Schweizer Bischöfe: «Diesmal wird es schlimmer»

  • Publiziert: 06.02.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
play Immer mehr Katholiken in der Schweiz haben genug vom Papst. (Reuters)

BERN – Die umstrittenen Entscheide des Papsts bereiten den Katholiken in der Schweiz immer grössere Sorgen. Sie befürchten massive Kirchenaustritte.

«Diesmal wird es schlimmer», sagt Guido Saxer, Synodalverwalter der Landeskirche Luzern. Und zieht den Vergleich mit früheren Krisen um den Papst. Den jüngsten Entscheid des Papstes verstehe nun wirklich niemand. Unverständlich seien nicht nur die antisemitischen Äusserungen von Bischof Richard Williamson, den Papst Benedikt XVI. jetzt rehabilierte. Problematisch sei die Haltung der gesamten Pius-Bruderschaft, deren Mitglied Williamson sei (siehe Box).

Daher dürften sich viele Gläubige von der Kirche abwenden.

Gleich tönt es aus Zürich. Der Sprecher der römisch-katholischen Landeskirche, Aschi Rutz, sagt es so: «Das ist wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.» Viele Leute wollen sich über das Vorgehen bei einem Austritt informieren. «Kommt normalerweise eine Anfrage pro Woche, sind es zurzeit drei bis vier pro Tag», so Rutz.

Dass es an der Basis brodelt, spüren offenbar auch die Schweizer Bischöfe. So hatte der St. Galler Bischof Markus Büchel gestern in einem offenen Brief die Bruderschaft St. Pius X. und die zögerliche Haltung des Papstes kritisiert.

Noch heute will sich Kurt Koch, Bischof des Bistums Basel, ebenfalls mit einem offenen Brief an die Gläubigen wenden, sagte Walter Müller, Sprecher der Schweizerischen Bischofskonferenz. Der Brief werde ähnlich kritisch ausfallen wie jener von Bischof Büchel. (SDA/snx)

Pius-Bruderschaft prügelt Medien

STUTTGART – Die erzkonservative Bruderschaft St. Pius X. hat die Medien scharf für ihre Berichterstattung über die Rehabilitierung ihrer vier Bischöfe kritisiert. «Trotzdem wir uns in den letzten Tagen mit aller Deutlichkeit von den Aussagen von Bischof Williamson zum Holocaust distanziert haben, sind wir weiterhin Ziel bösartiger Angriffe von Seiten der Massenmedien», sagte der Distriktobere in Deutschland, Pater Franz Schmidberger. «Wir dienen unserem Herrn Jesus Christus, der fleischgewordenen Wahrheit, nicht dem Vater der Lüge.» Papst Benedikt XVI. war mit seinem Entscheid, die Exkommunizierung der vier traditionalistischen Bischöfe aufzuheben, weltweit auf Unverständnis gestossen. Einer von ihnen – der Brite Richard Williamson – hatte die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Gaskammern der Nazis bestritten. Der päpstlichen Forderung nach Widerruf ist er bisher nicht nachgekommen. (SDA/snx)

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Betrug ruiniert Rentner «Wir haben unser Erspartes in sie investiert!»bullet

Schweiz

Erwägen Sie, wegen des Papst-Entscheides zu Bischof Richard Williamson aus der Kirche auszutreten?»

  • 54,3% Ja.
  • 45,7% Nein.