
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Seit mehr als zwei Wochen liegt eine junge Mutter im Basler Unispital im künstlichen Koma. Die Frau ist an einer schweren Lungenentzündung erkrankt, nachdem sie sich im Wochenbett mit dem Schweinegrippevirus infiziert hat.
Der Fall führt drastisch vor Augen, was Experten schon länger sagen: Schwangere und Wöchnerinnen sind durch das Virus besonders gefährdet. «An der neuen Grippe sterben überproportional viele schwangere Frauen oder erleiden Frühgeburten», sagt Claire-Anne Siegrist in der «NZZ». Die Präsidentin der Kommission für Impffragen riet sogar, das Schwangerwerden zu verschieben, bis der Impfstoff da ist.
Doch Frauen, die jetzt schon in Erwartung sind, bringt dieser Ratschlag nichts. Besonders Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Krippenleiterinnen, Pflegerinnen fragen sich: Bringe ich mein Ungeborenes und mich selbst in Lebensgefahr, wenn ich weiterhin zur Arbeit gehe?
Diese Frauen tragen ein hohes Risiko, sich im Job mit dem Virus zu infizieren. Eine schwangere Krippenleiterin zum Beispiel kann den täglichen Körperkontakt mit ihren Kleinen nicht umgehen, eine schwangere Kindergärtnerin kann nicht einfach von zu Hause aus arbeiten, bis der Impfstoff verfügbar ist.
In Schwangerschaftsforen melden sich nach den Sommerferien verängstigte Lehrerinnen zu Wort: «Jetzt kommt bei mir die Angst vor der Schweinegrippe. Geht es jemandem ähnlich?» Eine Lehrerin im vierten Schwangerschaftsmonat aus der Region Zürich beklagt sich: «Ich erfahre gar nicht, wenn ein Kind an meiner Schule wegen Schweinegrippe zu Hause bleibt. Das macht mir grosse Angst.»
Für den Zürcher Stadtarzt Dr. Albert Wettstein ist dennoch klar, dass eine generelle Freistellung von Schwangeren in Berufen mit hohem Ansteckungsrisiko keinen Sinn macht. Der Grund: Laut der neusten, im Fachmagazin «The Lancet» veröffentlichten Studie, lasse sich mit dem Medikament Tamiflu verhindern, dass infizierte Schwangere an einer Lungenentzündung erkrankten, erklärt Wettstein.
Wichtig sei aber eines: «Tamiflu muss in den ersten 36 Stunden nach Ausbruch der Krankheit eingenommen werden», so Wettstein. Bei den sechs Todesfällen von Schwangeren in den USA sei dies erst viel später geschehen. Einen generellen Dispens erachtet der Stadtarzt als «unverhältnismässig».
Es gibt aber auch Ausnahmen: «Wir raten schwangeren Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen, das Risiko einer Ansteckung bei ihrem nächsten Arztbesuch zu besprechen», erklärt Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerdachverbands. «Es ist dann Sache des Arztes zu entscheiden, ob eine Weiterarbeit an der Schule noch zumutbar ist oder ob aufgrund der Pandemie-Situation am Arbeitsort eine Arbeitsunfähigkeit ausgestellt wird», sagt Zemp weiter.
Auch Wettstein sieht die Möglichkeit für eine Freistellung in Einzelfällen – allerdings nennt er psychische Gründe: «Wenn die Frau sehr ängstlich ist und nicht mehr schläft, kann der Hausarzt sie immer noch krankschreiben.»
Dass eine Ansteckung für schwangere Frauen in bestimmten Berufen eine sehr reale Gefahr ist, stellt Dr. Wettstein allerdings nicht in Abrede: «Wer in einer Kinderkrippe arbeitet, wird wohl irgendwann infiziert werden.»
Dann hilft in vielen Fällen nur noch der Griff zum Tamiflu.