Schweizer Armee in der Kritik wegen rumänischen Hungerlöhnen Kampfstiefel-Näherinnen erhalten nur 2 Franken pro Stunde

Die neuen Kampfstiefel der Schweizer Armee werden in Rumänien produziert. Die Näherinnen erhalten nur gerade mal 2 Franken pro Stunde dafür, wie die Rundschau berichtet.

Kritik an Schweizer Armee: Neue Kampfstiefel genäht für 2 Franken Lohn play
Der Kampfstiefel 90 hat ausgedient. Das Nachfolgemodell wird in Rumänien gefertigt. Keystone

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Die Schweizer Armee kriegt neue Kampfstiefel. Über das Aussehen der neuen Blasen-Verursacher könnte man sich streiten. Das wäre aber oberflächlich. Die SRF-Sendung «Rundschau» liefert einen anderen Grund zur Empörung: Die neuen Stiefel werden zu einem Hungerlohn produziert.

80’000 Stiefel

Die italienische Firma AKU schnappte sich den lukrativen Auftrag: 80’000 Stiefel soll sie für unsere Soldaten herstellen. Die Produktionsstätte befindet sich in Rumänien, bezahlt wird nur gerade der Mindestlohn von monatlich rund 300 Franken brutto. Zwei Franken pro Stunde – für die Arbeiterinnen und ihre Familien zu wenig, um davon leben zu können. Trotz 100-Prozent-Anstellung.

«Es ist falsch zu meinen, gute Qualität habe ihren Preis!», klagt eine Näherin. Bei ihr kommt nämlich nichts davon an, von ihrem Lohn kann sie sich kaum Lebensmittel oder die Miete leisten.

Die Rundschau hat die Direktion der italienischen Firma mit den Vorwürfen konfrontiert: «Der Lohn, den wir zahlen, entspricht dem rumänischen Mindestlohn.» Sie gibt damit dem rumänischen Staat die Schuld: «Nicht wir haben den Mindestlohn festgelegt, sondern das rumänische Parlament.» Überstunden zahle man aber doppelt aus, und der tiefe Mindestlohn sei nur ein Einstiegslohn.

Kritik an Schweizer Vergabe

Doch die Kritik an den tiefen Löhnen bleibt. «Die Schweizer Regierung als Käufer diktiert die Vorgaben für den Kaufpreis und damit auch, was die Arbeiterinnen verdienen», kritisiert Corina Ajder von Clean Clothes Campaign. Sie erklärt, dass die tiefen Mindestlöhne in Rumänien Absicht seien, um konkurrenzfähig zu sein. 

Die Schweiz könnte den Arbeiterinnen vor Ort helfen und höhere Löhne bezahlen. Doch das Gesetz sieht nur die Einhaltung von Mindeststandards vor, wie beispielsweise das Verbot von Kinderarbeit. Armasuisse, die die Kampfstiefel im Ausland einkauft, erklärte, sie setze die bestehenden Gesetze um. (pma)

Publiziert am 17.11.2016 | Aktualisiert am 17.11.2016
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63 Kommentare
  • Rolf  Hess 18.11.2016
    Wenn durch die Linken die Armee abgeschafft werden soll und die Armee die einzige Institution ist, die in den letzten Jahren durch ständige Budgetkürzungen sparen musste, so liegen keine Militärschuhe mehr drin, die, wie früher, fas 200 Franken gekostet haben. Von der blühenden Schweizer Schuhindustrie ist wenig übriggeblieben. Der Verband hat sich ­aufgelöst und die meisten Fabriken haben ­dichtgemacht. Kaum Einer stellt also hier noch günstige Kampfstiefel her.
  • Thomas  Killer 17.11.2016
    Gemessen an der Kaufkraft und Lebenshaltungskosten entspricht der Lohn in etwa dem gleichen wie das bei uns ein einfacher angestellter auch bekommt. Auch bei uns reicht ein einfacher Lohn nicht für eine ganze Familie. Also macht hier kein Drama daraus.
  • marc  klauser aus schmitten
    17.11.2016
    Was sie dort nicht bekommen holen sie bei uns das zehnfache ein.
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    17.11.2016
    Eine liberale Volkswirtscharft führt auch zu einer absurden Entwicklung. Immer mehr Leute und selbst der Bund kaufen dort ein wo es am Billigsten ist. Alle wollen ihre Löhne beibehalten und tiefere Löhne werden als Lohndumping bekämpft. Skrupellose Manager und Schlaumeier die immer wieder Lücken für Optimierung finden, werden fürstlich entlöhnt. Dies kann auf längere Zeit nicht funktionieren und ein böses Erwachen dürfte auf uns zukommen.
  • Köbi  Karrer 17.11.2016
    Tja, unsere Rüstungsindustrie wurde von den Linken abgeschafft, da muss man halt im Ausland einkaufen.
    • Thomas  Hager aus Luzern
      17.11.2016
      Seit wann gehört eine Schuhfabrik zur Rüstungsindustrie? Ausserdem boomt unsere Rüstungsindustrie. Am gleichen Tag als wir über die Minarettinitiative abgestimmt haben hat das Volk Rüstungsexporte durchgewunken mit dem Resultat dass das kleine Land Schweiz der weltweit 16grösste Waffenproduzent geworden ist.

      Fakten sind nicht so ihr Ding gell!
    • Hans  Grüter 17.11.2016
      Herr Hager kennt offensichtlich den Unterschied zwischen Rüstungs- und Waffenindustrie nicht. Die Schweiz verkauft sehr viel Technologie, Tarnnetze usw. Der kleinste Teil sind Waffenexporte, aber das tönt natürlich nicht so reisserisch und wird deshalb einfach ignoriert gell?