Schweiz: Schlag gegen Schmuggel und Mafiosi

  • Aktualisiert am 13.01.2012

BERN – Die Bundesanwaltschaft klagt 10 mutmassliche Exponenten einer italienisch-schweizerischen Zigarettenmafia an. Sie sollen seit 1990 Gelder gewaschen haben – von weit über einer Milliarde Dollar!

Wie die Bundesanwaltschaft (BA) heute mitteilte, wurde die Schweiz von der neapolitanischen Camorra und der apulischen Sacra Corona Unita als Drehscheibe für die Reinvestition illegal erworbener Gelder genutzt. Eine ausgeklügelte Finanz- und Warenlogistik habe dabei den florierenden Zigarettenschwarzmarkt in Italien sicher gestellt.

Laut BA schafften die 10 Angeklagten – fünf Schweizer, drei Italiener, ein Spanier und ein Franzose – in den 1990er Jahren die Voraussetzungen für den Zigarettenschwarzmarkt in Italien. Dabei seien aus verbrecherischer Herkunft stammende Gelder über Tessiner Geldwechselstuben ins Schweizer Bankensystem eingeschleust worden.

Laut BA brachten Kuriere der Mafia riesige Bargeldmengen aus Italien über die Grenze. In Lugano seien die Gelder auf Bankkonten zwischengeschalteter Personen und Firmen gutgeschrieben, damit in Buchgeld umgewandelt und dem legalen Finanzkreislauf zugeführt worden.

Umweg über Montenegro

Einmal im formellen Bankensystem platziert, wurden diese Gelder laut BA auf dem weltweiten Parallelmarkt in unversteuerte Zigaretten investiert. Die Zigaretten seien nach Montenegro transportiert, dort zwischengelagert und für die Clans der kriminellen Organisationen bereitgestellt worden.

Auf Grund der gegen Montenegro verhängten Embargos sei der Adria-Anreinerstaat in eine politischen Isolation geraten, schreibt die BA. Den Machthabern des Landes habe sich durch die Erteilung von Exklusivlizenzen sowie die Erhebung von Transitgebühren auf Schmuggelzigaretten eine neue Einnahmequelle eröffnet.

In Italien verdächtigt die Staatsanwaltschaft den montenegrinischen Regierungschef Milo Djukanovic, den Zigarettenschmuggel über die Adria organisiert zu haben. Dieser beteuert seine Unschuld.

Laut BA löste die Mafia gegen Zahlung der montenegrinischen Transitgebühren den Gegenwert ihrer im Tessin einbezahlten Gelder in Form von Zigaretten aus. Mit Schnellbooten sei die Schmuggelware an die apulische Küste geschafft und von dort zu den Schwarzmärkten in Neapel und Apulien verschoben worden.

Auch Gewalt im Spiel

Seit Beginn der 90er Jahre bis Anfang 2001 wurde nach Angaben der BA praktisch der gesamte Geldfluss des via Montenegro ablaufenden Zigarettenschmuggels der Mafia über den schweizerischen Finanzplatz abgewickelt. Dabei seien Gelder von weit über einer Milliarde US-Dollar gewaschen worden.

Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, innerhalb einer transnationalen, arbeitsteiligen Organisationsstruktur die Einrichtung und den Betrieb einer komplexen Finanz- und Warenlogistik für den Zigarettenschwarzmarkt organisiert und sichergestellt zu haben.

Aufgrund des ermittelten Sachverhalts kommt die BA zum Schluss, dass die Angeklagten den Bestimmungszweck der auf dem Grauen Markt eingekauften Zigaretten und den kriminellen Hintergrund von deren Finanzierung kannten. Sie hätten gewusst, dass die Mafia ihre illegalen Geschäfte auch mit Gewalt durchsetze.

Jetzt müssen sich die angeklagten Schweizer und die in der Schweiz ansässigen angeklagten Ausländer vor dem Bundesstrafgericht wegen des Verdachts der Unterstützung einer kriminellen Organisation und der qualifizierten Geldwäscherei verantworten. (SDA/gux)

Gewinne von 10 Milliarden Dollar aus dem Zigarettenschmuggel wurden in der Schweiz reingewaschen.- Keystone

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