ist für uns Basler normal.» Mit einer Einschränkung: «Klar, im Fussball hoffe auch ich immer, dass d’Schwobe verlieren. Aber als Basler ist mir Lörrach näher als Bern – von Zürich ganz zu schweigen.»
Den häufigsten Kontakt zu Deutschen haben in der Region Basel die Grenzwächter: Etwa 27000 Pendler kommen täglich aus dem Badischen zum Arbeiten in die Nordwestschweiz. Die meisten über den Autobahnzoll Basel-Weil. «Ich habe beruflich wie privat sehr gute Erfahrungen mit den Deutschen gemacht», sagt Patrick Gantenbein (42) von der Grenzwache Basel. Hinter ihm wälzt sich die morgendliche Blechlawine aus Deutschland in die Schweiz.
Natürlich habe jede Nation ihre eigene Mentalität, weiss Gantenbein. «Und die Deutschen sind eben schon auf Zack.» Die Zusammenarbeit mit den Kollegen auf der anderen Seite der Grenze sei aber «hervorragend», schwärmt er. «Wir sind an der Gemeinschaftszollanlage Basel-Weil-Autobahn ja quasi Gäste, wir stehen hier auf deutschem Boden.»
Gantenbein stoppt ein Auto mit Lörracher Kennzeichen. Am Steuer: Klaus Stöcklin (43) aus Binzen. Er leitet in Kleinbasel ein Blumengeschäft. Von antideutschen Ressentiments hat er noch nichts gespürt: «Ich fühl mich gut angenommen in der Schweiz», sagt er in breitestem Alemannisch.
Die Basler und die Badenser – sie teilen sich Arbeits- und Beizentische. Doch kaum ist der andere weg, wird gelästert. Hüben wie drüben. «Die reichen Schweizer meinen, sie könnten sich alles erlauben», polterts in der verrauchten Lörracher Quartierkneipe. «Die Basler sind besonders schlimm, aber die sind ja sogar in der Schweiz unbeliebt.»
Auf der anderen Seite der Grenze spotten nicht nur die Fasnächtler über die arroganten Deutschen. Ihre Fussball-Nati, ihr «Wir sind Papst»-Gehabe und ihre «Geiz ist geil»-Mentalität. Auch an der diesjährigen Basler Fasnacht sind ein knappes Dutzend Sujets dem Nachbarn gewidmet.
Ulrich und Daniel sind in noch in einem Punkt typisch für die Region: Der kleine Daniel ist im Kampfsport der Trainer des grossen Ulrich. Der Schweizer ist der Dominante.
Auch die Lörracher und Weiler wissen: Sie kommen zwar aus dem grösseren Land, aber ihre Metropole steht beim kleinen Nachbarn: Basel.