Schweinegrippe: Sauerei mit Medis

  • Aktualisiert am 13.01.2012

BERN – Swissmedic kämpft gegen das Geschäft mit der Schweinegrippe-Angst. Die Zulassungsstelle warnt vor Fälschungen und Medis mit falschen Versprechen.

Im Zusammenhang mit der Schweinegrippe hat das Heilmittelinstitut Swissmedic die Warnung vor dem Bezug antiviraler Grippemittel wie Tamiflu oder Relenza über unbekannte Quellen wiederholt. Die Zulassungsstelle mahnt auch zu Vorsicht vor einer unsachgemässen Einnahme.

Bei diesen antiviralen Substanzen handle es sich nicht um Impfstoffe, und eine prophylaktische Einnahme sei daher nicht sinnvoll. Beim Bezug aus nicht kontrollierter Quelle bestehe eine grosse Gefahr, dass es sich um Fälschungen handle, die gar nicht den korrekten Wirkstoff enthielten.

Selbst wenn man ein Präparat mit dem richtigen Wirkstoff erhalte, bestehe bei unsachgemässer Einnahme oder nicht optimaler Dosierung die Gefahr, dass sich resistente Virenstämme bildeten. Diese könnten sich dann ungehindert verbreiten, da die Medikamente nicht mehr wirkten.

Das Geschäft mit der Angst

Gegen den A/H1N1-Virus gebe es aktuell noch keine Impfung. Leider werde jedoch versucht, mit der Angst der Bevölkerung Geschäfte zu machen. Es würden vermehrt auch andere Produkte, etwa Stärkungsmittel oder Arzneimittel zur allgemeinen Förderung der Immunabwehr, als wirksam gegen dieses neue Virus angepriesen.

Diese Behauptungen seien in aller Regel nicht mit wissenschaftlichen Untersuchungen belegt und daher klar missbräuchlich und irreführend. Swissmedic warnt daher vor dem Bezug solcher Mittel.

Tamiflu neu sieben Jahre haltbar

Neu produzierte Tamiflu-Kapseln von Roche sollen statt 5 neu 7 Jahre haltbar sein. Dies empfiehlt die European Medicines Agency (EMEA) der Europäischen Kommission, wie die Nachrichtenagentur AWP berichtet.

Die EMEA hat wegen der Schweinegrippe auch die Verwendung von Tamiflu im Falle von Versorgungsengpässen untersucht. Falls die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Pandemie-Situation ausriefe, sollen auch die sich bereits auf dem Markt befindlichen Kapseln nach dem Verfalldatum von 5 Jahren für weitere 2 Jahre verwendet werden.

Nur noch vier Verdachtsfälle in der Schweiz

Heute Mittag vermeldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG), dass es in der Schweiz nur noch vier Verdachtsfälle von Schweinegrippe gibt. Gestern Abend waren dem BAG noch 5 Fälle vorgelegen, am Mittwoch 17 und am Dienstag 26 (Blick.ch berichtete).

Aktuell betroffen sind Personen aus den Kantonen Aargau, Bern und Baselland. Seit dem Aufkommen der Schweinegrippe A/H1N1 hat das Bundesamt 72 Meldungen empfangen.

In 67 Verdachtsfällen konnten die Ärzte Entwarnung geben. In einem Fall im Aargau bestätigte sich der Verdacht. Der Patient Kerry F.* (19) erholte sich inzwischen wieder. (SDA/noo)

Tamiflu ist kein Impfstoff, warnt die Zulassungsstelle Swissmedic.- Keystone

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