Weil Swissmedic schlampte Schweinegrippe: Jetzt büssen die Kinder!

  • Publiziert: 08.11.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Beat Kraushaar

In den Nachbarländern werden Kinder schon lange geimpft – nicht aber in der Schweiz.

Nur schwerkranke Knirpse erhalten ausnahmsweise sofort einen Schutz gegen das unberechenbare Virus H1N1. Gesunde Kinder müssen noch mindestens eine Woche auf ihre Impfung warten.

Fakt ist: Für die Zulassung der Impfstoffe brauchte die Heilmittelkontrolle Swissmedic wesentlich länger als die EU-Behörden. Mit einer Falschaussage versuchte Swissmedic-Präsidentin Christine Beerli dies schönzureden. Der Impfhersteller Glaxo Smith Kline habe das Zulassungsgesuch für Pandemrix in der Schweiz viel später eingereicht als in der EU, behauptete die Ex-FDP-Ständerätin.

Unsinn!

Richtig ist: Die Gesuche wurden zur gleichen Zeit verschickt, wie die «Aargauer Zeitung» nachwies. Für die Zulassung brauchte die Schweiz aber 23 Tage länger. Auch der zweite Impfstoff für Risikogruppen (Focetria) wurde von Swissmedic erst zwei Wochen später bewilligt als in der EU.

Swissmedic-Sprecher Joachim Gross schiebt den schwarzen Peter dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu. «Dass die Impfstoffe erst Mitte November ausgeliefert werden, dafür ist das BAG zuständig.»

Dieses spielt den Ball zurück an Swissmedic. «Die Hersteller mussten warten, bis der Imfpstoff bewilligt war. Erst dann konnten sie die Beipackzettel sowie die Verpackung organisieren und den Impfstoff aus dem Ausland in die Schweiz schicken», kontert Daniel Koch, BAG-Leiter für übertragbare Krankheiten.

Das Schwarzpeterspiel hat gravierende Folgen, vor allem für die Risikogruppe der Kinder bis zehn Jahre. Sie benötigen Impfungen, zweimal im Abstand von 14 Tagen. Dann dauert es nochmals zwei Wochen, bis der Schutz voll wirkt. Im Klartext: Frühestens Mitte Dezember sind Schweizer Kinder gegen die Schweinegrippe immun.

Bis zu diesem Zeitpunkt, so die Prognose der Experten, wütet das Virus schon längst im ganzen Land. Dass man «etwas hinter dem Plan» herlaufe und die Impfstoff-Vorbereitung zu spät komme, räumt auch BAG-Mann Daniel Koch ein.

Doch auch beim dritten Impfstoff (Celtura von Novartis) sind wir wieder Wochen später dran. Und einiges ist immer noch unklar, zum Beispiel ob Kinder damit ebenfalls zweimal geimpft werden müssen. «Wir rechnen damit, dass unser Zulassungsverfahren in zwölf Tagen abgeschlossen ist», sagt Swissmedic-Sprecher Gross. In Deutschland ist Celtura seit 4. November zugelassen.

Immerhin weiten die Gesundheitsbehörden ihren Kampf gegen das H1N1-Virus aus. Kleinkinder und Schwangere, die jetzt erkranken, sollen Tamiflu nehmen, empfiehlt Koch. «Das tötet die Viren ab und verhindert einen schweren Grippeverlauf. Man sollte es gleich zu Beginn der Erkrankung schlucken.» 

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