Schweiz: «Die guten Europäer»

  • Publiziert: 09.02.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

BERN – Es rauscht im Blätterwald: Die Zeitungen kommentieren das Ja zur Personenfreizügigkeit und deren Ausdehnung als Absage für Experimente.

Der «Spiegel» rückt die Schweiz schon näher an die EU heran. «Die Schweizer, oft als Rosinenpicker und Isolationisten belächelt, haben sich zu zuverlässigen Europäern entwickelt.»

Trotz der deutlichen Abstimmung. Die eidgenössische Neutralität wird grossgeschrieben: «Die Schweizer wollen in Europa zwar weiterhin ihren eigenen Weg gehen – aber sie gehen ihn konsequent und verlässlich.»

Für die «Neue Zürcher Zeitung» – stellvertretend für zahlreiche Blätter – ist das Resultat ein Nein zu Experimenten: «Auch in wirtschaftlich widrigen Zeiten haben sich die Schweizer klar für die Weiterführung des freien Personenverkehrs mit ihrem grössten Handelspartner ausgesprochen.»

«Nicht einmal die gegenwärtige wirtschaftliche Unsicherheit hat als Spezialargument verfangen», schreibt der Kommentator von «Die Südostschweiz» und stellt dann die Frage: «Wieso Bewährtes aufgeben, wieso sich vor zwei kleinen Staaten plötzlich noch mehr fürchten als vor ganz Osteuropa?»

«In wirtschaftlich unsicheren Zeiten vertraut der Souverän ganz offensichtlich der Stabilität und Sicherheit», schreibt die «Berner Zeitung». Auch für die «Neue Luzerner Zeitung» hat sich das Volk auf die sichere Seite gestellt: «Die Mehrheit hat stabile Beziehungen zur EU und damit den Zugang der Schweizer Wirtschaft zum Milliardenmarkt unserer mit Abstand wichtigsten Handelspartnerin hoch gewichtet. Höher als die Furcht vor ausländischer Konkurrenz im Wettkampf um die rarer werdenden Arbeitsplätze».

Plebiszit für bilateralen Weg

Für zahlreiche Zeitungen ist der Entscheid eine Bekräftigung des bilateralen Weges. So schreibt etwa die Westschweizer Zeitung «Le Matin": «Genau das ist die exakte Bedeutung des gestrigen Urnenganges: Ein Plebiszit für den bilateralen Weg und nichts mehr.»

Auch für «Le Temps» sind die 60 Prozent Ja-Stimmen die Zustimmung zum bilateralen Weg in seiner heutigen pragmatischen Form und mit seinen Einschränkungen. «Diesem Ansatz mangelt es zwar Glanz, aber er passt sich ganz gut der Souveränität an, und ist wenigstens mehrheitsfähig», schreibt das Blatt weiter.

Rückschlag für SVP

Für den Zürcher «Tages Anzeiger» ist das Abstimmungsresultat «eine Antwort des Volkes auf die Scharf- und Angstmacherei von rechts». Die 40 Prozent Nein haben für einige Zeitungen denn auch Auswirkungen auf die SVP.

«Der magere Nein-Stimmenanteil an diesem Wochenende spielt deshalb im SVP-internen Richtungsstreit den pragmatischen Kräften um Peter Spuhler in die Hände», schreibt etwa der Berner «Bund».

Oder: «Die SVP ist die grosse Verliererin. Sie hat mit ihrem lamentablen Hüst und Hott auch ihren eigenen Wirtschaftsflügel verärgert und muss nun die Reihen wieder schliessen», schreibt die «Berner Zeitung».

Ablaufdatum überschritten

Für die «Zürcher Landzeitung» hat die SVP-Spitze «durch ihr Zugeständnis an die anti-europäische Basis und dem damit verbundenen Zick-Zack-Kurs (...) an Glaubwürdigkeit eingebüsst».

Noch deutlicher äussert sich «Die Südostschweiz». Für sie ist die SVP «am Ende ihres Lateins": «Das traditionelle platte Nein gegen alles Europäische ist eine Strategie, deren Ablaufdatum gestern Sonntag überschritten wurde.» (SDA)

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