Schweizer Banker zittern vor Obama

  • Publiziert: 05.11.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

BERN – Peer Steinbrück hat wohl bald einen Verbündeten im Weissen Haus: Auch Barack Obama dürfte die Peitsche knallen lassen, um unser Bankgeheimnis zu knacken.

In der Schweiz überwiegt generell die Freude über den Triumph Barack Obamas. An der Zürcher Bahnhofstrasse dürfte der eine oder andere Chefbanker heute Morgen jedoch tiefe Sorgenfalten im Gesicht bekommen haben. Denn die Position der USA in Bezug auf das Bankgeheimnis könnte sich durch die Wahl des Demokraten verhärten.

Die Entscheidung Obamas, wen er zum Finanzminister kürt, dürfte einen Hinweis auf die zukünftige Haltung der USA geben. Das erklärte heute der Präsident der US-Republikaner in der Schweiz, Robert Gebhardt.

Er erinnerte auch daran, dass die USA ihren Ton im Bereich des Bankgeheimnisses und der Steuerflucht bereits unter der jetzigen Regierung verschärft habe: So verlange Washington bereits auf der ganzen Welt Zugang zu den Konten amerikanischer Bürger.

Auch die Schweizer Wirtschaft ist skeptisch: Obama werde Steueroasen wie der Schweiz und Liechtenstein den Kampf ansagen, lautet eine im Vorfeld der Präsidentenwahlen geäusserte Befürchtung. Im Senat hat Obama auch ein entsprechendes Gesetz eingebracht.

Die kritische Haltung gegenüber dem Schweizer Bankgeheimnis wird er wohl auch als Präsident nicht ablegen. «Der Druck auf die Schweiz zum Beispiel bei Regulierungen oder dem Informationsaustausch in Steuerangelegenheiten auf die Schweiz besteht aber schon heute», sagt Thomas Pletscher, Geschäftleitungsmitglied vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse.

Das Klima werde unter einem demokratischen Präsidenten sicherlich eher rauer: «Es wäre aber eine Illusion gewesen zu glauben, der Druck wäre weg, wenn McCain Präsident geworden wäre.» Jeder Regierungswechsel in den USA stelle eine gewisse Zäsur dar, sagte Pletscher. (SDA/hhs)

CH-Botschafter: Wahl Obamas «sehr positiv» für die Schweiz

WASHINGTON – Urs Ziswiler, der Schweizer Botschafter in Washington, beurteilt den Wahlsieg von Barack Obama als «sehr positiv» für die Schweiz und ihre Aussenpolitik. Dies vor allem, weil der künftige Präsident auf Multilateralismus setzt. Obama habe sich zugunsten des Dialoges auch mit Staaten wie Iran oder Venezuela ausgesprochen, erklärte Ziswiler. Für «die guten und engen Beziehungen» zwischen der Schweiz und den USA erwartet er keine grossen Änderungen. (SDA)
play Harte Zeiten kommen auf die Banken an der Bahnhofstrasse zu. (Reuters)

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