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Zwei Tage nach dem Unfall des Glacier Express im Wallis rätselt die Schweiz immer noch, was die stolze Touristenbahn bei Fiesch VS aus den Gleisen warf. Eine 64-jährige Japanerin starb, es gab 42 Verletzte, darunter fünf Schweizer. 23 waren gestern noch im Spital, zwei schwebten in Lebensgefahr.
Ein erfahrener Gleisarbeiter, der bei den Bergungsarbeiten mithalf, hat eine Vermutung: Das Profil des Schotters unter den Kurvengeleisen stimmte nicht. Unter den Vibrationen des Zugs rutschte Schotter weg – möglicherweise weil gepfuscht wurde. Das machte die Gleise instabil. Bahnexperten bestätigen: Ein solches Szenario ist denkbar.
Fakt ist: Wenige Tage vor dem Unfall wurde der Schotter an der betroffenen Kurve «gestopft». «Wir haben die Profile des Schotters nach dem Stand der Technik gelegt», sagt Willy In-Albon, Infrastruktur-Chef der Matterhorn Gotthard Bahn. Es habe sich um jährliche Routinearbeiten gehandelt. Mehr wollte er nicht sagen, weil eine Untersuchung laufe.
Pikant: Wenn der Glacier Express wegen Gleisproblemen verunglückt ist, könnte sich dies auf die Verantwortung für die Unfallkosten auswirken. Gemäss Bahndirektor Hans-Rudolf Mooser besitzt die Bahn zwar eine Versicherung für solche Fälle. Zudem steht das Management in der Verantwortung.
Doch die Gleiswartung ist in die Matterhorn Gotthard Infrastruktur AG ausgegliedert. Sie gehört mehrheitlich dem Bund sowie den drei Kantonen Uri, Graubünden und Wallis. Die Firma ist für die Instandhaltung und Erneuerung der Bahn verantwortlich. Wenn der Unfall auf ein Infrastruktur-Problem zurückzuführen ist, könnten also der Bund und die drei Kantone zur Kasse gebeten werden. Das bestätigt Direktor Mooser. Die Ermittler erhoffen sich mehr Informationen durch den Fahrtenschreiber in der Lokomotive. Dieser Streifen aus Papier registriert die gefahrene Distanz sowie die Geschwindigkeit an jedem Punkt der Strecke. «Wir haben den Registrierstreifen sichergestellt», sagt Untersuchungsleiter Jean Gross.
Ab heute soll der Glacier Express wieder normal fahren. Die Bahnchefs entschuldigten sich persönlich bei den Opfern.